Vereinsgründerin des aufgelösten MC Cappenberg ist traurig, aber verständnisvoll

dzMC Cappenberg

Der MC Cappenberg ist aufgelöst. Christine Jücker erzählt von den Anfängen des Vereins in den 1980ern und den Veränderungen, die der Klub durchlief, bevor er aus der Vereinslandschaft verschwand.

Cappenberg

, 02.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christine Jücker warf vor einigen Tagen den Blick etwas ungläubig auf die Internetseite dieser Redaktion. Da stand eine Nachricht, die sie berührte: Dass sich der MC Cappenberg, den sie mit Mitstreitern vor fast 30 Jahren ins Leben gerufen hatte, bereits zum Ende des Jahres 2019 aufgelöst hat, hatte sie nicht gewusst. „Es ist einfach sehr schade“, sagt Jücker.

Die Läuferin, die in Berlin im Herbst 2019 ihren 50. Marathon gelaufen ist, erklärte, dass bei der Nachricht viel Wehmut mitschwang. Zwar hatte sie den MC Cappenberg 2002 verlassen, trotzdem: „Da steckt viel Herzblut drin.“ Die Anfänge des Vereins liegen sogar noch weiter zurück als das Gründungsjahr 1991. Bereits 1988, das zeigen Urkunden, gab es den Namen „MC Cappenberg“, nur war er damals kein eingetragener Verein und auch kein Verbandsmitglied.

Aus mehreren Vereinen kamen die Cappenberger zusammen

Der Verein geht auf einen Freundeskreis zurück, der in den 80ern gemeinsam trainierte, aber für unterschiedliche Vereine startete. Ludger Dahlkamp war Mitglied der Versehrtensportgemeinschaft Lünen, André Dahlkamp lief für den SuS Olfen, Christine Jücker startete für Teutonia Lanstrop, später den TV Werne. „Hintergrund war, dass jeder für seinen Verein gestartet ist. Dann kam die Idee, warum wir nicht unter MC Cappenberg starten“, erzählt Jücker. Drei Jahre später wurde aus dem MC Cappenberg ein eingetragener Verein.

Die Urkunde aus dem Jahr 1989 beweist, dass Läuferin Christine Jücker bereits vor der offiziellen Vereinsgründung 1991 unter dem Vereinsnamen „MC Cappenberg“ an den Start ging.

Die Urkunde aus dem Jahr 1989 beweist, dass Läuferin Christine Jücker bereits vor der offiziellen Vereinsgründung 1991 unter dem Vereinsnamen „MC Cappenberg“ an den Start ging. © Christine Jücker

Dass der Verein die Pforten jetzt dicht gemacht hat, kann die damalige Initiatorin durchaus nachvollziehen. „Es hat damals auch schon viel Arbeit gemacht“, sagt Jücker - das war der Hauptgrund, warum der letzte Vorstand schließlich den Verein auflösen wollte. Und da Wettkämpfe nicht mehr im Vordergrund standen, sei die Aufrechterhaltung eines Vereins mit aufwendigen Strukturen auch nicht notwendig, meint Jücker.

MC Cappenberg wächst durch Sport-AG

Als die Lehrerin Mitte der 1990er über eine Sport-AG Kinder in den Verein holte, wuchs das Projekt MC Cappenberg. „Wir haben das damals sehr leistungsorientiert betrieben. Das würde ich heute anders machen“, gibt Jücker zu. Auch nach ihrem Abschied kurz nach der Jahrtausendwende aufgrund von Differenzen, die es laut Jücker durchaus mal geben kann in Vereinen, habe es weiter Kontakt gegeben. „Man hat sich immer wieder mal gesehen, zum Beispiel beim Syltlauf. Aber auch im Cappenberger Wald ist man sich begegnet. Es ist nicht so, dass wir nicht mehr miteinander gesprochen haben“, sagt die ehemalige Vorsitzende.

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Langsam wurde aus dem leistungsgeprägten Verein, in dem Ludger Dahlkamp mit einer Marathonzeit von unter drei Stunden oder Christian Seidel herausstachen, der die fünf Kilometer unter 16 Minuten lief, ein Breitensportverein, bei dem das Hobby im Vordergrund stand.

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Dass die Stadt Selm in das Jahrzehnt nun ohne einen Leichtathletikverein oder -abteilung geht, bedauert Jücker. „Tatsache ist, dass die Blumes als Top-Sprinter aus Selm kamen. Wir haben heute ein tolles Stadion, das hervorragend ausgestattet ist. Aber das ist wohl der Zahn der Zeit“, sagt sie.

An der Overbergschule, an der Jücker Schulleiterin ist, gibt es mittlerweile wieder Extra-Sportunterricht in der Leichtathletik als Ergänzung. „Laufen, werfen, springen - vielleicht erwächst daraus nochmal etwas“, sagt Christine Jücker.

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