Die Spieler des FC St. Pauli mit Masken nach einem Spiel. Ein Münchener Sportwissenschaftler schlägt vor, dass auch im Amateursport ähnliche Maßnahmen ergriffen werden könnten. © dpa
Fußball

Masken auf dem Fußballplatz? Ein Lüner Trainer würde dann mit dem Fußball aufhören

Amateurfußballer sollen während des Spiels Masken tragen. Das schlägt ein Münchener Sportwissenschaftler vor. Die Lüner Trainer vertreten diesbezüglich eine einhellige Meinung – bis auf einen.

Wird in dieser Saison noch einmal Amateurfußball gespielt? Das wird wegen des verlängerten Lockdowns nicht gerade realistischer. Damit dies vielleicht doch noch gelingt, schlägt der Sportwissenschaftler Henning Wackerhage von der TU München vor, dass die Spieler vorübergehend mit Masken spielen sollten. Die Reaktionen der Lüner Trainer auf den Vorschlag sind eindeutig – mit einer Ausnahme.

„Das ist völliger Schwachsinn“, betont Mark Bördeling. „Wir sollten so lange warten, bis wir alles im Griff haben“, schlägt der Trainer des A-Ligisten VfB Lünen vor. Andere Bereiche seien seiner Meinung nach durchaus wichtiger.

Auch bei der grundsätzlichen Anwendung von Masken im Sport sieht Bördeling Probleme. „Die können ja festgetackert werden“, entgegnet er auf die Entwicklung einer Sportlermaske. Sportwissenschaftler Wackerhage arbeitet derzeit an einer Maske, die mit Tape auf das Gesicht geklebt wird, damit sie sich nicht bei Belastung und starker Atmung vom Gesicht löst. Bördeling scheint davon nicht überzeugt zu sein.

Der VfB-Trainer sieht aber noch eine weitere Schwierigkeit: „Es heißt nicht umsonst, dass man die Masken nur 75 Minuten tragen soll.“ Ähnliche bedenken hat auch Steven Koch. „Bei den FFP2-Masken wird nicht ohne Grund eine maximale Tragedauer angegeben.“

Mark Bördeling vom VfB Lünen hält Masken beim Fußball für „völligen Schwachsinn“.
Mark Bördeling vom VfB Lünen hält Masken beim Fußball für „völligen Schwachsinn“. © Timo Janisch © Timo Janisch

Ein Problem sieht der Trainer des Bezirksligisten Westfalia Wethmar auch bei der Leistungsfähigkeit. „Er sagt ja selbst, dass die beeinflusst wird“, bezieht er sich auf Wackerhages Aussage, dass die maximale Leistungsfähigkeit mit Maske sinke, aber Untersuchungen zumindest keine schweren Folgen wie Atemnot und Schwindel gezeigt hätten.

„Das ist Schwachsinn. Wir sollten lieber warten und eine Fortsetzung nicht mit Biegen und Brechen erzwingen. Unter den Bedingungen können wir die Spieler auch am Kicker austragen“, meint Koch.

Lorenz: „Das ist absoluter Quatsch“

Noch deutlicher als seine beiden Trainerkollegen hat sich Manuel Lorenz vom Bezirksliga-Team Lüner SV II positioniert. „Das ist absoluter Quatsch. Sollte das so sein, dann würde ich aufhören, mich abmelden. Wir haben andere Probleme. Ich bin klipp und klar dagegen. Wir sind alle unzufrieden, aber ich will nicht, dass die Oma meines besten Freundes stirbt. Wir würden so andere Menschen neuen Gefahren aussetzen.“

Unter sportwissenschaftlichen Punkten sei der Vorschlag ein No-Go. „Mit Maske kann man nicht 45 Minuten Spitzensport machen. Die Sauerstoffaufnahme wird reduziert.“ Besonders vorerkrankte Spieler könnten laut Lorenz darunter leiden. „Ich bin dafür verantwortlich. Ich habe Spieler, die sind Asthmatiker, Diabetiker. Denen soll ich das zumuten?“

Ist milde gesagt kein Fan von Masken beim Fußball: Manuel Lorenz, Trainer des Lüner SV II.
Ist milde gesagt kein Fan von Masken beim Fußball: Manuel Lorenz, Trainer des Lüner SV II. © Timo Janisch © Timo Janisch

Der LSV-II-Trainer hat stattdessen einen anderen Vorschlag. „Sie sollten die Saison abrechen und warten, bis wir alle geimpft sind. Ich kann verstehen, dass sie spielen wollen, aber lass uns etwas Geduld aufbringen.“

Deutlich diplomatischer sieht das Marco Fischer vom BV Lünen. „Im ersten Moment denke ich: Das ist Quatsch. Wenn wir damit mal trainieren könnten und berichten können, wie das ist, dann könnten wir nochmal darüber sprechen. Wenn es etwas bringt, gerne. Solange es letztlich nicht eine noch größere Behinderung ist.“

Fischer bringt noch ein anderes Problem ein, dass noch keiner der befragten Trainer genannt hatte. „Wir haben jemanden im Team, der eine Brille trägt. Die beschlägt dann ja die ganze Zeit beim Spiel.“ Und das ist nur einer der Aspekte, die Zweifel am Vorschlag des Wissenschaftlers aufkommen lassen. Ob die Masken also tatsächlich bald auf den Sportplätzen zu sehen sein werden, ist ungewiss.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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