Trainer zur EM-Verschiebung: „Gerade jetzt fällt einem der Kommerzscheiß wieder auf“

dzFußball

Die paneuropäische Europameisterschaft wird aufgrund des Coronavirus nun auf den Sommer 2021 verschoben. Wir haben unsere Trainer gefragt, was sie von der Entscheidung halten.

von Hendrik Skirde

Nordkirchen, Olfen, Werne, Lünen

, 18.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Fußball-Europameisterschaft sollte im Sommer 2020 in mehreren europäischen Ländern stattfinden. Aufgrund der Maßnahmen und der Ungewissheit wie sich das Coronavirus weiter ausbreiten wird, hat die Uefa entschieden, die EM um ein Jahr nach hinten zu verschieben.

Wir haben die Trainer aus unseren Fußballkreisen gefragt, was sie von der Entscheidung halten:

Michael Krajczy (SuS Olfen):

„Ich finde die Entscheidung auf jeden Fall vernünftig, alles andere hätte ja eh keinen Sinn gemacht. Dieses Jahr müssen wir erstmal schauen, wie jetzt alles weitergeht. Aktuell sieht es ja nicht so gut aus, bei den ganzen Vorkehrungen die da getroffen werden. Es gab keine andere Wahl als die EM zu verlegen. Man weiß noch gar nicht, was für Folgen die Coronakrise für den Fußball haben wird. Hoffentlich geht der Trend jetzt auch dahin, dass gesagt wird: Es gibt wichtigeres als Fußball. Die Probleme gesundheitlich und wirtschaftlich werden ja nicht weniger. Auf der einen Seite tut es vielleicht auch mal ganz gut, dass man mal anders denkt und beim Fußball wieder zum Ursprung kommt. Teilweise ist der Fußball ja schon völlig abgedreht. Natürlich hätte ich mir trotzdem gerne die EM-Spiele angeschaut. Der Fußball wird sich nun sicherlich verändern.“

Holger Möllers (SV Herbern):

„Es gibt doch eigentlich gar keine andere Möglichkeit, als die EM zu verschieben. Die nationalen Verbände müssen im Vordergrund stehen, die müssen sehen, dass sie ihre Saisons noch zu Ende spielen können. Das ist erstmal die Grundlage für eine gute EM. Gerade jetzt fällt einem der Kommerzscheiß wieder auf. Klar sind Fußballvereine Wirtschaftsunternehmen, aber der Fußball sollte immer noch im Vordergrund stehen. Deswegen interessiert mich die EM auch nicht mehr. Ehrlicher Fußball wird in den Amateurligen gespielt und die Abzocke ist dann in der Bundesliga, der Uefa und der Fifa. Ich schaue mir höchstens noch die Klassiker an wie Deutschland gegen England oder Italien. Die EM wird mittlerweile so aufgebläht, sodass die Spiele immer uninteressanter werden.“

Pascal Harder (GS Cappenberg):
„Ehrlich gesagt halte ich es für vernünftig, wenn man so die Bundesliga irgendwie vernünftig zu Ende bringen möchte, macht das natürlich Sinn. Ob jetzt eine EM oder WM stattfindet oder nicht, ist vielen Menschen aktuell wahrscheinlich egal, oder sollte es in der aktuellen Lage zumindest sein. Die WM 2006 im eigenen Land war echt geil, aber seitdem habe ich im Zweijahresrhythmus den Spaß an den internationalen Turnieren verloren. Jetzt laufen die Spiele nur noch so nebenbei, ich weiß auch nicht wirklich woran es liegt. Es ist auch nicht das Interesse am Fußball generell, sondern nur das Interesse an den Turnieren, das bei mir verloren geht.“

Mario Plechaty (bald FC Nordkirchen):
„Nach dem jetzigen Stand ist es wahrscheinlich die richtige Entscheidung. Klar ist eine Europameisterschaft immer ein Highlight und sie ist ja auch sehr anspruchsvoll in der Planung. Keiner weiß, wie lange das mit dem Coronavirus nun noch andauert, deswegen ist es die richtige Entscheidung, dass man die EM verschoben hat. Besser man verschiebt sie, als dass man die EM komplett absagt. Ich schaue mir nicht jedes EM-Spiel an, aber die wichtigen Spiele schaue ich mir gerne an.“

Christian Hampel (Lüner SV):

„Natürlich ist die Entscheidung die EM zu verschieben vernünftig. Da gab es sicherlich auch keine andere Möglichkeit. Ich schaue mir die EM immer noch gerne an. Ich werde versuchen, die freigewordene Zeit im Sommer zu nutzen um alles rund um den LSV zu planen, aber auch wir haben wie die großen Vereine und Ligen sehr viel Ungewissheit, wie es weitergehen wird. Das ist aktuell für uns aber auch wichtiger als die Verlegung der EM.“

Reinhard Behlert (SC Capelle):

„Das ist das letzte, worüber ich mir gerade Gedanken mache. Ich denke, es ist die absolut richtige Entscheidung, ich bin mir sicher, dass das die einzige Möglichkeit war. Existenziell wichtig ist ja, wie es deutlich zu lesen war, dass es mit der Bundesliga irgendwie weitergeht. Mittlerweile sind das ja Wirtschaftsunternehmen geworden, die mit einem Spielausfall nicht überleben können. Eine Europa- oder Weltmeisterschaft betrifft die korrupten Verbände Uefa und Fifa, deswegen interessiert mich das herzlichst wenig, auch wenn ich eigentlich ein ganz großer Fan von Europa- und Weltmeisterschaften bin.“

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