Wöchentlich grüßt das Murmeltier: Wie sich Trainer-Konkurrenten untereinander helfen

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Der FC Nordkirchen spielt jede Woche gegen die Mannschaft, die SuS Olfen in der Vorwoche als Gegner hatte. Deshalb klingelt bei Jupp Ovelhey häufiger mal das Telefon.

von Janis Czymoch

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 08.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Fußball-Bezirksliga spielt der FC Nordkirchen immer gegen den Gegner, den SuS Olfen in der Woche davor bespielt hat. Das Gleiche passiert auch zwei Ligen darunter, in der Kreisliga B. Dort trifft der SV Südkirchen immer auf die Mannschaft, die eine Woche davor der SC Capelle vor der Brust hatte. Diese Konstellationen führen dazu, dass sich die Trainer schonmal untereinander über die Liga-Konkurrenz austauschen.

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„Das ist keinesfalls selbstverständlich“, findet Olfen-Trainer Jupp Ovelhey, denn nicht jeder spreche mit jedem. Für seinen Trainer-Kollegen beim FC Nordkirchen Mario Plechaty ist es eine gute Möglichkeit, um Informationen über „die Stärken und Schwächen“ des anstehenden Gegners zu bekommen und sich „über das Spielsystem“ zu vergewissern.

Mario Plechaty holt sich Informationen bei Trainer-Kollegen.

Mario Plechaty holt sich Informationen bei Trainer-Kollegen. © Jura Weitzel

„Ich scheine ihm ja auch etwas Vernünftiges gesagt zu haben, sonst hätte er nicht nochmal angerufen“, sagte SuS-Trainer Ovelhey über die Telefonate mit Plechaty. Dieser witzelte, dass „man ja auch keine Nummern der Frauen austauschen“ würde, sondern „einfach ein paar Tipps“ zum Spiel einhole.

Auch der SV Südkirchen ruft in Capelle an

Das gleiche Spiel nur in anderen Liga: Auch in der Kreisliga B stehen manche Trainer im direkten Austausch untereinander. Für SV-Südkirchen-Trainer Michael Luppus habe das auch einfach „regionale Gründe“. Wenn man gegeneinander spielen würde, ruhe „die Freundschaft für 90 Minuten“, aber ansonsten „halten wir in der Gemeinde zusammen und unterstützen uns“, so Luppus.

Dieser Austausch komme zustande, wenn er sehen würde, dass ein Spiel vom SC Capelle - „wie gegen GW Amelsbüren“ - besonders einseitig ausgefallen ist. Der SC Capelle hatte am ersten Spieltag mit 1:4 gegen Amelsbüren verloren. Wie sehr Informationen vom Kollegen dann wirklich helfen könnten, sei „mal so, mal so. Gegen Amelsbüren haben wir den Spieltag danach 2:6 verloren“, sagte Michael Luppus lachend.

Manchmal helfen die Tipps, die sich Michael Luppus einholt, nicht.

Manchmal helfen die Tipps, die sich Michael Luppus einholt, nicht. © Sebastian Reith

Dafür könne sein Kollege, Capelle-Trainer Reinhard Behlert, aber natürlich nichts. Dieser machte auch sogleich deutlich, „Michael natürlich keine Fehlinformationen“ gegeben zu haben und hielt fest, dass die „Chemie untereinander“ stimmen würde. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu Südkirchen und wenn Michael anruft, bekommt er natürlich die Informationen“, sagte Behlert.

Dies sei aber nicht bei jedem Verein beziehungsweise Trainer der Fall. Wenn er an das letzte Spiel gegen Polonia Münster denken würde, „wie die nach dem Spiel hier aufgetreten sind“, würde da kein Verantwortlicher von ihm eine Auskunft bekommen.

Capelle-Trainer Reinhard Behlert erinnert sich 18 Jahre zurück

Dass aus solchen Telefonaten aber auch Freundschaften entstehen können, dazu hat Reinhard Behlert noch eine Geschichte. So hätte er vor 18 Jahren, in der Saison 2001/2002, mit dem damaligen Capelle-Trainer Werner Langenkämper eine solche Konstellation gehabt wie jetzt mit dem SV Südkirchen.

Damals noch als Trainer des SuS Kaiserau, habe sich Behlert „regelmäßig“ mit Langenkämper ausgetauscht. Daraus sei eine „richtige Freundschaft“ zwischen den beiden Männern entstanden, „die noch viele Jahre“, nachdem sie an der Seitenlinie aufeinandergetroffen waren, Bestand hatte.

Durch den Austausch mit einem Kollegen ist für Capelle-Trainer Reinhard Behlert eine Freundschaft entstanden.

Durch den Austausch mit einem Kollegen ist für Capelle-Trainer Reinhard Behlert eine Freundschaft entstanden. © Jura Weitzel

Dass die Informationen ihrer Kollegen wirklich dazu führen würden, dass ein Spiel gewonnen oder verloren geht, darüber wollten die vier Trainer keine direkten Aussagen treffen. Mario Plechaty machte auch noch einmal deutlich, dass sie ihr „eigenes Spiel durchziehen“ würden, ganz unabhängig davon, was ihnen der Kollege am Telefon gerade erzählt hätte. Olfens Jupp Ovelhey verglich die erfolgreiche Arbeit eines Trainers mit dem Erstellen „eines Mosaikes.“ Die einzelnen Stücke würden zusammengesetzt und dabei sei es auch schon in der Bezirksliga ein wichtiger Teil, „die Infos der Trainer über die Spielweise“ mit einfließen zu lassen.

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Ovelhey sieht es wie sein Kollege aus der Kreisliga B, Reinhard Behlert, dass auch in Zukunft ein Austausch mit Konkurrenten möglich sei, „solange die Chemie“ stimme. „Wenn ich merke, mein Gegenüber ist eine Pfeife und seine Truppe schwierig“, dann gäbe es eben auch keinen Austausch, so der Olfen-Trainer.

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