Daumen hoch: Nicht nur die SG Gahmen hat es 2020 geschafft, zu begeistern. © Patrick Schröer
Jahresrückblick

Jahresrückblick: Die fünf größten Erfolge des Lüner Sportjahres

2020 dürfte das Jahr mit den wenigsten sportlichen Hoch- und Tiefpunkten seit vielen Jahrzehnten sein. Dennoch trotzten verschiedene Lüner Sportler den widrigen Umständen und sorgten für Begeisterung.

Zugegeben, viele Gelegenheiten zum Begeistern gab es nicht. Bis Mitte März war alles in Ordnung, dann viele, viele Wochen alles dicht. Als der Kontaktsport wieder möglich war, brauchten die Aktiven natürlich erstmal eine gewisse Zeit zum Auftauen, währenddessen waren keine Top-Leistungen zu erwarten. Prekäre Tabellensituationen haben sich ebenfalls natürlich noch nicht entwickelt. Dennoch haben wir sie gefunden: die fünf größten Erfolge des Lüner Sportjahres.

Der Lauf: Bei den Titelkämpfen in Lünen waren sie knapp im Finale gescheitert. Trotzdem galt der Auftritt der SG Gahmen als Erfolg. Noch stärker spielte die SGG schließlich in den Wochen darauf bei den Hallenstadtmeisterschaften in Dortmund auf. Beim Turnier, das in Deutschland seinesgleichen sucht, schaffte die technisch beschlagene Elf von Trainer Bülent Kara wieder und wieder den Sprung in den nächsten Tag. Der verdiente Lohn: die Teilnahme am Endrunden-Wochenende in der Helmut-Körnig-Halle. Spiele vor bis zu 5.000 Zuschauern auf einem teppichgleichen Kunstrasen statt Kreisliga A auf heimischer Asche. Erst im Viertelfinale gegen den Westfalenligisten und späteren Stadtmeister BSV Schüren war schließlich Schluss – und nüchtern betrachtet eigentlich mehr drin. Zurück nach Lünen ging es mit einer großen Portion Anerkennung aus Dortmund.

Der Lohn: Bei den Handballerinnen des Lüner SV setzt man auf Beständigkeit – in Sachen Personal und auch in Sachen Aufstiegs-Stil. 2018 stieg der LSV um Trainer Marcel Mai per Relegation in die Verbandsliga auf. Selbst in die Landesliga, die die Lünerinnen damit verließen, war man per Extra-Runde aufgestiegen. 2020 setzte die Mai-Sieben dann noch einen drauf: Mit einer jungen und ausgeglichenen Mannschaft sammelte man im Corona-Jahr 2020 statt Punkte am Ende einen Quotienten – und dieser reichte für Rang drei und die Wildcard zum Aufstieg in die Oberliga. „Einfach kann auch jeder“, sagte Mai, als die Regelung des Handballverbands Westfalen feststand. Die LSV-Frauen haben damit den VfL Brambauer überflügelt, sind nun die Nummer eins in Lünen. Und bevor die Pandemie den Spielbetrieb erneut unterbracht, holte der Lüner SV sich auch in der Oberliga schnell den ersten Sieg.

Die Landung: Seit Mitte März war an Fußballspielen erst überhaupt nicht, dann zumindest etwas und irgendwann wieder richtig zu denken. Rund drei Monate schauten die Protagonisten der beliebtesten Sportart in die Röhre, hielten sich individuell und später in Kleingruppen ohne Körperkontakt fit. Dann aber, am 26. Juli war es so weit. Zwar hatten schon vorher Lüner Fußballteams wieder Spiele absolviert, doch das Duell zwischen BW Alstedde und dem SV Preußen war das erste Spiel zweier ersten Lüner Fußballmannschaften, seitdem die Pandemie den Sport in die Zwangspause geschickt hatte. Das Ergebnis, die Torschützen – alles höchstens nebensächlich. Endlich wieder Mannschaftssport.

Der Läufer: Zugegeben, als Individualsportler hat man es dieser Tag vergleichsweise leicht. Man ist in der Regel weder auf Mit- oder Gegenspieler noch auf besondere Infrastruktur angewiesen. Wie man dennoch während der Pandemie für die eigenen, besonderen Momente sorgt, hat Michael Petry 2020 mehrfach bewiesen. Im Juli legte der Läufer die erste Zahl hin, bei der vielen Menschen schon schwindelig wird: 100 Kilometer ist er gelaufen. Am Stück. Stets um und über den Lippedamm herum. Am nächsten Tag hat Petry noch genügend Kraftreserven übrig, um am Fußballplatz von BW Alstedde kraftvoll in die Bratwurst zu beißen. Im Oktober dann der nächste Meilenstein. Bei einem 24-Stunden-Lauf in Arnsberg – ja, so etwas gibt es – lief er seinen 1000. Tag in Serie mindestens eine Meile, also 1,6 Kilometer. Das nächste Ziel hat er natürlich schon ins Auge gefasst: 2.000 Tage am Stück. Für Petry ist zu hoffen, dass die Stadt Lünen ihm 2021 wieder einen eigenen Lauf genehmigt.

Ultraläufer Michael Petry (l.) wirkt entspannt. Unser Redakteur eher weniger. © Goldstein © Goldstein

Das Lokalduell: Westfalia Wethmar gegen BW Alstedde. Nach Meinung vieler Lüner ist es die größte Fußball-Rivalität, die diese Stadt zu bieten hat. Nach Jahren des Wartens war es im Oktober wieder so weit, beide Teams trafen in der Liga aufeinander. Doch die Tage und Stunden vor dem Duell entwickelten sich zu einem Krimi. Aufgrund des hohen Inzidenzwertes untersagte der politische Kreis Unna einen Tag vorher sämtlichen Kontaktsport – mit Gültigkeit wenige Stunden nach Abpfiff des Derbys. Die Verantwortlichen in Alstedde tagten kurzfristig, sie hatten massiv die Werbetrommel gerührt. Das Ergebnis: Das Derby solle stattfinden, wie geplant mit bis zu 500 Zuschauern. Am Ende waren es etwas weniger, die ein tolles Fußballspiel sahen. Viele Zweikämpfe, Nieselregen, eine hohe Intensität, einen routinierten Kai Schinck, der die Alstedde-Defensive in den Wahnsinn trieb, drei Rote Karten und ein 3:1 der Westfalia.

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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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