Viel Zündstoff zwischen dem FC Nordkirchen und Westfalia Wethmar

dzFußball-Bezirksliga

Nordkirchens Trainer Issam Jaber regte sich wieder über gegnerische Trainer und Schiedsrichter auf. Wethmars Trainer Andreas Przybilla kontert. Chaos gab es um Patrick Trawinskis Einsatz.

Nordkirchen, Wethmar

, 03.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Es regnete in Strömen, als Issam Jaber, Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen, hinter der Container-Kabine an der Nordkirchener Sportanlage die Gründe für die 0:2-Niederlage gegen Wethmar analysierte und zusammenfasste. Jaber ärgerte sich hauptsächlich über den Schiedsrichter und Wethmars Trainer Andreas Przybilla.

Dass seine eigene Mannschaft verglichen mit früheren, leidenschaftlichen Auftritten gegen Wethmar am Sonntag vieles vermissen ließ, kam in Jabers Analyse sehr kurz. „Wir haben den Ball nicht so laufen lassen, wie wir wollten, und haben nicht umgesetzt, was wir wollten“, sagte Jaber. Dem Vorwurf, falsch aufgestellt zu haben, widersprach er entschieden.

Offensivspieler lange auf der Bank

Jedoch saßen Stürmer Joachim Mrowiec und Flügel Dominick Lünemann nur auf der Bank. Die stärkste Elf hatte er nicht auf dem Platz. „Jeder einzelne Spieler, der bei mir spielt, hat zu 100 Prozent mein Vertrauen. Und es lag auch nicht an der Aufstellung, oder ob jemand gefehlt hat. Die Spieler, die ich draußen gelassen habe, habe ich nicht auf der Bank gelassen, weil ich dachte, dass wir das Spiel auch ohne sie gewinnen. Das hat Gründe gehabt“, sagte Jaber.

Diese Spieler hätten aus verschiedenen Gründen nicht trainieren können. Verkaufen kann er es dem breiten Kader nicht, wenn er fehlende Spieler dann gleich zurück in die Startelf beordert. Also kam das schnelle Offensivtrio Mrowiec (46.), Patrick Trawinski (56.), Lünemann (74.) erst sehr spät.

Viel Zündstoff zwischen dem FC Nordkirchen und Westfalia Wethmar

Joachim Mrowiec wurde zur Pause eingewechselt. © Sebastian Reith

Regelunsicherheit im Fall Trawinski

Der Fall Patrick Trawinski lag allerdings noch ganz anders. Der Stürmer trottete in der Halbzeitpause in Zivil von der Bank in die Kabine. Wegen der fünften Gelben Karte sei er gesperrt, meinte er - ein Irrtum, wie sich erst in der Pause im Nordkirchener Lager herausstellte. Denn eine Gelbsperre verfällt laut Regelwerk nach zehn Tagen automatisch - davon wusste man in Nordkirchen aber nichts. Aus dem Vorstand sei laut Jaber kein grünes Licht für einen Einsatz Trawinskis gekommen.

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Lothar König, Staffelleiter der Bezirksliga 8, habe im Vorfeld aber mehrfach mit Verantwortlichen des FC Nordkirchen telefoniert und die Regeln erklärt, sagte er am Montag auf Nachfrage. „Außerdem gibt es bei der Mannschaftsaufstellung, die die Teams vor dem Spiel machen müssen, ein bildliches dickes Schloss vor einem Spieler, der gesperrt ist. Ist es da nicht vorhanden, ist der Spieler auch nicht gesperrt“, sagte König zu Trawinskis Fall.

Schiedsrichter habe für Wethmar gepfiffen

Sehr ärgerte Jaber die Ansetzung des Schiedsrichters und warf diesem Einflussnahme vor. „Es ist ein Schiedsrichter aus Lünen, der in der Nachbarschaft wohnt. Und er hat das Spiel mehr als beeinflusst, mit den Karten, die er gegeben hat“, sagte Jaber. Auch hier sieht König keinen Konflikt. Denn Yüksel Yavuz komme aus Dortmund und pfeift für den FC Brambauer. Es sei ein normales Ansetzungsprozedere gewesen. Dass Schiedsrichter aus dem Fußballkreis Dortmund eingesetzt würden, sei häufig der Fall.

