LSV-Trainer Marcel Mai hat der Stadt ein eigenes Trainings-Konzept für das Umfeld der Rundsporthalle vorgelegt. © Weitzel
Hallensport

Hallensportler üben deutliche Kritik: „Stadt wirft uns Knüppel zwischen die Beine“

Noch sind die Sporthallen in Lünen geschlossen, im Falle einer Öffnung müssten aber strenge Regeln eingehalten werden. Die Vereine fühlen sich von der Stadt daher teilweise im Stich gelassen.

Der Amateursport hat erstmals seit Wochen eine Perspektive zur Rückkehr aus dem Lockdown. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte in der kommenden Zeit auch wieder in Gruppen trainiert werden. Inwieweit davon aber auch der Sport in geschlossenen Räumen konkret profitiert, ist noch nicht absehbar. Alles steht und fällt mit der Entwicklung der Inzidenzwerte.

Fernab einer möglichen Öffnung hat die Stadt Lünen die Vereine in dieser Woche vorsorglich über neue Regeln informiert, die bei einer zukünftigen Nutzung der Turn- und Sporthallen zu beachten sind. Bei den Verantwortlichen sorgen die Maßnahmen für Kopfschütteln. Dabei wird insbesondere die Praktikabilität angezweifelt.

Kein ausreichendes Training möglich

Größter Diskussionspunkt? Die festgesetzten Lüftungszeiten von 45 Minuten zwischen zwei unterschiedlichen Trainingsgruppen. „Wie soll das denn funktionieren? Wenn regelmäßig so eine Pause notwendig ist, dann können wir nur einen Teil unseres Trainingspensums gewährleisten. Und wie soll ich einer Oberliga-Handballerin erklären, dass sie nur einmal in der Woche trainieren kann?“, betont Marcel Mai, Trainer beim Lüner SV.

Man habe schon im vergangenen Jahr regelmäßig mit offenen Hallentüren trainiert, um ausreichend lüften zu können. Dies könne laut Mai auch jetzt eine realistische Lösung sein. „Mir kann doch niemand erzählen, dass die Luft in den Sporthallen zu schlecht ist, wenn die ganze Zeit die Türen aufstehen. Wenn wir demnächst immer eine 45-minütige Lüftungspause ansetzen müssen, ist ein vernünftiger Trainings- und Spielbetrieb überhaupt nicht möglich.“

Zwangspause wird vor allem für Junioren zum Problem

Hinzu komme, dass die Vereine von der Stadt über die getroffenen Regelungen lediglich informiert worden seien und keinerlei gemeinsame Überlegungen stattgefunden hätten. Ein Punkt, der den Handball-Funktionär erstaunt. „Wir bekommen keine individuelle Rückmeldung und uns werden von der Stadt nur Knüppel zwischen die Beine geworfen, anstatt uns vielleicht Alternativen aufzuzeigen. Da werde ich wirklich sauer.“

Wenig Verständnis ernten die Maßnahmen der Stadt auch von Elisabeth Reinkober, Fachschaftsleiterin Volleyball beim DJK SuS Brambauer. Die formulierten Lüftungsvorschriften seien alles andere als praxisnah. „Ich kann ja nachvollziehen, dass eine Lösung gefunden werden muss, aber die Regeln sind so doch gar nicht umsetzbar. Ich kann mich zwischen den Trainingseinheiten ja kaum jedes Mal ins Auto setzen, um 45 Minuten auf die nächste Gruppe zu warten.“

LSV-Trainer erstellt eigenes Trainings-Konzept

Im Hallensport werde die andauernde Zwangspause gerade im Kinder- und Jugendbereich zunehmend zum Problem. „Wir müssen den Kindern doch Möglichkeiten bieten und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Training bei geöffneten Türen und Fenstern derart risikoreich ist“, so Reinkober.

Auch die Basketballer der BG Lünen würde demnächst gerne wieder das Training aufnehmen.
Auch die Basketballer der BG Lünen würde demnächst gerne wieder das Training aufnehmen. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Und auch dem Geschäftsführer der BG Lünen, Martin Werthschulte, fehlt die langfristige Perspektive seitens der Stadt. Jede kleine Lockerung sei zwar gut, „die Hallenzeiten in Lünen sind allerdings ohnehin knapp genug und mit den getroffenen Regeln lässt sich ein Trainingsbetrieb kaum bewerkstelligen“.

Er wolle deshalb noch einmal das Gespräch mit der Stadt suchen. „So wie die Maßnahmen jetzt sind, weiß ich nicht, wie das umsetzbar sein soll. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn man sich nochmal mit der Stadt zusammensetzt, um eventuell auch längerfristige Möglichkeiten zu diskutieren“, so Werthschulte.

Unterdessen hat LSV-Trainer Marcel Mai für die Rundsporthalle im Rahmen der geltenden Regeln ein eigenes Trainings-Konzept entwickelt. So kann zukünftig zumindest im Umfeld der Halle trainiert werden. „Wir haben hier ja durchaus noch andere Möglichkeiten und so können wir ein bisschen was machen“, so der LSV-Trainer.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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