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Balsters Seoul-Traum platzte

Olympia-Serie

Ganz klar! Aus seiner Sicht kann nur der Deutschland-Achter in London Olympia-Sieger werden. Dirk Balster muss es wissen. Schließlich hat der Dorstener zehn Jahre als Aktiver die Entwicklung des Rudersports auf Weltniveau beeinflusst, in dem er maßgeblich die Teamprozesse in diesem wohl bekanntesten aller Ruderboote erlebte und auch mit steuerte.

DORSTEN

von Von Klaus Rosenkranz

, 27.07.2012

Eigentlich ist die Olympia-Geschichte des Dirk Balster eher tragisch. 1988, als er sich in vielen kleinen Schritten an die Weltklasse herangearbeitet hatte, war eigentlich klar, dass er in Seoul in Südkorea im Deutschland-Achter sitzen wird. Aber bei der letzten Test-Regatta auf dem Rotsee in Luzern kollabierte er – übertrainiert, übermotiviert, von heute auf morgen das Aus aller olympischen Träume. „Als die Übertragung des Finales über den Bildschirm flimmerte, habe ich zu Hause gesessen und geweint.“ Vier Jahre später, in Barcelona, da war er dabei. Aber auch da saß er nicht im Aushängeschild des Deutschen Ruder-Verbandes, sondern „nur“ im Vierer. „Ich bin damals durchs Raster des Achters gefallen.“ Kurze, knappe Worte für die verpassten Höhepunkte einer Laufbahn, die vollgepackt ist mit Erfolgen. Sein Vierer wurde damals in Barcelona Vierter. Man spricht in solchen Fällen vom „undankbaren vierten Platz“.

Aber – Dirk Balster war dreimal Weltmeister, gewann so ziemlich alle wichtigen, großen Regatten dieser Welt. Hat sich die Welt durch seinen Sport natürlich auch angesehen. Hat sich die ganze Maloche gelohnt? „Finanziell natürlich nicht“, erzählt er. „Sicher, das Geld, das wir von der Sporthilfe bekamen, hat geholfen, das Studium zu finanzieren, aber als ich mein Studium abgeschlossen habe, war auch das Geld weg.“ Nein, unter diesem Aspekt war der Rudersport ein Verlustgeschäft. Aber ganz andere Dinge sind geblieben. „Natürlich verbindet man mit dem Rudern immer ganz bestimmt Charakter-Eigenschaften. Und sicherlich hilft es, wenn man bei einem Vorstellungsgespräch einfließen lassen kann, dass man zum Beispiel in diesem Boot gesessen hat. Aber am Ende des Tages musst du doch in deinem Beruf überzeugen. Da helfen die Meriten von gestern gar nicht mehr.“

Noch einen anderen Aspekt hält der heute 46-jährige Balster vor: „Diese Leistungssportzeit dauerte nur zehn Jahre, also weniger als ein Viertel meiner Lebenszeit. Aber diese zehn Jahre waren die für mich prägendste Zeit.“ Und diese Zeit schaffte Kontakte, die bis heute greifen. „1990 beispielsweise waren die Weltmeisterschaften auf der australischen Insel Tasmanien. Für uns war das eine ganz wichtige, außergewöhnliche Weltmeisterschaft. Mein Team-Kollege Matthias Ungemach ist später nach Australien ausgewandert.“ Und dieser Tage war Balster nun in Sydney, um seinen Neffen zu besuchen, der ein Stück seiner Schulzeit statt in Deutschland in Australien verbringt.

Ohnehin – die alten Kontakte. Seine Kollegen aus dem Groß-Boot trifft er immer noch regelmäßig, er rudert auch immer noch, jetzt auf der Alster in Hamburg, wo er seit über einem Jahrzehnt als Unternehmensberater tätig ist, seit 2005 selbständig. Und auch der Kontakt nach Dorsten ist nie abgerissen. Am Montag fliegt er nach London. „Bis Donnerstag. Am Mittwoch ist das Achter-Finale. Da bin ich dabei. Der Sponsor des Ruderverbandes hat einige der ,Alten‘ eingeladen.“ An der Themse wird es ein Klassentreffen der einstmals Klassenbesten geben. Und dann wollen sie das feiern, was Dirk Blaster in seiner Laufbahn verwehrt blieb: Gold für Deutschland bei Olympia. „Es gibt viele Indikatoren, die für einen Sieg des Deutschland-Achters sprechen“, sagt Dirk Balster. Am überzeugendsten dabei: Der Achter ist seit dreieinhalb Jahren ungeschlagen.