9.254,78 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der alten und neuen Heimat von Airton und Whitson vom SV Herbern. Die Brasilianer müssen sich in Deutschland einigen Herausforderungen stellen.

Herbern

, 19.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf dem Spielfeld fällt es kaum auf. Die Landesliga-Fußballer des SV Herbern sprechen viel, kommunizieren quer über das Spielfeld und harmonieren gut. Nur wer genau hinhört, bekommt mit, dass nicht nur Deutsch gesprochen wird. Mit Airton und Whitson spielen zwei Brasilianer in den Reihen des SV Herbern, die sich mittlerweile fast in allen Belangen nahtlos in die Mannschaft eingefügt haben.

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Dabei sind die Voraussetzungen für die beiden Brasilianer momentan sehr unterschiedlich. Während Whitson mittlerweile in seine dritte Saison in Herbern geht, ist Airton gerade einmal sieben Monate in Deutschland. Erst im Sommer wurde er beim SV Herbern vorgestellt, hat sich seitdem aber schnell in der Startelf festgespielt.

Airtons Mentalität bringt ihm Respekt und Akzeptanz

„Airton gibt immer 120 Prozent. Er ist ständig in Bewegung und haut sich rein“, lobt Herberns Trainer Holger Möllers seinen Sommer-Neuzugang. Mit seiner Mentalität habe sich der kleine Brasilianer viel Akzeptanz und Respekt in der Mannschaft erarbeitet, so Möllers.

Herberns Whitson (31) und Airton (21): „Fußball in Brasilien ist anders als hier“

Airton hat sich als Mittelfeldmotor des SV Herbern schnell festgespielt. © Döring

Bis zum Ende der vergangenen Saison hatte der 21-Jährige noch in der vierten portugiesischen Liga gespielt. Der Kontakt zum SV Herbern entstand durch Whitson. Der erklärt: „Wir kannten uns schon vorher. Mit der Hilfe von Holger habe ich ihn dann von Herbern überzeugt.“

Whitson: „Airton ist wie ein Bruder für mich“

Nachdem in Oscar Cabrera im Sommer ein enger Vertrauter von Whitson den Verein verlassen hatte, hat Whitson nun einen neuen Mannschaftskollegen aus der Heimat an seiner Seite. Für den 31-Jährigen eine schöne Entwicklung: „Airton ist wie ein Bruder für mich. Wir machen auch in der Freizeit viel zusammen und helfen uns im Alltag.“

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Eine Barriere bleibt beiden Brasilianern aber nach wie vor: die deutsche Sprache. Zwar versteht Whitson nach drei Jahren im Gegensatz zu Airton die meisten Worte und auch verständigen kann sich der 31-jährige Angreifer mittlerweile ein wenig. Trotzdem haben die beiden noch einen langen Prozess vor sich, weiß Whitson: „Wir lernen ganz viel im Alltag. Aber es ist schwierig, wir müssen besser werden.“

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Auch auf dem Spielfeld macht sich diese Hürde dann doch das eine oder andere Mal bemerkbar. Auch wenn einige Begriffe mittlerweile klar sind: Anweisungen von außen sind für Airton meist unverständlich und müssen von Whitson übersetzt werden. „Das klappt schon irgendwie mit Händen und Füßen“, erklärt Holger Möllers die Strategie.

Whitson vermisst Sonne, Partys und Essen

Neben dem Sprachproblem gibt es für die Brasilianer einen zweiten Wermutstropfen: das Heimweh. Zwar fliegen beide regelmäßig in die südamerikanische Heimat, um Familie und Freunde zu besuchen. Aber nicht nur die fehlen, so Whitson: „Ich vermisse die Sonne und die Partys. Und das Essen, das fehlt mir auch!“

Herberns Whitson (31) und Airton (21): „Fußball in Brasilien ist anders als hier“

Whitson sorgt beim SV Herbern auch in dieser Saison wieder für die Tore. © Jürgen Weitzel

Trotz des Heimwehs: Die beiden Brasilianer sind mittlerweile gut in Deutschland integriert. Auch die Mannschaft und das Trainerteam unterstützen die Jungs, wo sie können, macht Whitson deutlich: „Holger hilft uns sehr viel. Und auch die anderen Jungs sind super. Herbern ist wie meine deutsche Familie, hier fühle ich mich sehr wohl.“

„Wenn du in Brasilien gut bist, hast du immer den Ball am Fuß“

Dennoch gibt der 31-Jährige auch zu: „Der Fußball in Deutschland ist anders als der in Brasilien.“ In seiner Heimat sei es immer mehr um die Individualität gegangen, berichtet er: „Wenn du in Brasilien gut bist, hast du immer den Ball am Fuß. Hier musst du mehr für die Mannschaft arbeiten.“

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Dass das für den Angreifer auch nach drei Jahren manchmal noch schwierig zu verstehen ist, erkennt auch Holger Möllers im Training: „Whitson misst sich an seinen Toren. Er würde am liebsten immer welche schießen, wenn er auf dem Feld steht.“ Das bestätigt auch Whitson selbst: „Es hat ein bisschen gedauert, bis ich den deutschen Fußball angefangen habe zu lieben.“

Aber trotz ihrer Verbundenheit zu Deutschland gibt es einen Punkt, an dem diese Risse bekommt: die Länderspiele. Wenn es hart auf hart kommt, gibt es für die beiden Brasilianer keinen Zweifel: „Brasilien ist unsere Heimat und natürlich auch die beste Fußballnation der Welt!“

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