Richtig lag Jaber allerdings bei seiner Kritik zu einem ausgebliebenen Elfmeterpfiff. Hier war Patrick Trawinski nach 70 Minuten von hinten umgegrätscht worden. Ein Elfmeter wäre berechtigt gewesen. Jaber sagte: „Wenn du den nicht gibst, darfst du in der Liga nicht mehr pfeifen.“

Trainer leisten sich eine Fehde

Seitenhiebe verteilte Issam Jaber in Richtung Wethmarer Offizielle. „Wenn das Spiel von außen von Wethmar so beeinflusst wird, durch Forderung von Karten...“, sagte Jaber. Schon während des Spiels gab es Wortgefechte. Die Hände gaben sich Jaber und Przybilla nach dem Spiel nicht. „Wir kennen ihn ja schon länger. Das ist seine Art und Weise. Wir sind ein fairer Verlierer, und wenn wir verlieren, dann stehen wir auch dazu“, sagte Jaber. Als Przybilla in Richtung Kabine ging, fluchte Jaber jedoch sticksauer und nannte Przybilla einen „Affen“.

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Andreas Przybilla beschwert sich nach Robin Schwicks Foul, der beschwichtigend die Hände hebt. © Sebastian Reith

Andreas Przybilla erklärte am Montag, dass Jaber ihm nicht die Hand gegeben habe und auch nicht sportlich fair gratuliert habe. „Ich musste mir Sprüche gefallen lassen. Wenn er meint, dass das dazugehört. Für mich ist das erledigt“, so Przybilla. Beide Trainer betonten, dass sie sich nicht auf das Niveau des Gegenüber begeben wollen. Er sei aber gewarnt worden, dass es in Nordkirchen „verbal heiß“ werde, wenn der FC Nordkirchen nicht ins Spiel findet.

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Andreas Przybilla jubelt in Richtung der Nordkirchener Bank. © Sebastian Reith

Jaber teilte auch gegen den DJK TuS Körne aus

Es ist nicht das erste Mal, dass Nordkirchen die Schuld bei Gegnern und Unparteiischen sucht. Auch bei Nordkirchens erster Saisonniederlage gegen den DJK TuS Körne schoss Jaber später gegen Körnes Trainergespann um Dominik Grobe sowie den Schiedsrichter. Jaber hatte Körne eine harte Gangart vorgeworfen. Übermäßig harte Zweikämpfe gab es aber damals nicht. Grobe beschwerte sich später darüber, dass Jaber ein schlechter Verlierer sei. Und auch beim Fuchs-Cup, einem Vorbereitungsturnier in Herbern, gaben die Nordkirchener nach der Finalniederlage ein eher unsportliches Bild ab.

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Wethmars Trainer Andreas Przybilla gestand aber auch ein, dass die Gesten des Trainerduos beim Foul, das zur Gelb-Roten Karte von Robin Schwick geführt hatte, nicht ganz fair gewesen sein. „Eine Rote Karte zu fordern, ist definitiv nicht fair. Aber es sind Emotionen dabei. Wir sollten Vorbilder sein“, sagte Przybilla, der seine Mannschaft gut eingestellt habe: „Wir wussten, wie Nordkirchen aufbaut, und wussten, wo die Stärken liegen. Wir haben die Spieler bewusst in die Zentrale gesteuert, indem die Stürmer weit außen stehen.“

Die guten Leistungen von Matchwinner Sören Dvorak und des starken Rückhalts Niklas Dvorak - beide Brüder spielen normalerweise in der Kreisliga-U23 der Westfalia, sind auch Przybilla nicht verborgen geblieben. „Beide haben eine reelle Chance. Es wäre fatal, solche Talente nicht zu fördern“, so Przybilla. Schon Ende der Woche will er Gespräche darüber führen, die Brüder und einen weiteren Spieler aus der U23 zum Kader der ersten Mannschaft zu nehmen. Dass beide Dvoraks auch über die kommende Woche hinaus zur ersten Mannschaft gehören, sei „denkbar“, so Przybilla.

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Niklas Dvorak könnte bald fest zum Kader der ersten Mannschaft gehören. © Sebastian Reith

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