Auch die Lüner Hallenstadtmeisterschaft im Jugendfußball musste in diesem Jahr abgesagt werden. © Günther Goldstein
Junioren

Gravierende Folgen: Lange Pause verzögert Entwicklung im Juniorenfußball

Die anhaltende Corona-Zwangspause führt für die Sportvereine zunehmend auch im Jugendbereich zu Schwierigkeiten. Es werden teilweise langfristige Folgen für die Entwicklung der Kinder befürchtet.

Es ist eine Entwicklung, die sich derzeit nur schwer fassen lässt, zeitgleich allerdings beinahe alle Verantwortlichen im Juniorensport eint. Die Rede ist von der Sorge um die Zukunft der Jugendabteilungen. Vielfach wurde in den vergangenen Wochen darüber diskutiert, inwieweit die lange sportfreie Zeit dazu führe, dass sich Kinder vom Sport in den Vereinen entfernen.

Doch nicht nur der befürchtete Mitgliederschwund in den Nachwuchsmannschaften, sondern auch die möglichen Folgen für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen machen den Verantwortlichen in Lünen derzeit zu schaffen.

Schulöffnungen geben eine Perspektive

„Gerade für die Kleinen sind die fehlenden Monate natürlich ein Riesenverlust in der Entwicklung und das wird man auch nicht wieder aufholen können“, betont unter anderem der Jugendleiter von Westfalia Wethmar Bernd Völkering. Und Völkering muss es wissen, ist er doch schließlich im Berufsleben als Grundschullehrer unterwegs.

Bernd Völkering (r.) ist Jugendleiter beim TuS Westfalia Wethmar.
Bernd Völkering (r.) ist Jugendleiter beim TuS Westfalia Wethmar. © Goldstein © Goldstein

Doch gerade aus seiner beruflichen Perspektive heraus, schöpft der TuS-Jugendleiter Hoffnung. Das hängt vor allem mit den geplanten Schulöffnungen zusammen. „Dass die Kinder zumindest teilweise wieder in die Schulen gehen können, gibt ihnen wenigstens eine Perspektive und sie haben mal wieder andere soziale Kontakte. Das kann sicherlich hilfreich sein“, so Völkering.

Denn der Wunsch der Kinder und Jugendlichen wieder ihre Freunde zu treffen und beispielsweise auch wieder auf den Fußballplatz zu dürfen, ist groß. „Im Moment ist es natürlich für alle schwierig und man versucht irgendwie den Kontakt zu den Junioren zu halten, aber letztlich brennen alle auf den Restart“, erklärt der Jugendleiter.

Sprung in den Seniorenbereich erschwert

In dieser Situation seien insbesondere die Trainer gefordert, nicht nur den Kontakt aufrechtzuerhalten, sondern auch für eine positive Atmosphäre zu sorgen. Laut Völkering sei es erforderlich, „Optimismus zu verbreiten und den Kindern trotzdem gute Laune zu vermitteln.“

Ähnlich sieht das auch der erste Jugendleiter von BW Alstedde Alexander Specht. Die Lust der Kinder und Jugendlichen, sich endlich wieder im Sportverein zu betätigen, sei ungebrochen. „Wir werden regelmäßig gefragt, wann es denn endlich wieder losgehen kann. Die Kinder haben Bock, wieder an den Ball zu treten“, so Specht, der allerdings auch betont, dass die verloren gegangenen Zeit in der Entwicklung nicht wieder aufgeholt werden könne.

Zahlen bewegen sich auf „stabilem Niveau“

Eine Situation, die vor allem für die A-Junioren, die vor dem Sprung in den Seniorenbereich stehen, problematisch werden kann. „Es wird normalerweise schon ein Jahr vorher geschaut, wer es beispielsweise in die erste Mannschaft schaffen kann. Aber das zurückliegenden Jahr wirft sicherlich einiges durcheinander. Da wird man schauen müssen, wie sich die Situation darstellt, wenn wir wieder loslegen dürfen“, erklärt Specht.

Unterdessen sind konkrete Auswirkungen derzeit noch schwer zu vereinheitlichen. Es gibt aber erste Einschätzungen, die zumindest vorsichtige Aufschlüsse liefern können: So zeigt die Entwicklung bei Westfalia Wethmar beispielsweise, dass sich die Mitgliederzahl im Juniorenbereich von 377 im Jahr 2019 auf aktuell 330 verringert hat.

Dabei handele es sich zwar um einen vergleichsweise normalen Trend und insgesamt bewege man sich laut Völkering auf einem „stabilen Niveau“, ob sich diese Entwicklung infolge der Pandemie allerdings zunehmend verstärkt, kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Andreas Herzig vom BV Brambauer rechnet indes damit, dass durchaus Spieler auf der Strecke bleiben werde. „Es werden wahrscheinlich nicht alle zurückkehren und dann wird sich zeigen, ob im Jugendbereich überhaupt alle Mannschaften so wieder an den Start gehen können wie vor der Pandemie.“ Schlussendlich könnte die anhaltende Ausnahmesituation schon „katastrophale Folgen haben“, betont der Jugendleiter des BVB.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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