Das Jahr 2020 im Lüner Sport: Corona hat es dominiert - aber nicht ausschließlich. © Timo Janisch

Jahresrückblick: Die fünf größten Enttäuschungen des Lüner Sportjahres

2020 dürfte das Jahr mit den wenigsten sportlichen Hoch- und Tiefpunkten seit vielen Jahrzehnten sein. Dennoch gab es sie: Die Geschichten vom Scheitern im letzten Moment oder Versagen auf ganzer Linie.

Das Corona-Jahr 2020, in dem nur bis Mitte März (sportliche) Normalität herrschte, ist längst in die Geschichte eingegangen. Was bleiben wird, sind vor allem die Dinge, die Pandemie-bedingt nicht passiert sind. Doch ein Blick auf die sportliche Diversität der Stadt und der Fülle an sportlich engagierten Menschen zeigt, dass auch 2020 einige Schlagzeilen produziert hat. Wir blicken auf das Jahr zurück, beginnend mit den großen Enttäuschungen der vergangenen zwölf Monate.

Das Ende des Brambaueraner Siegeszuges: Im Dezember hatte der BV Brambauer überraschend bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften triumphiert. Und die Erfolgswelle setzte sich auch Anfang des neuen Jahres fort, auch bei den Dortmunder Titelkämpfen – wo man als Bezirksligist allerhöchstens Außenseiterchancen hat – kämpfte sich der BVB durch das Turnier, hielt teils höherklassigen Gegnern stand. Beinahe hätte es auch zur Teilnahme an der Endrunde mit bis zu 5.000 Zuschauern gereicht – doch dann unterlief ausgerechnet dem routiniertesten aller Brambaueraner und dem in Lünen als bester Spieler ausgezeichneten Dennis Stolzenhoff eine Undiszipliniertheit. Sieben Sekunden ließ sich „Stolle“ zu einem unnötigen Foul im Niemandsland hinreißen, er erhielt eine Zeitstrafe. Gegner Westfalia Wickede spielte die Überzahl blitzschnell aus und traf noch vor der Sirene zum 1:0-Sieg. Der BV Brambauer war plötzlich ausgeschieden. Am Endrunden-Wochenende hielt der BVB in der Helmut-Körnig-Halle wieder nur Bier und keine Medaillen in der Hand.

Die geplatzte Feier: An Lüner Mannschaften, die durch die Kreisliga A2 pflügen, hatte man sich in der Zwischenzeit gewöhnt. Dennoch war es beeindruckend, wie souverän BW Alstedde in der Saison 2019/2020 Woche für Woche seine Gegner um drei Punkte erleichterte. 15 von 19 Spielen gewannen die Blau-Weißen, kassierten dabei nur 14 Gegentore und hatten zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung acht Punkte Vorsprung auf die SG Gahmen. Doch aufgrund der Pandemie, die eine Fortsetzung der Saison unmöglich machte, fiel der längst ins Visier genommene Meisterschaftsjubel auf dem Feld aus. Stattdessen erfuhren die Alstedder auf der Couch und nach sich lange andeutenden Entscheidungsprozessen vom Bezirksliga-Aufstieg. Auch das große Fest zum hundertjährigen Bestehen des Vereins inklusive Testspiel gegen Borussia Dortmund fiel aus. Eine erfolgreiche Saison nahm ein enttäuschendes Ende, ohne dass ein Blau-Weißer etwas dafür konnte. Erwähnt seien an dieser Stelle auch die Aufstiegshoffnungen des VfB Lünen und der SG Gahmen, die keine Chance mehr auf die Relegation bekamen und darüber nicht glücklich waren.

Die Dummheit: Es passierte auf der Anlage des VfB an einem Sonntag im September, als die Meisterschaft gerade wieder aufgenommen werden konnte. Ein Akteur von Osmanlispor Dortmund wusste die Rückkehr in den Spielbetrieb offenbar überhaupt nicht zu schätzen und verbannte sich für acht ganze Jahre selbst von den Fußballplätzen der Region. So hoch war nämlich die Sperre, die er erhielt, nachdem er den Unparteiischen einer bis dato fairen Partie per gezieltem Faustschlag und Kniestoß ausgeknockt hatte – weil er für das Meckern über einen Elfmeterpfiff des Schiedsrichters die Ampelkarte gesehen hatte.

Die Einsicht: Ab dem späten Frühjahr keimte Hoffnung auf. Hoffnung, dass der Sport sich in seiner viel zitierten „neuen Normalität“ behaupten und nicht wieder zurück in die Zwangspause gehen müsse. Doch am 9. Oktober setzte sich allmählich die Einsicht durch, dass Normalität und Hoffnung der Realität weichen müssen. Einen Tag vor einer der ersten Höhepunkte der Lüner Sportsaison – dem Bezirksliga-Derby zwischen den Handballern des Lüner SV und denen des VfL Brambauer II – entschieden beide Vereine zunächst gemeinsam, dass das Lokalduell unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden werde. Doch diese Entscheidung hielt keine 24 Stunden, der Handballkreis setzte alle Partien ab. Seitdem fliegt kein Hand-, Basket-, Volley- oder Federball mehr durch Lüner Sporthallen.

Ein Derby vor Zuschauern – es wird den Handballern des VfL Brambauer und Lüner SV wohl noch länger vergönnt bleiben. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die fehlenden Punkte: Es dürfte 2020 wohl keine Lüner Fußballmannschaft so wenig Zähler gesammelt haben wie der Lüner SV II. Ein Sieg gelang vor der Unterbrechung im März. Seitdem der Ball wieder rollt, holte der LSV keine Punkte, schoss in der Bezirksliga nicht mal ein Tor und kassierte dafür schon zwölf in nur drei Spielen. Das alles, obwohl man im Sommer Verstärkung für die zuletzt arg ausgedünnte Mannschaft geholt und mit Manuel Lorenz einen neuen Trainer installiert hatte. Dass die Rot-Weißen ein Jahr nach dem Aufstieg überhaupt noch überkreislich spielen, verdanken sie der Regelung zur Saisonwertung, die ohne Absteiger auskam. Wenn ein Neujahrsvorsatz für 2021 erlaubt ist, dann folgender: So soll sich bitte keine Lüner Sportmannschaft mehr präsentieren müssen.

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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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