Joshua Kimmich hat sich bislang nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Bei der Einführung einer 2G-Regel dürfte er nicht mehr für den FC Bayern auflaufen. Ist die 2G-Regel im Amateurfußball denkbar? © dpa
Fußball

Trotz Impfquote von 100 Prozent: 2G-Regel im Amateurfußball wäre für Kreisliga-Coach unnötig

Die Zahlen der neuen Corona-Infizierten schießen wieder in die Höhe. Für den Sport gibt es noch keine größeren Einschränkungen. Wäre eine 2G-Regel sinnvoll? Wir haben bei den Vereinen nachgefragt.

Die Corona-Zahlen schießen derzeit wieder in die Höhe. Wir befinden uns längst in der vierten Welle. Noch ist im Amateurfußball jedoch alles beim Alten: Alle dürfen mitspielen – egal ob geimpft, genesen, getestet oder nichts von all dem. Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (CDU), fordert die 2G-Regel. Wie kommt die Forderung bei betroffenen Amateurfußball-Vereinen an? Wir haben stichprobenartig bei den Vereinen in Unna, Holzwickede und Fröndenberg nachgefragt, was sie von einer möglichen Einführung der 2G-Regel halten würden. Die Antworten waren da eher einseitig.

Lars Rohwer würde eine 3G-Regelung reichen

„Ich glaube, dass 3G ausreichen würde“, sagt Lars Rohwer, Pressesprecher des Holzwickeder SC. In seinem Verein gebe es nur einen kleinen Teil an nicht-geimpften Spielern. „Aber die müssen sich testen lassen“, ist die klare Anweisung des Vereins.

Rohwer betont, dass er persönlich kein Problem damit hätte, wenn der Verein ungeimpfte Spieler vom Spielbetrieb ausschließen müsste, sollte die 2G-Regel eines Tages Anwendung finden. „Wir sind aber einfach froh, dass wir zurzeit Sport machen dürfen. Zum Glück gab es jetzt bei uns seit einigen Monaten keinen Vorfall mehr“, so Rohwer.

Patrick Kulinski, Trainer des A-Ligisten RW Unna, sieht eine 2G-Regel für den Fußball ebenfalls kritisch. Er sagt: „Sinnvoller wäre 3G. Bei den Kindern ist es ja auch so, dass sie sich in der Schule testen lassen müssen. Deshalb dürfen sie ja auch in den Trainingsbetrieb gehen.“

Kulinksi betont jedoch, wie wichtig es sei, sich impfen zu lassen. „Es ist ja nur im Sinne der Vereine. Wenn man sich nicht impfen lässt, leidet das Umfeld. Man sieht es im Fall von Joshua Kimmich.“ Das Problem mit Impfverweigerern habe er in seiner Mannschaft allerdings nicht: „Bei uns sind alle durchgeimpft.“

Wie in Unna – so in Billmerich: Komplette Mannschaft hat doppelte Impfung

Auch beim Ligarivalen BR Billmerich gibt es eine Impfquote von 100 Prozent. Das bestätigt Trainer Flurim Ramaj. „Das war überhaupt kein Thema bei uns, ich musste keine Überzeugungsarbeit leisten.“ Er behauptet, dass es langfristig sowieso zur 2G-Regel kommen werde. „Früher oder später sind eh alle genesen. Aber wir sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich habe schon den Eindruck, dass viele in den vergangenen Wochen und Monaten nachlässiger geworden sind, was das Thema angeht.“

Bei der SG Massen ist die komplette erste Mannschaft durchgeimpft – mit einer Ausnahme. Das sagt der Fußball-Abteilungsleiter Roman Spielfeld: „Beruflich braucht der Spieler das nicht. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn auch er sich noch impfen lassen würde, denn ich bin ein klarer Impf-Befürworter. Aber wir setzen keinem Spieler die Pistole auf die Brust. Es ist immer noch eine freie Entscheidung.“

Auch der ungeimpfte Spieler unterziehe sich regelmäßig Coronatests, so Spielfeld. Zu einer möglichen Einführung einer 2G-Regel wollte Massens Fußballchef sich nicht äußern.

Adrian Ruzoks und Uli Neuhaus‘ Meinungen gehen auseinander

Gegen die Einführung der 2G-Regel im Fußball spricht sich indes SV Frömerns Trainer Adrian Ruzok aus. Auch in seiner Mannschaft sind laut Aussagen des Coaches 95 Prozent der Spieler durchgeimpft. „Aber ob 2G der richtige Weg wäre, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass das bewirken würde, dass sich dann alle Fußballer impfen lassen.“

Sollten nichtgeimpfte Fußballer ausgeschlossen werden, könne es zur Wettbewerbsverzerrung kommen, meint Ruzok. „Es gibt garantiert auch Mannschaften, in denen die Impfquote nicht so hoch ist. Eine 2G-Regel könnte da zum Problem werden, wenn die plötzlich nicht mehr antreten können.“

Ganz anderer Auffassung ist jedoch Uli Neuhaus, Co-Trainer des SV Bausenhagen. Er sagt: „Um 2G werden wir bald nicht mehr rumkommen. Das sollte man schon in Erwägung ziehen. Bisher kann man ja nur an die Spieler appellieren: Lasst euch impfen. In unserem Team war das aber nicht nötig. Meine Jungs sind alle durchgeimpft.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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