So hilft Jamal Ayaou (43) Geflüchteten - „Mit 25 Euro kann man kein Fußball finanzieren“

dzSV Stockum

Jamal Ayaou ist Trainer des SV Stockum II. Dort trainiert er insgesamt 20 Kicker. Darunter auch 7 Geflüchtete. Dass diese Probleme beim Erhalt der Spielgenehmigung haben, findet er „unfair“.

Stockum

, 12.07.2019, 06:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jamal Ayaou ist ein internationaler Mensch. Das merkt man ihm sofort an, wenn man mit ihm über seine Tätigkeiten spricht. Der 43-Jährige trainiert in der kommenden Spielzeit die Fußball-Reservemannschaft des SV Stockum. Dort wird es international zugehen, das ist garantiert.

Neun Nationen tummeln sich in dem Kader, der rund 20 Spieler fasst. Darunter unterschiedlichste Nationen. Mali. Guinea. Marokko. Türkei. Syrien. Usbekistan. Polen. Spanien. Rumänien. Und natürlich Deutschland. Drei Kontinente und viele Sprachen, die aufeinander treffen. Für Ayaou ist das noch nicht mal die größte Anzahl an Nationen. „Ich habe schon zwölf Nationen trainiert in der Spitze“, erzählt er und lacht.

Drei Sprachen hätte er dann sprechen müssen. Ein wenig Marokkanisch, etwas Englisch und Deutsch. Spanisch und Rumänisch hat er sich von seinen Spielern übersetzen lassen, vieles läuft dann auch so. Fußball verbindet, so erklärt es Ayaou. „Da gehört auch der Kopf zu. Ein wenig Fantasie und dann läuft der Ball“, erklärt er.

Probleme bei der Spielgenehmigung

Der Ball läuft aber nicht für jeden Geflüchteten, denn einige haben es schwer, eine Spielgenehmigung zu erhalten. Ein kompliziertes Verfahren, was ständige Kommunikation mit den Fußballverbänden fordert. Ayaou findet das nicht so ganz glücklich gelöst: „Das finde ich auch ein bisschen unfair. Die haben eh Probleme mit ihren Papieren.“ Auch Angst wäre ein Thema bei den Geflüchteten dabei, die ganzen Daten an die Verbände herauszurücken. „Bei den ganzen Daten, die die abgeben müssen, da haben viele Angst bekommen“, erzählt er.

Ein schwieriges Thema, was der Geschäftsführer des SV Stockum deutlich entspannter sieht. Yassine Najih lässt sich von den bürokratischen Hürden nicht beeindrucken. Er weiß, wann es schwierig wird und wann nicht. „Es ist halt wichtig, dass die Geflüchteten einen Aufenthaltstitel haben. Eine Duldung wird meistens nicht akzeptiert“, erklärt Najih.

Auch der neue Sportliche Leiter des SV Stockum, Tobias Klein, arbeitet sich aktuell in die Thematik ein. „Ganz tief drin bin ich noch nicht“, gibt er zu. Aber auch er weiß schon: „Der Verband prüft auch, nachdem der Antrag eingegangen ist, ob die überhaupt hier bleiben dürfen.“

Jetzt lesen

Probleme hätte es da aber bislang nicht gegeben, wie die Vereinsvertreter des SV Stockum erklären. Unter den 20 Spielern der zweiten Mannschaft des SVS, befinden sich sieben Geflüchtete. Diese haben fast alle schon Spielberechtigungen.

Diallo aus Guinea, Hasko aus Syrien

Zwei davon sind der 19-jährige Thierno Diallo und der 22-jährige Hamid Hasko. Diallo ist vor drei Jahren aus Guinea nach Deutschland gekommen, lebte zuerst in Viersen und ist nun in Stockum. „Ich spiele gerne in Stockum, es macht Spaß hier“, erklärt er in leicht gebrochenem Deutsch.

Der Syrer Hasko wird da noch deutlicher. Er lebt seit vier Jahren in Deutschland und macht deutlich, wie er es beim SVS findet: „Hier gibt’s die beste Mannschaft, den besten Trainer. Es macht Spaß hier.“ Klare Worte und ein deutliches Lob an Trainer Ayaou.

So hilft Jamal Ayaou (43) Geflüchteten - „Mit 25 Euro kann man kein Fußball finanzieren“

Die Mannschaft des SV Stockum II ist bunt gemischt. © Döring

Dieser macht den Trainerjob gemeinsam mit seiner Frau und hilft den Geflüchteten so gut es geht. „Die haben Probleme, das Training zu bezahlen. Meine Lebensgefährtin und ich haben deshalb vieles übernommen. Fußballschuhe, Trainingsutensilien, et cetera“, erzählt er und bemängelt gleichzeitig die Unterstützung: „Mit 25 Euro in der Woche von der Sozialhilfe kann man kein Fußballspielen finanzieren.“

Unterstützung vom Verein bei der Finanzierung

Die Unterstützung vom Verein in Stockum wäre laut Ayaou aber sehr gut. Für Trainingsklamotten müssten die Spieler nicht allzu viel besteuern, bei einem neuen Trainingsanzug zum Beispiel nur fünf Euro bezahlen.

Auch die Integration wird so im Verein gefördert, erklärt Ayaou. „Da sind alle sehr engagiert. Die Jungs versuchen Deutsch zu sprechen, lernen viel und man spürt die Dankbarkeit dafür.“ Einen Nachteil gibt es für Ayaou aber: „Viele verzweifeln, weil sie nicht arbeiten dürfen.“ Ayaou wollte deshalb schon selbst Flüchtlinge bei sich in der Firma unterbringen, doch das scheiterte an bürokratischen Hürden. So gibt er das Sagen weiter nur auf dem Fußballplatz an. International, in vielen verschiedenen Sprachen und mit dem Fußball als Verbindung für Menschen vieler verschiedener Nationen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt