Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

EINBLICKE IN DIE SPORTREDAKTION

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.

Werne

, 10.02.2021, 16:25 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wie arbeiten eigentlich eine Sportredaktion zu Corona-Zeiten? Finden Sie es heraus.

Wie arbeiten eigentlich eine Sportredaktion zu Corona-Zeiten? Finden Sie es heraus. © Johanna Wiening

Hallo, ich heiße Johanna Wiening und bin 1997 geboren. Seit 2012 bin ich im Journalismus und vorwiegend im Sport aktiv, seit 2020 bin ich die Sportredakteurin der Ruhr Nachrichten in Werne und Herbern.

Meinen Job mache ich so gerne, weil ich die Möglichkeit habe, mit besonderen Menschen zu sprechen und spannende Geschichten zu erzählen. Ich erzähle den Lesern gern das Neuste aus der Sportwelt.

Unser Alltag ist oft sehr unterschiedlich – angehängt an die Geschichten, die wir jeweils zu erzählen haben. Dennoch versuche ich, Ihnen hier mal einen typischen Ablauf aufzuzeigen.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Am Morgen verschaffe ich mir erstmal einen Überblick. Welche Themen haben am Vortag funktioniert und die Leser interessiert? Welche nicht? Gab es überraschend gut funktionierende Themen, auf die wir vielleicht nochmal genauer blicken sollten? Daraus können sich spannende Ergebnisse ergeben.

Aber die Überlegungen gehen noch weiter. Zu welchen Themen kann man vielleicht einen zweiten Teil schreiben? Kann man zum Beispiel nach einer Trainerentlassung schon über einen Nachfolger sprechen? All diese Fragen stelle ich mir bereits am Morgen vor der Konferenz.

Der erste Punkt des Tages: Wie erfolgreich sind unsere Artikel von Ihnen gelesen worden?

Der erste Punkt des Tages: Wie erfolgreich sind unsere Artikel von Ihnen gelesen worden? © Johanna Wiening

Außerdem schaue ich ins Internet und in den Posteingang, meist auch noch in WhatsApp und Facebook. Haben sich neue Themen ergeben? Ist irgendwas im Lokalsport passiert, was man aufgreifen könnte? Die Ideen, die ich habe, schreibe ich mir schon mal auf einen Merkzettel.

Ein kurzes Treffen: Die Konferenz

Diesen Merkzettel benötige ich jetzt in der Konferenz. Hier beraten wir uns mit den Sportredakteuren aus der Region, mit denen wir auch eine gemeinsame Redaktion bilden.

Der Austausch ist für mich persönlich sehr wichtig, denn jeder hat einen unterschiedlichen Blick auf die Dinge und kann auch auf neue Blickwinkel hinweisen, die ich so noch nicht vorher bedacht habe. Wir sprechen gemeinsam über unsere Themen und das, was sonst noch so im Sport passiert. Welche Themen könnten in mehreren Redaktionen funktionieren?

Der Kontakt zu Kollegen im Homeoffice: Jeden Morgen wird online konferiert.

Der Kontakt zu Kollegen im Homeoffice: Jeden Morgen wird online konferiert. © Johanna Wiening

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ich einen Artikel über einen Spieler schreibe, der vorher in Selm gespielt hat. Dann ist er für die Leser in beiden Redaktionen interessant. So versuchen wir, den Lesern ein möglichst breites Bild von der Sportwelt zu geben und den Blick auch über den Tellerrand hinaus zu werfen.

Was will der Leser wissen? Die Themenfindung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie wir zu Themen kommen, die wir am Tag bearbeiten. Es kann durchaus sein, dass Leser uns auf verschiedene Ideen aufmerksam machen. In der Saison kommt die größte Anzahl an Themen allerdings vom Wochenende auf den Plätzen und in den Sporthallen. Denn wenn ich dort unterwegs bin, bringe ich in der Regel nie nur einen Spielbericht mit, sondern mindestens noch eine zweite oder dritte Geschichte, die sich am Rande des Spiels ergibt.

Hier entstehen eigentlich die besten Geschichten: Wegen der Pandemie sind gerade alle Plätze dicht.

Hier entstehen eigentlich die besten Geschichten: Wegen der Pandemie sind gerade alle Plätze dicht. © Johanna Wiening

Das ist ja in Zeiten des Lockdowns leider nicht möglich – die Plätze und Hallen sind schon lange gesperrt. Also müssen wir kreativ werden. Zudem legen wir großen Wert auf persönliche Geschichten, die besondere Menschen genauer vorstellen. Manchmal ist es sogar so, dass wir über Mannschaften schreiben, die gar nicht aus unserem Verbreitungsgebiet kommen.

Das ist der Fall, wenn die Geschichte eine besondere ist oder sie unsere Teams vielleicht über Umwege tangieren.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Wenn ich ein Thema aufschreiben will, versuche ich, so viele Informationen zu einem Thema zu sammeln wie möglich. Dabei helfen in erster Linie Gespräche, aber auch Google und Co. Je heikler ein Thema ist, desto mehr Quellen brauche ich, um unseren Lesern ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können. Ich versuche, jedes Thema von möglichst vielen Seiten zu beleuchten.

Wenn also ein Trainer entlassen wird, spreche ich erstmal mit dem Verein, dann mit dem Trainer selbst. Meist spreche ich nochmal mit dem Kapitän, schreibe vielleicht sogar noch einen Kommentar.

Allerdings kommen meist nicht alle Gespräche in einen Text – manche Informationen, wie zum Beispiel eine mögliche Nachfolge, bekomme ich auch erst Tage später. Aber das Thema soll so möglichst aus allen Ecken verfolgt werden.

Die heiße Phase: Schreiben und finalisieren

Wenn ich zu einem Thema genug Informationen habe, schreibe ich den Artikel auf. Meist ist mir schon nach den Gesprächen klar, wie der Beitrag aufgebaut werden soll. Da ich den Text dann häufig schon relativ genau im Kopf habe, ist das Schreiben relativ schnell erledigt.

Und so bringen wir alles zu Papier - beziehungsweise ins Internet - und zu Ihnen nach Hause.

Und so bringen wir alles zu Papier - beziehungsweise ins Internet - und zu Ihnen nach Hause. © Johanna Wiening

Am Schwierigsten ist wohl die Überschrift. Denn sie soll die Leser interessieren und in den Text ziehen. Sie soll neugierig machen, aber keine leeren Versprechen geben. Wenn es die Möglichkeit gibt, versuche ich, zum geschriebenen Beitrag auch ein Video beizusteuern oder eine Fotostrecke.

Ist alles fertig, schaut ein Kollege nochmal über den Artikel. Es ist wichtig, dass noch ein zweiter Blick darauf geworfen wird, ob alles so Sinn macht und ob der Text fehlerfrei ist. Danach bereite ich den Text für unsere Internetseite und auch für die Zeitung auf.

Das war nur ein kleiner Teil unseres Arbeitsalltags, den ich versucht habe, für Sie abzubilden. Unser Job ist sehr vielfältig, aber genau das ist das Faszinierende daran – wir sind Teil eines großen Entwicklungsprozesses. Ich hoffe, ich konnte Sie ein Stück weit mitnehmen.

Mit sportlichen Grüßen.

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