LSV-Torwart Jörg Lemke, hier noch im Trikot des BV Brambauer, achtet bei einem Strafstoß genau auf das Verhalten des Schützen. © Timo Janisch
Besondere Herausforderung

Stressfaktor Elfmeter: LSV-Keeper Lemke über mentalen Druck und Lewandowskis Einfluss

Bei Strafstößen kommt es auf winzige Kleinigkeiten an. Das weiß auch LSV-Torwart und Elfmeterkiller Jörg Lemke. Im Gespräch erzählt er unter anderem vom wichtigsten Strafstoß seiner Karriere.

Gibt es eine leichtere Übung für einen Fußballspieler als den Ball aus elf Metern ungehindert ins Tor zu befördern? Vermutlich nicht. Zu dieser Antwort würde man wohl gelangen, wenn man alle anderen Faktoren, die beim Elfmeterschießen auf den Schützen und den Torwart einwirken, außer Acht lässt.

Jörg Lemke, Torwart des Westfalenligisten Lüner SV, hat deshalb eine besondere Herangehensweise und dabei spielt auch Robert Lewandowski eine entscheidende Rolle.

Strafstöße vor allem eine mentale Herausforderung

Bayern München ist frühzeitig aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Gegen Holstein Kiel, einen Zweitligisten. Ein Ergebnis, das so wohl kein Buchmacher im Vorfeld erwartet hätte. Möglich gemacht hat diese Überraschung eine Entscheidung im Elfmeterschießen. Die Kieler bewiesen dort letztlich die besseren Nerven.

Hauptverantwortlich: Torwart Ioannis Gelios, der den entscheidenden Strafstoß von Marc Roca parierte und damit für das früheste Ausscheiden des Deutschen Rekordmeisters aus dem Pokal seit 20 Jahren gesorgt hat. Einer, der weiß, wie sich solche Situationen anfühlen, ist Jörg Lemke.

Für den 29-Jährigen, der vor der Saison vom BV Brambauer zum Lüner SV wechselte und dort aufgrund einer Verletzung noch ohne Einsatz ist, sind Strafstöße vor allem eine mentale Herausforderung: „Es ist schwer zu sagen, was man kurz vor einem Elfmeter denkt. Vieles passiert tatsächlich intuitiv.“

Dennoch sind es kleine Scharmützel, die sich da zwischen Torwart und Schützen abspielen. „Ich schaue mir genau an, wer sich den Ball nimmt und wann das passiert. Will er freiwillig schießen oder geschieht es durch Zuruf. Solche Dinge lassen schon einiges erkennen“, betont Lemke.

Umstände haben enormen Einfluss

Unmittelbar vor dem Strafstoß liege sein Fokus vollkommen auf dem Verhalten des Schützen. Selbst kleinste Regungen könnten entscheidend sein. „Man achtet auf die Körpersprache, den Anlauf, mit welchem Fuß wird geschossen und es spielt auch eine Rolle, ob man den Schützen vielleicht sogar kennt“, so der LSV-Keeper.

Von „einer leichten Übung“ kann beim Elfmeter also keine Rede sein. Am wichtigsten sei bei einem Strafstoß laut Lemke ohnehin der mentale Aspekt. Hinzu kommen die Umstände: Handelt es sich um ein Elfmeterschießen, ist es ein Pokalspiel oder vielleicht sogar ein Finale? „All das sind Fragen, die natürlich dann mit reinspielen. Ich übe Strafstöße zwar manchmal auch im Training, aber entscheidend ist wirklich das Mentale und das lässt sich kaum trainieren“, erklärt der 29-Jährige.

Wichtige Parade in der Aufstiegssaison

Derweil hat sich das Elfmeterschießen in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Die Schützen stoppen wie Robert Lewandwoski kurz vor dem Schuss ab, springen während des Anlaufs in die Höhe – Bruno Fernandes von Manchester United dürfte ein Begriff sein – oder tippeln auf dem Weg zum Ball, um diesen anschließend à la Simone Zaza aus dem Stadion zu schießen.

„Ich muss ehrlich sagen, dass es diese neuen Methoden für den Torwart nicht leichter machen“, betont Lemke. „Zwar werden die Elfmeter von den Profis auch absolut perfekt umgesetzt, aber auch im Amateurbereich finden diese Methoden hin und wieder Beachtung.“ Die Bandbreite der unterschiedlichen Möglichkeiten sei somit größer geworden.

Wie schnell man als Torwart bei einem Strafstoß allerdings auch zum Helden werden kann, erfuhr Lemke 2015 am eigenen Leib. Und das war nichts für schwache Nerven: Im Spitzenspiel um den Aufstieg in die Bezirksliga parierte der damalige Torwart des VfB Lünen in der Nachspielzeit einen Elfmeter gegen Verfolger Phönix Eving und sicherte dem VfB so den entscheidenden Sieg. Mit einer Parade zum Helden. Kommt einem bekannt vor und erinnert unweigerlich an einen gewissen Ioannis Gelios.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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