Jannik Audehm (l.) schaut BW Alstedde am Seitenrand zu - an diese Zustand wird der Flügelspieler sich gewöhnen müssen. © Timo Janisch
Fußball-Bezirksliga

Ein Bundesliga-Profi macht Jannik Audehm auch Wochen nach seiner langen Sperre fassungslos

Eigentlich hat Jannik Audehm seine lange Sperre akzeptiert. Doch der jüngste Aufreger in der Fußball-Bundesliga und die entsprechende Konsequenz schocken den Flügelspieler von BW Alstedde.

Für zehn Spiele sperrte das Bezirkssportgericht Jannik Audehm – obwohl eine Zeugenaussage des Gegners ihn entlastete. Sollte er nach Ablauf seiner Sperre innerhalb von 32 Wochen erneut auffällig werden, ist Audehm zur nächsten lange Zwangspause verdammt. Die Strafe will der Fußballer von BW Alstedde akzeptieren – zu Weihnachten kochte das Thema allerdings erneut auf.

Anfang November hatte das Bezirkssportgericht den Flügelspieler der Alstedder lange gesperrt – wegen eines tätlichen Angriffes auf einen Schiedsrichter. Dass Audehm behauptete, er habe nur Spielertrainer Tim Hermes aus einer Rudelbildung ziehen wollen und dabei einen Schiedsrichterassistenten berührt, fand bei der Verhandlung keine Berücksichtigung.

Kai Schincks Aussage entlastete Audehm nicht

Gleiches gilt für die schriftliche Zeugenaussage von Kai Schinck, der mit Westfalia Wethmar das Derby am 10. Oktober gewonnen hatte, dem die beschriebene Szene folgte. Der Unparteiische habe jedoch einen Rempler im Rücken gespürt und Audehm wahrgenommen, sagte Dierk Dunschen, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts Nummer fünf.

Entmutigt von der hohen Strafe und der trotz entlastender Zeugen wahrgenommenen Chancenlosigkeit, trat die Alstedder Delegation den Heimweg an. Einen Einspruch reichten sie nicht ein. Und dennoch kochte das Thema über die Weihnachtstage nochmal hoch.

Marcus Thuram macht Audehm wütend

Am 19. Dezember verlor Gladbachs Marcus Thuram im Bundesliga-Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim völlig die Kontrolle. Aus nächster Nähe spuckte er Gegenspieler Stefan Posch ins Gesicht. Die Konsequenz: Sechs Spiele Sperre, eins davon zur Bewährung, eine hohe Geldstrafe und einen aufgebrachten Jannik Audehm.

Dem stößt die Verhältnismäßigkeit zwischen beiden Strafen sauer auf, „sehr geschockt“, habe er die Nachricht von Thurams Sperre zur Kenntnis genommen. „Ich bin natürlich sauer, gar keine Frage“, so der 24-Jährige. „Auch wenn es Profis sind, betreiben wir den gleichen Sport. Man kann es nicht mehr vergleichen“, sagt Audehm.

Aufgrund des Pandemie-bedingt engen Spielplans der Bundesliga darf Thuram wohl Ende Januar schon wieder auflaufen. Da der Amateurfußball aus dem gleichen Grund derzeit zu einer Pause gezwungen ist, hat Audehm hingegen keine Chance, seine Strafe abzusitzen.

„Wenn ich im Verhältnis meine Strafe sehe – auch mit der sehr langen Pause – dann verletzt mich das“, so der Alstedder. Auch Gedanken, sich ein neues Hobby zu suchen, lägen da laut Audehm nicht fern.

Man merkt ihm an, dass ihn die peinliche Entgleisung Thurams und die zugehörige Strafe auch unabhängig von seinem eigenen Schicksal beschäftigt. Schließlich gehört ein Spucken ins Gesicht zu den widerwärtigsten Dingen, die auf einem Fußballplatz geschehen können.

Nimmt man seine Sperre als Maßstab, sollte man für ein solches Vergehen mindestens eine Saison gesperrt werden, so Audehm – ohne Corona-Pause. Auch zu einer offiziellen Entschuldigung solle man den Täter verpflichten, sagt der Lüner. Beides scheint im Profi-Fußball undenkbar. Für eine ähnliche Entgleisung hatte Eintracht Wernes Serkan Adas im August eine sechsmonatige Sperre erhalten.

Jannik Audehm hofft nicht, dass sich das Sportgericht meldet

Sollte auch bei ihm mal eine Sicherung auf ähnliche Art und Weise durchbrennen, „dann weiß ich nicht, ob ich nochmal auf einem Fußballplatz gestanden hätte. Das ist ein Unding“.

Trotz des Verzichts auf einen offiziellen Einspruch hofft Audehm, dass das letzte Wort über seine Sperre noch nicht gesprochen ist. Vielleicht höre man aufgrund der langen Saisonunterbrechung, die zum Zeitpunkt des Urteils noch nicht abzusehen war, ja noch etwas vom zuständigen Sportgericht, so Audehm.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.