Das Datum für die mögliche Rückkehr in den Fußball-Spielbetrieb steht fest. Doch was sagen die Verantwortlichen der Vereine zu den Plänen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen? © Jens Lukas
Fußball

Datum für die Fortsetzung der Fußballsaison steht: „Halte ich für totalen Blödsinn“

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat ein Datum bekanntgegeben, an dem die Amateurfußball-Saison wieder starten soll. Der Plan trifft in Lünen auf wenig Gegenliebe.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat am Dienstagabend die hiesige Fußballszene völlig überrascht. In einer Video-Konferenz mit allen Vereinen der Oberliga gab FLVW-Vize-Präsident Manfred Schnieders bekannt, am 2. Mai mit dem seit Monaten ausgesetzten Spielbetrieb fortfahren zu wollen.

Voraussetzung hierfür ist, dass der Inzidenzwert für Nordrhein-Westfalen bei unter 100 bleibt. Angesichts der drohenden sogenannten dritten Welle durch die ansteckendere britische Coronavirus-Mutante dürfte die Einhaltung dieses Wertes höchst ungewiss sein.

Für die Fußballtrainer Lünens, die oberhalb der Kreisebene spielen – die Kreise werden dem Plan des FLVW jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit folgen – bedeutet das, sich nun zumindest vorsorglich auf einen Saison-Fortsetzung vorbereiten zu müssen.

Steven Koch: „Es sollte erst wieder gespielt werden, wenn es sicher ist“

Vorfreude löst die Ankündigung in Lünen bei den meisten Protagonisten jedenfalls nicht aus. „Meiner Meinung nach sollte erst wieder gespielt werden, wenn es sicher ist. Ich glaube, mittlerweile wäre jeder Trainer froh, wenn man zur Vorbereitung im Sommer wieder ganz normal starten kann“, sagt etwa Steven Koch, Trainer von Bezirksligist Westfalia Wethmar.

Steven Koch dirigiert an der Seitenlinie des TuS Westfalia Wethmar künftig sieben neue Spieler. © Timo Janisch © Timo Janisch

Dennis Köse, spielender Co-Trainer des Wethmarer Liga-Konkurrenten BV Brambauer, sieht es ähnlich. Es könne nicht sein, dass Schulen und Kitas noch nicht vollständig geöffnet haben, aber ab Anfang April wieder voll trainiert werden soll.

Die gleiche schräge Verhältnismäßigkeit gelte laut Köse für den Arbeitsplatz, wo die Firmen ihren Mitarbeiten bekanntlich unbedingt das Arbeiten aus dem Homeoffice ermöglichen sollen. „Da kann ich meinem Chef schlecht erklären, dass ich drei Mal die Woche mit 20 Mann beim Training bin und jeden Sonntag jeweils gegen eine andere Mannschaft Fußball spiele.“

Dennis Köse: FLVW geht bewusst Risiko des Flickenteppichs ein

Köse betont, dass seine Haltung gegen den Re-Start nichts mit der Tabellensituation des BVB – eine Annullierung würde den Brambaueranern die Klasse sichern – zu tun hat. „Wir nehmen als Basis mal wieder Inzidenzwerte und gehen bewusst ein, dass es dazu kommen kann, dass in manchen Kreisen gespielt werden kann und in manchen nicht.“ Der vielzitierte „Flickenteppich“ hatte schon in den letzten Wochen vor der Unterbrechung im Oktober vielerorts für entnervte Fußballer gesorgt.

Dennis Köse (l.) fehlt bei den Plänen des FLVW die Verhältnismäßigkeit. © Timo Janisch © Timo Janisch

Christian Hampel, Trainer des Lüner SV in der Westfalenliga, hält die Pläne des FLVW grundsätzlich für gut, allerdings für praktisch schwierig durchzuführen. Besonders in der Westfalenliga mit ihrem großen Einzugsgebiet und vielen Landkreisen droht der besagte Flickenteppich, so Hampel. In Hamm etwa liegt der Inzidenzwert schon bei 117,3 (Stand: 10. März).

Eine weitere Neuigkeit aus der Konferenz vom Dienstagabend besagt, dass der FLVW auch dann Meisterschaftsspiele verpflichtend ansetzen wird, wenn keine Chance mehr besteht, 50 Prozent der geplanten Spiele einer Liga zu erreichen. Das wäre allerdings notwendig, um überhaupt eine Wertung der Saison vornehmen zu können.

Christian Hampel hält „Pflicht-Freundschaftsspiele“ für totalen Blödsinn

„Die Saison weiterzuspielen und die Meisterschaftsspiele zu Freundschaftsspielen zu machen, halte ich für totalen Blödsinn“, sagt Christian Hampel. Seiner Elf stünde dann beispielsweise eine zweistündige Fahrt in den Kreis Lübbecke bevor, um ein verpflichtendes Freundschaftsspiel zu absolvieren.

Zustimmung erhält er dabei von Köse. „Wenn es angeboten wird, kann damit ja jeder umgehen, wie er möchte“, so Köse mit Blick auf eine von ihm präferierte Lösung. „Das wäre sicherlich die klügere Regel“, sagt Hampel.

Köse stört es zudem, dass der FLVW entgegen seiner eigenen Ankündigung nicht erst per Videokonferenz auf die einzelnen Staffeln eingegangen sei, um sich ein Bild von der Stimmungslage der Vereine zu machen. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass der Großteil dafür ist, die Saison auf Biegen und Brechen zu Ende zu spielen.“

Tim Hermes begrüßt die Pläne des FLVW

Deutlich positiver hat ein anderer Lüner Bezirksliga-Trainer die Nachricht seitens des FLVW aufgenommen. Ein festes Datum für die Rückkehr auf den Platz und in den Spielbetrieb, dazu ausreichend Vorbereitungszeit vor einem möglichen ersten Meisterschaftsspiel – all das findet Tim Hermes, Spielertrainer bei BW Alstedde, gut.

Er betont, dass es doch der größte Wunsch sei, wieder auf den Platz zurückkehren zu können – und genau dafür gäbe es nun eben eine Perspektive. Auch Hermes glaubt nicht daran, dass ausreichend Spiele für eine Wertung zustande kommen, allerdings ist ihm das eben so wenig wie eine „verpflichtende“ Gegnerauswahl relativ unwichtig. „Nach so einer langen Zeit ist es wichtig, dass man überhaupt wieder auf den Platz kommt“, sagt Hermes.

Bei Tim Hermes überwiegt die Vorfreude über eine konkrete Perspektive, auf den Platz zurückzukehren. © Timo Janisch © Timo Janisch
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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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