Sollte die unterbrochene Spielzeit noch einmal aufgenommen werden, könnten Geisterspiele eine Möglichkeit sein. © Jens Lukas
Fußball

Geisterspiele im Amateurfußball? Vereine befürchten mehr Schaden als Nutzen

Spiele ohne Zuschauer? Diese Idee wird mittlerweile auch im Amateurfußball diskutiert. Ein Vorschlag, der bei fast allen Lüner Vereinen auf großes Unverständnis stößt – aber eben nur fast.

In den Profiligen sind sie längst Realität, doch nun werden Spiele ohne Zuschauer, sogenannte „Geisterspiele“, auch zu einer möglichen Option für den Amateurfußball. Zuletzt regte der Vize-Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW), Manfred Schnieders, im Livetalk mit den Ruhr Nachrichten an, Geisterspiele zumindest als „ein Angebot an die Politik“ zu diskutieren.

Die Lüner Fußballvereine sind sich in diesem Punkt allerdings beinahe einig: Spiele ohne Zuschauer machen im Amateurfußball keinen Sinn. Nur eine Mannschaft könnte sich mit einem solchen Vorgehen anfreunden.

SG Gahmen möchte Spielbetrieb fortsetzen

„Angesichts der Tatsache, dass für uns der Bezirksliga-Aufstieg auf dem Spiel steht, würden wir jede Form der Saisonfortsetzung begrüßen – auch wenn das heißen würde, dass die Partien ohne Zuschauer stattfinden müssten“, betont der Sportliche Leiter der SG Gahmen, Hüseyin Tekin.

Für den Verein aus dem Lüner Süden gehe es vor allem darum, die aktuelle Saison sportlich vernünftig beenden zu können. Sei dies nur möglich, wenn man auf die Fans und Zuschauer verzichte, „muss man dies leider so hinnehmen. Wir würden Geisterspiele auf jeden Fall befürworten“, so Tekin, der mit seiner Sichtweise allerdings kaum Gleichgesinnte im Lüner Amateurfußball findet.

Im Gegensatz zu Tekin plädiert der Großteil der Verantwortlichen nämlich für einen kompletten Abbruch der laufenden Spielzeit und eine gesamte Annullierung der Saison. Spiele ohne Zuschauer? Das ist für viele Offizielle wie unter anderem den stellvertretenden Vorsitzenden des Lüner SV, Peter Marx, keine ernsthafte Option.

Im Gegenteil: „Das macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn. Wir leben im Amateurfußball von den Zuschauern und sind insbesondere auch finanziell auf die Einnahmen angewiesen“, so Marx. Zudem sehe man, dass die fehlenden Zuschauereinnahmen schon in den Regionalligen zum Problem werden würden. Deshalb könne man davon ausgehen, dass ein Spielbetrieb ohne Zuschauer in den unteren Ligen noch gravierenden Folgen hätte.

„50-Prozent-Regel ist bedenklich“

Außerdem kritisiert der LSV-Verantwortliche das generelle Festhalten des Verbandes an der Fortsetzung der aktuellen Saison: „Ich finde diese 50-Prozent-Regel sehr bedenklich. Auch wenn die Statuten des Verbandes momentan scheinbar keinen Abbruch zulassen, eine Fortsetzung ist einfach nicht realistisch.“

Spiele ohne Zuschauer sind laut Rainer Manns vom BV Brambauer kaum zu händeln.
Spiele ohne Zuschauer sind laut Rainer Manns vom BV Brambauer kaum zu händeln. © Janning © Janning

Wenig Verständnis hat auch Rainer Manns, seines Zeichens Vorsitzender des BV Brambauer. Für ihn sei die Überlegung, Spiele ohne Zuschauer abzuhalten, „völliger Blödsinn“. Und Manns geht noch weiter: „Wie soll so etwas überhaupt gehändelt werden? Es entstehen durch den Spielbetrieb dann wieder zusätzliche Kosten, aber auf der anderen Seite gibt es keine Einnahmen. Das ist überhaupt nicht zu machen.“

Vor allem auch die fehlenden Werbeeinnahmen bringen Manfred Ungethüm von BW Alstedde zum Nachdenken.
Vor allem auch die fehlenden Werbeeinnahmen bringen Manfred Ungethüm von BW Alstedde zum Nachdenken. © Timo Janisch © Timo Janisch

Vergleichbare Schwierigkeiten befürchtet man auch bei Blau-Weiß Alstedde. Ähnlich wie zuvor schon Marx und Manns sieht auch der BW-Vorsitzende Manfred Ungethüm die diskutierten Geisterspiele als keine ernsthafte Option an. „Das ist finanziell nicht darstellbar und würde einige Vereine wirklich überfordern. Eine solche Maßnahme würde den Klubs nicht helfen.“

Dabei seien die fehlenden Zuschauer gar nicht das alleinige Problem. Auch die ausbleibenden Werbeeinnahmen würden die Situation verschärfen. „Ich weiß nicht, wie die Vereine das überstehen sollten“, so Ungethüm. „Geisterspiele würden den Klubs schlussendlich eher schaden als nützen.“

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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