Vereinen, die nur die Zweite zum Kreispokal schicken, droht Kreissportgerichtsverfahren

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Mit welcher Mannschaft darf ein Klub im Kreispokal antreten? Das scheint vielen Vereinen nicht ganz klar zu sein. In Hamm kam es zu einer Spielabsage - aus Angst vor einer Strafe.

von Marcel Schürmann

Werne

, 29.07.2019, 16:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der SSV Mühlhausen ist in der ersten Runde des Fußball-Kreispokals der Herren in Unna-Hamm nicht zum Gastspiel beim FC Hamm 2011 angetreten, obwohl er als Landesligist haushoher Favorit gegen den D-Ligisten gewesen wäre. Das Spiel wurde mit 2:0 für die Hammer gewertet, die nun in Runde zwei am 4. August auf den 1. FC Pelkum treffen. „Aus personellen Gründen“, hieß es in einem Bericht des „Hellweger Anzeigers“, musste das Team vom Unnaer Mühlbach die kurzfristige Absage einreichen. So die offizielle Version.

Wie groß der Wahrheitsgehalt dieser Meldung ist, darf jedoch hinterfragt werden. Denn der SSV Mühlhausen trat am vergangenen Sonntag um 17 Uhr mit seiner ersten Garde beim Vereinsturnier des Werner SC an, unterlag dem Gastgeber am Ende mit 2:3. In einem Vorbericht zum Kreispokalspiel, das für Sonntag um 15 Uhr in Hamm angesetzt war, schrieb der „Hellweger Anzeiger“ in seiner Samstagsausgabe, dass der SSV die Aufgabe in Hamm „mit der Reserve lösen“ wolle.

Horst Weischenberg: „SSV hat sich ein Eigentor geschossen“

Mit der Reserve - also mit dem U23-Team des SSV. „Das ist der springende Punkt“, sagte Horst Weischenberg, ehemaliger Vorsitzender des Fußballkreises Unna-Hamm und immer noch Spielleiter des Kreispokals. „Der Verein hat sich ein schönes Eigentor geschossen. Der SSV wollte seine Zweite schicken, aber im Pokal dürfen die Teams nur mit der ersten Mannschaft spielen.“

In den Durchführungsbestimmungen des Kreispokals heißt es vom Kreis Unna-Hamm offiziell: „Teilnahmeberechtigt (am Kreispokal, Anm. d. Red.) ist nur die 1. Mannschaft des jeweiligen Vereins.“ Wenn Mühlhausens Erste aber fast zeitgleich in Werne aufläuft, sei die Teilnahme beim Spiel in Hamm nunmal schwer möglich, so Weischenberg.

Ähnlicher Vorfall mit dem TuS Niederaden

„Vor einigen Jahren“, so Weischenberg weiter, „hatten wir mit dem TuS Niederaden mal einen ähnlichen Fall.“ So soll der TuS laut Weischenberg - wie nun der SSV - im Vorfeld angekündigt haben, die zweite Mannschaft zu einem Pokalspiel zu schicken, um gleichzeitig bei einem Vereinsturnier teilnehmen zu können. „Das hatte der TuS Niederaden damals sogar gewonnen - wie auch eine Prämie von 700 Euro“, sagte Weischenberg. „Diese 700 Euro wurden dem Verein aber wieder abgenommen, das Pokalspiel, das die zweite Mannschaft bestritten hatte, als verloren gewertet und dem Klub wurde eine Strafe für den Nichtantritt im Pokal auferlegt.“

Dass der SSV wegen der Spielabsage nun auf die eigene Personalnot verweist, ist für Weischenberg verständlich: „Das ist dem Verein wohl lieber, als vor der Spruchkammer zu landen.“ Für eine Stellungnahme war Mühlhausens Mannschaftsverantwortlicher Ralf Mäkler am Montag nicht zu erreichen.

GS Cappenberg spielte mit gemischter Mannschaft

A-Ligist GS Cappenberg war am Wochenende in einer ähnlichen Situation wie der SSV, hatte neben dem Pokalspiel beim B-Ligisten TuS Hemmerde, das GSC mit 3:0 gewann, auch ein Parallelspiel beim heimischen Turnier gegen den VfB Lünen (1:4) vor der Brust. Dass der Verein im Pokal nur die erste Mannschaft schicken darf - das ist für Cappenbergs Sportlichen Leiter Philipp Wiesmann kein Geheimnis: „Ich habe das mitbekommen. Deshalb haben wir ja auch die erste Mannschaft nach Hemmerde geschickt, die von Spielern aus der zweiten Mannschaft unterstützt wurde.“ Tatsächlich befand sich aber nur ein Spieler der ersten Mannschaft in der ersten Elf: Tim Augustin. Und der hatte im Vorjahr gerade mal acht Einsätze in der A-Liga-Mannschaft.

Kritik am Pokaltermin

Dass die Vereine in den ersten Pokalrunden auch auf Spieler ihrer Reservemannschaften zurückgreifen, ist ein Umstand, der (auch) auf den frühen Pokaltermin zurückzuführen ist. Ein Freund des Termins ist Cappenbergs Wiesmann daher nicht: „Dass die erste Pokalrunde schon so früh in der Saison terminiert wurde, ist natürlich unglücklich.“ Auf die Frage, ob er nun nachträglich noch einen Ausschluss vom Kreispokal befürchtet - wegen des Einsetzens vieler Spieler, die sonst in der Reservemannschaft spielen - sagte Wiesmann: „Nein. Da sehe ich keine Probleme.“

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Das bestätigte auch Horst Weischenberg: „Mit einer gemischten Mannschaft anzutreten, ist ja erstmal kein Problem. Generell ist das auch nur schwer kontrollierbar. Da wir uns auch noch vor dem Meisterschaftsbetrieb befinden, haben die Mannschaften ihre Kader ja eh noch gar nicht aufgestellt, kein Spieler hat sich in irgendeiner Mannschaft festgespielt. Es ging beim SSV Mühlhausen ja lediglich um den Ausdruck in der Zeitung, mit der Reserve spielen zu wollen.“ Ein selbst verschuldetes Eigentor eben.

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