Sascha Kusserow war einst Sportlicher Leiter beim VfB Lünen und hat eine klare Meinung zum geplanten Vorgehen im Amateurfußball. © Goldstein
Gastkommentar

Der geplante Re-Start ist das falsche Signal und vollkommen unverantwortlich

Anfang Mai könnte es auf den Fußballplätzen tatsächlich wieder um Punkte gehen – so zumindest der aktuelle Stand der Dinge. Ein Plan, der absolut unrealistisch ist, meint unser Gastautor.

Einst war er Sportlicher Leiter beim VfB Lünen und bis heute ist Sascha Kusserow in der Lüner Fußballszene unterwegs. Das Vorhaben, den Spielbetrieb im Amateurfußball möglicherweise schon in sechs Wochen wieder aufzunehmen, ist seiner Meinung nach gänzlich illusorisch. Für Kusserow gibt es angesichts der wieder steigenden Corona-Fallzahlen nur eine Lösung: die komplette Annullierung der Spielzeit. Ein Gastkommentar.

„Der kürzlich erschienene Artikel „Fußballkreis Unna/Hamm hat einen Plan für den Re-Start der Fußball-Kreisligen“ hat mich wirklich sprachlos gemacht. In einer Oberliga-Konferenz hatte Manfred Schnieders, Vize-Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, vor Kurzem angekündigt, dass der Meisterschaftsbetrieb wieder am 2. Mai aufgenommen werden soll.

DFB verliert Blick für die Realität

Das gilt für alle Ligen von der Bezirksliga bis zur Oberliga Westfalen. Christian Ritter, Vorsitzender des Kreis-Fußballausschusses, möchte vier Wochen nach Trainingsbeginn auch die Kreisligen starten lassen. Die Idee dahinter ist es, die Halbserie zu Ende spielen zu lassen und diese dann für einen Auf- und Abstieg zu werten.

In meinen Augen ein falsches Signal, in meinen Augen nicht umsetzbar und in meinen Augen fernab der Realität. Diese Entscheidung würde bei 99 Prozent der Vereine Unverständnis auslösen und den Kontakt zur Basis weiter beschädigen. Der Deutsche Fußball-Bund hat in meinen Augen leider jeglichen Blick für die Realität verloren.

Ein theoretisches Beispiel: Sollte die Kreisliga A2 – Dortmund im besten Fall (und irrsinniger Weise) wie geplant ab Mai ihren Spielbetrieb fortsetzen, dann müsste die Saison Ende Juni beendet sein (An- und Abmeldefristen angepasst). Die Mannschaften sollten dann, quasi ohne Pause, direkt wieder in die Vorbereitung für die kommende Saison 2021/22 gehen, die Mitte August startet – okay soweit.

Möglicherweise 14 Spiele in sieben Wochen

Acht Wochen Zeit, um die Halbserie durchzuziehen. Eine Woche ziehen wir ab, die Relegationsspiele für Auf- und Abstieg müssten dann in der letzten Woche gespielt werden. Sieben Wochen Zeit. Für den SV Preußen würde das beispielsweise bedeuten, dass 14 Spiele in diese sieben Wochen fallen würden. Vierzehn Spiele, jeden Mittwoch, jeden Sonntag.

Zusätzlich dazu müssen auch die nahenden Feiertage bedacht werden. 1. Mai, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, Fronleichnam, Himmelfahrt. Hinzu kommen Platzbelegungen, mögliche Änderungen der Corona-Schutzverordnungen, der Mehraufwand für die Reinigung der Kabinen, Kosten für die Vereine – all das muss berücksichtigt werden. Unmöglich.

Verantwortliche werden zu Unverantwortlichen

Die Spieler werden alle drei bis vier Tage spielen müssen, nach einer fast einjährigen Pause. Verletzungen sind da vorprogrammiert. Unverantwortlich.

Bei 18 Mannschaften und knapp 20 Spielern pro Team sind das 360 Spieler. Sollte nur ein Corona-Verdachtsfall dabei sein, würde das die Planungen wieder über den Haufen werfen. Wie das funktionieren soll, muss ein Verantwortlicher mal genau erklären. Fernab davon gilt: Was, wenn der Inzidenzwert weiter steigt?

Der Verband setzt hier auf viele Fragezeichen und Eventualitäten. Verantwortliche werden hier leider zu Unverantwortlichen. Es gibt nur eine einzige Lösung. Die umfassende Annullierung der Saison 2020/2021. Ich bin mir bewusst, dass es hier Gewinner und Verlierer gibt, aber so sieht leider die einzige Realität aus.“

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