Innenverteidiger Gianluca Reis ist mittlerweile eine der Identifikationsfiguren beim Lüner SV. © Timo Janisch
Fußball-Westfalenliga

Vom Sportplatz in den Kreißsaal: Bei Familie Reis geht nichts ohne den Fußball

Innenverteidiger Gianluca Reis arbeitet beim Lüner SV mittlerweile auch mit seinem Vater zusammen. Keine gewöhnliche Konstellation und vor allem eine, die ein besonderes Foto als Ursprung hat.

Bereits seit 2017 schnürt Gianluca Reis die Fußballschuhe für den Lüner SV. Dass er irgendwann einmal für den Westfalenligisten auf dem Platz stehen würde, stand eigentlich schon kurz nach seiner Geburt fest. Das hat einen doch sehr außergewöhnlichen Grund.

„Hat den ganzen Punk mitbekommen“

Es war der 1. Juni 1998 – der Lüner SV spielte in einem Entscheidungsspiel um den Verbandsliga-Aufstieg gegen Hombruch. Als Zuschauer am Platz: Der heutige Co-Trainer des LSV Marcus Reis zusammen mit seiner Frau. Der LSV feierte damals einen 1:0-Sieg. Doch der wichtige Erfolg rückte für Marcus Reis noch auf dem Sportgelände in den Hintergrund, denn von dort ging es umgehend ins Krankenhaus. Wenig später wurde Sohn Gianluca geboren.

„Er hat also quasi noch unmittelbar vor seiner Geburt den ganzen Punk auf dem Fußballplatz mitbekommen“, erklärt Marcus Reis heute. Knapp 22 Jahre später sind Vater und Sohn gemeinsam beim LSV aktiv, der eine als Co-Trainer, der andere als Spieler. Eine Konstellation, die die beiden allerdings schon gewohnt sind.

„Mein Vater hat schon in meiner Jugendzeit bei Eintracht Dortmund manchmal als Trainer ausgeholfen. Ich kenne es also schon, wenn der eigene Vater einen trainiert“, betont Gianluca. Seit der Rückrunde der vergangenen Saison unterstützt Marcus Reis LSV-Trainer Christian Hampel, um dessen Zukunft sich aktuell einige Gerüchte ranken, an der Seitenlinie. Betrachtet man die Vorgeschichte, ist der neue Trainerjob beinahe eine logische Konsequenz.

Anfangs nicht einfach für den Sohn

„Er war ohnehin häufig beim Abschlusstraining und hat bei den Spielen eh immer zugeschaut. Mein Vater hat natürlich auch selber einfach noch Bock darauf, sich im Fußball zu engagieren“, so Gianluca über seinen neuen Co-Trainer.

Eine besondere Behandlung gibt es für den 22-jährigen Innenverteidiger angesichts der besonderen Konstellation allerdings nicht. Im Gegenteil: „Ich behandle Gianluca wie jeden anderen Spieler auch. Wenn er einen vermeidbaren Fehler macht, bekommt er das von mir natürlich zu hören. Ich glaube, dass ich an ihn vielleicht sogar eine noch größere Erwartungshaltung habe als an andere“, so Marcus Reis.

Besonderes Foto beim Oberliga-Aufstieg 2000

Anfangs sei es für seinen Sohn schon nicht einfach gewesen, dass der eigene Vater als Trainer an der Seitenlinie steht. Die Skepsis ist laut Gianluca Reis jedoch verflogen. „Wir sind alle erwachsen und können das einordnen. Ich muss mir vielleicht dann im Privaten noch manchmal häufiger das eine oder andere Thema anhören, aber das ist wahrscheinlich ganz normal.“

Schon beim Oberliga-Aufstieg des LSV im Jahr 2000 war Gianluca Reis dabei - und zwar bei seinem Vater Marcus (obere Reihe, zehnter von links) auf dem Arm.
Schon beim Oberliga-Aufstieg des LSV im Jahr 2000 war Gianluca Reis dabei – und zwar bei seinem Vater Marcus (obere Reihe, zehnter von links) auf dem Arm. © Bernd Janning © Bernd Janning

Doch Familie Reis verbinden nicht nur die Ereignisse aus 1998 und die aktuelle Situation mit dem Lüner SV, sondern vor allem auch ein Foto, das nach dem Oberliga-Aufstieg des LSV im Jahr 2000 entstanden ist. Darauf zu sehen: Der damalige LSV-Spieler Marcus Reis mit einem kleinen Kind auf dem Arm – das Kind heißt Gianluca und ist mittlerweile zur Identifikationsfigur beim LSV gereift.

Obwohl zu diesem Zeitpunkt gerade einmal knapp zwei Jahre alt, erinnert sich der Innenverteidiger heute doch zumindest noch vage an die Zeit. „Ich weiß noch, dass ich damals immer mit meiner Mutter am Platz war und wenn sie mal eben irgendwie keine Zeit hatte, wurde ich bei den LSV-Fans abgestellt“, erklärt Gianluca.

Wo hätte es den Studenten also eher hinführen soll, wenn nicht ins Trikot des Westfalenligisten. „Gianluca ist als Kind ohne Ball eigentlich gar nicht gelaufen. Das fußballverrückte liegt vermutlich wirklich in der Familie“, so Marcus Reis.

Über den Autor
Redakteur
Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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