Wende im Saisonabbruch-Prozess: Das Hin und Her nervt

Kommentar

Der Abbruch war nah, nun könnte die Saison womöglich doch noch fortgesetzt werden. Von Ruhe ist der Amateurfußball derzeit noch weit entfernt.

Selm

, 08.05.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Sportplatz in Vinnum, die sportliche Heimat der Westfalia. Hier könnte bald wieder der Ball rollen, nachdem alle schon vom Abbruch ausgingen.

Der Sportplatz in Vinnum, die sportliche Heimat der Westfalia. Hier könnte bald wieder der Ball rollen, nachdem alle schon vom Abbruch ausgingen. © Patrick Fleckmann

Das ist verdammt schlechtes Timing: Fast zur selben Stunde, in der das FLVW-Präsidium mitteilte, dass er der Empfehlung des Fußballausschusses folgen und die Saison im Amateurfußball abbrechen möchte - sogar endlich ausführlich darlegte, wie das passieren sollte - da teilte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit, dass ab 30. Mai Kontaktsport, also auch Fußball, wieder erlaubt wird. Wie kurios.

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Den Verband muss diese Nachricht eiskalt erwischt haben. Und ein bisschen ist der FLVW sogar zu bemitleiden. Über Wochen hatten sich die ehrenamtlichen Präsidiumsmitarbeiter den Kopf darüber zerbrochen, wie es weitergehen könnte, die Mitgliedsvereine per Votum um ein Meinungsbild gebeten, rechtliche Aspekte berücksichtigt und nach diversen Videoschalten mit den Ligen, Kreisen und sonstigen Gremien eine Art Konsens mit wenigen Verlierern und einen Fahrplan über den Abbruch gefunden.

Ab 30. Mai ist Kontaktsport erlaubt

Dass am 30. Mai Kontaktsport erlaubt sein würde, davon waren auch die kühnsten Optimisten nicht ausgegangen. Und aus der Politik, vor allem aus Berlin, hatte es mit dem Verbot von Großveranstaltungen bis in den August hinein auch Signale gegeben, dass alsbald keine Lockerungen kommen dürften. Das Vorpreschen überrascht nun alle.

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Alles schien auf einen Abbruch hinauszulaufen. Dabei fehlt nun eine wichtige Grundlage, das zu tun: Das Verbot von Kontaktsport. Sportanlagen werden öffnen, und noch bevor ein Verbandstag zusammenkommen kann, werden vor allem die vermeintlichen Verlierer der Regelung um so lauter schreien, weiterzumachen. Und auch einige andere werden ins Grübeln kommen - nach dem Motto: „Wenn es erlaubt ist, dann lasst uns spielen!“ Selbst FLVW-Vertreter schließen nicht aus, dass es doch noch einmal weitergehen könnte.

Die Lage hat sich grundlegend verändert

Die Lage hat sich geändert. Das Meinungsbild, wenn der FLVW es wiederholen würde, würde nun vermutlich weniger Abbruch-Befürworter hervorbringen. Eigentlich sollte nach dem Mittwoch Sicherheit einkehren für viele Mannschaften und Vereine. Er brachte genau das Gegenteil. Viele Fragen sind ungeklärt: Was passiert, wenn Corona-Fälle in Sportteams auftreten? Welchen Zeitplan könnte man wählen? Was passiert, wenn die Infektionszahlen wieder steigen sollten? Sicher ist nur eins: Die Abbruch-Diskussionen gehen weiter.

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