Friedel Kreienbaum traf mit dem SV Stockum auf einen Deutschen Meister

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Friedel Kreienbaum ist Gründungsmitglied des SV Stockum. Er berichtet von den Hindernissen bei der Gründung und erinnert sich an eine Kneipen-Geschichte mit einem Deutschen Meister vom BVB.

Stockum

, 12.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist das Jahr 1947: Der zweite Weltkrieg ist seit zwei Jahren vorbei. Zu der Zeit ist Fußball noch nicht überall so populär wie er es heute ist. „Stockum war klein. Auf der Dorfmitte waren zwei Jungs, die Fußball gespielt haben. Das war damals ungewöhnlich. Wir haben uns gewundert, dass da Männer mit kurzen Hosen rumliefen“, sagt Friedel Kreienbaum.

Ehrenamts-Serie

Die guten seelen der heimischen vereine

Ob Vorsitzender, Bratwurst-Verkäufer oder Platzwart: Das Ehrenamt ist im Amateursport nicht mehr wegzudenken. In unserer Ehrenamts-Serie stellen wir die guten Seelen der heimischen Vereine vor.

Damals war Kreienbaum 17 Jahre alt. Vor ein paar Wochen feierte er seinen 90. Geburtstag – und der SV Stockum feierte mit. Denn Kreienbaum ist Mitbegründer der DJK Grün-Weiß Stockum, Vorgänger des SV Stockum. Einen Verein zu gründen, war damals aber nicht so leicht.

„Früher haben wir mit Tennisbällen quer über die Straße gespielt, später dann die Feierabend-Fußballer gegen den Rest. Dann kamen wir auf die Idee, einen Verein zu gründen. Wir haben aber keinen Erwachsenen gefunden. Ich bin doch nicht englandifiziert, war die häufigste Ausrede.“

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Für viele Menschen war Fußball immer noch eine englische Sportart und genoss noch nicht die Wertschätzung in Deutschland wie es heutzutage der Fall ist. Zum Glück für Kreienbaum lernte er 1947 Willi Huppert kennen, der beim Gericht in Hamm arbeitete. Sein Vorgesetzter war zufällig auch Chef des DJK-Sportverbands.

Stockum spielte erst auf einem Lagerplatz für Zigeuner

Mit seiner Hilfe gründeten Friedel Kreienbaum, sein fünf Jahre älterer Bruder Alois und 16 andere Personen die DJK Grün-Weiß Stockum. Das Problem: 3 der 18 Gründungsmitglieder waren wie Friedel Kreienbaum über 18 Jahre alt. Nur mit einer Sondererlaubnis konnten sie als Jugendmannschaft spielen.

Und es gab noch andere Schwierigkeiten: Der Verein hatte keinen eigenen Platz, noch nicht mal einen Fußball. Also trugen sie drei Jahre lang ihre Heimspiele mit geliehenen Bällen in Hamm-Westen aus. „Das war ein Lagerplatz für Zigeuner. Vor dem Spiel mussten wir erstmal abräumen, Wir und die Zigeuner wurden Freunde“, sagt Kreienbaum.

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1949 kaufte die Gemeinde dann die Fläche, wo der SV Stockum auch heute noch spielt. Im Sommer 1950 wurde der Platz eröffnet. Vorher musste die Wiese aber erstmal fußballtauglich gemacht werden. „Dort gab es ein Gefälle von einem Meter. Es war auch noch der Abdruck eines während des Kriegs abgestürzten Flugzeugs zu sehen.“

Bis 1951 war die DJK Grün-Weiß Stockum im DJK-Sportverband. In der Zeit verlor die Mannschaft nur zwei Spiele. Nach dem Wechsel in den Westdeutschen Fußballverband musste der Verein wieder in der zweiten Kreisklasse starten. 1974 folgte der Aufstieg in die Bezirksliga.

Kreienbaum über BVB-Spieler: „Er forderte, dass wir das Glas exen sollten“

Eine Geschichte, an die sich das Gründungsmitglied gerne zurückerinnert, spielte 1950. Damals traf die DJK auf die Betriebsmannschaft der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW), heute RWE, die drei Spieler von Borussia Dortmund auf der Lohnliste hatten. Das Hinspiel gewann Grün-Weiß, die antraten, da Stockum keine Betriebsmannschaft hatte. Das Rückspiel ging 4:4 aus.

Nach einem Spiel waren alle, unter anderem auch Max Michallek, Deutscher Meister mit dem BVB 1956 und 1957, in eine Kneipe. „Michallek lud die ganze Runde auf ein Bier ein. Ich trank damals kein Alkohol. Er forderte, dass wir das Glas exen sollten. Danach war ich fertig. Ich bin noch vorm Essen gegangen.“

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Bis 1955 spielte Kreienbaum selbst Fußball. „Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich aufhöre, wenn wir Kinder haben.“ Bis 1970 war er Jugendobmann und hat die Jugend im Verein aufgebaut. Als das beruflich nicht mehr ging, blieb er dem Verein im Förderkreis erhalten.

Im Vergleich zu früher sind dem Stockumer Unterschiede im Ehrenamt aufgefallen. „Anfangs bis in die 1970er Jahre ist es gut gelaufen. Heute ist es schwierig, Leute für den Vorstand zu finden. Die Anforderungen sind auch viel höher geworden.“

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Auch mit 90 Jahren ist Kreienbaum noch sportlich aktiv – fährt jeden Tag Fahrrad. Ab und zu guckt er auch noch bei dem Verein vorbei, den er selbst gründete. „Wenn die Leute heute im Verein nicht so fleißig wären, würde es den Verein nicht mehr geben.“

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