Immer mehr Gewalt und Beleidigungen

dzFußball

Beleidigungen, Tätlichkeiten, Spielabbrüche – die Sportgerichte der vier heimischen Fußballkreise hatten einen vollen Sitzungskalender. Die Verrohung nimmt immer mehr zu.

Selm

, 06.11.2018, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die heimischen Fußballer spielen seit der Auflösung des Kreises Lüdinghausen in vier verschiedenen Kreisen: Münster, Unna-Hamm. Recklinghausen und Ahaus/Coesfeld. Hier hatten die Kreissportgerichte vergangene Woche viel Arbeit vor sich. Die längste Sperre, die sie aussprechen mussten, dauert sechs Monate. Hier listen wir die Fälle auf.

  • In der Kreisliga B Recklinghausen war es am 7. Oktober zwischen dem VfB Waltrop und dem SV Horneburg zu einem Spielabbruch gekommen. Nach einer Rudelbildung gab es Tätlichkeiten. Nun stehen die Urteile fest. Acht Pflichtspiele Sperre wegen einer Tätlichkeit erhielt der Torhüter des SV Horneburg. Zwei Waltroper Spieler, darunter der ehemalige Nordkirchener Dalibor Mikuljanac, wurden wegen unsportlichen Verhaltens für vier Wochen gesperrt.

    Es gab Fotos, auf denen die Tätlichkeit des Horneburger Keepers zu sehen war. Die zwei Waltroper Spieler wurden zudem verurteilt, weil sie in der Rudelbildung mitgewirkt haben. „Am besten ist es, da ganz wegzubleiben“, sagt Kreisspruchkammer-Vorsitzender Bruno Ruch. Das Spiel wird neu angesetzt. Beide Vereine erhielten zudem eine Geldstrafe von 150 Euro.
  • In Münster musste sich ein A-Liga-Spieler des TuS Hiltrup II verantworten. Er hat am 9. August gegen Gremmendorf eine Rote Karte wegen des Verdachts der Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter gesehen. Ab 2. Dezember darf er wieder spielen. Dann ist die zwölfwöchige Sperre wegen grob unsportlichen Verhaltens gegenüber dem Schiedsrichter abgesessen.
  • Das Kreisjugendsportgericht Ahaus/Coesfeld hat einen C-Jugendlichen von der SG Gronau für acht Wochen gesperrt. Er soll einen Gegenspieler am 29. September 2018 tätlich angegriffen haben. Sein Trainer erhielt wegen Unsportlichkeit und Schiedsrichterbeleidigung eine Geldstrafe in Höhe von 150 Euro.

    Der C-Jugendliche soll gefoult worden sein und habe dann im Nachgang mehrfach versucht, seinen Gegenspieler gezielt am Kopf zu schlagen. „Jede Sportart ist mit Emotionen verbunden. Aber wenn Sicherungen durchbrennen, dann bezeichne ich das nicht mehr als emotionsgeladene Spiele“, sagt Bernhard Mathmann, stellvertretender Vorsitzender im Kreisjugendsportgericht Ahaus/Coesfeld.
  • Auch der Fall eines D-Junioren-Spielers des SV Eintracht Ahaus vom 13. Oktober zog eine Verhandlung beim Kreisjugendsportgericht Ahaus/Coesfeld nach sich. Diesmal gab es sechs Wochen für den Spieler, der einen Gegner obszön und anstößig beleidigt hatte. Auch sein Trainer erhielt eine Strafe: 150 Euro wegen Schiedsrichterbeleidigung.
    Der D-Jugendliche soll seinen Gegenspieler mit „Du Hurensohn“ beleidigt haben. „Da gibt es keine andere Handlungsmöglichkeit, als den Jungen für sechs Wochen zu sperren“, sagt Mathmann, der in dem Fall Einzelrichter war.
  • Eskaliert ist ein Spiel der B-Junioren im Kreis Münster zwischen Altenberge und DJK Greven am 3. Oktober. Vier Monate Sperre bekam ein Spieler von Altenberge. Er hatte einen Mitspieler beleidigt und danach den Schiedsrichter beschimpft und bedrängt. Die Sperre reicht bis zum 4. Februar 2019.
  • Gleich mehrere Urteile gab es in der vergangenen Woche gegen den BV 09 Hamm. Ein Spieler wurde wegen Schiedsrichterbeleidigungen für drei Monate, ein weiterer Spieler für sechs Wochen gesperrt. Für eine Schiedsrichterbeleidigung zahlt Hamms Trainer 200 Euro, auch der nichtneutrale Schiedsrichterassistent habe sich dem Schiedsrichter gegenüber unsportlich verhalten. Dafür bekam der Vereine weitere 150 Euro Geldstrafe.
  • Sechs Monate Sperre erhielt ein Spieler des SuS GW Barkenberg aus dem Fußballkreis Recklinghausen. Er hatte am 7. Oktober im Kreisliga-B-Spiel gegen den SV Altendorf-Ulfkotte II die Rote Karte wegen einer Tätlichkeit gesehen. Drei Monate der Strafe sind zur Bewährung ausgesetzt. Der Bewährungszeitraum dauert bis zum Januar 2020.
  • Ein B-Juniorenspieler aus dem Kreis Recklinghausen hat seinem Vereinsnamen keine Ehre bereitet. Die „Sportfreunde“ Stuckenbusch sollten eigentlich für Fairness stehen. Das war bei dem Nachwuchskicker aber nicht der Fall. Das Kreisjugendsportgericht Recklinghausen sperrte ihn für sechs Monate, zwei davon auf Bewährung, nachdem er im Spiel gegen Westerholt am 13. Oktober den Schiedsrichter mehrfach grob beleidigt hatte.
Ein Kommentar von Sebastian Reith

Manche Sportler haben aber auch gar nichts dazugelernt. Die Generalabsage im Kreis Arnsberg und der Brandbrief vor einem Jahr von Münsters Kreischef waren die Spitze des berühmten Eisbergs. Sie deuten darauf hin, worüber es leider keine Statistiken gibt, weil die Kreise sie nicht pflegen: Der Ton auf den Sportplätzen ist rauer geworden, Tätlichkeiten nehmen nach Ansicht vieler Verantwortlicher zu. Schön ist das nicht. Schon gar nicht muss man es akzeptieren. Bei Bildern von Rudelbildungen im Fernsehen und schlechten gesellschaftlichen Vorbildern aber irgendwie kein Wunder mehr, dass es nicht auch auf dem Sportplatz sichtbar wird. Erschreckend ist, in welchen Altersklassen es bereits widerliche Auswüchse von Fehlverhalten gibt. Da ist bereits bei den D-Junioren zwischen 11 und 13 der Gegenspieler schnell mal ein „Hurensohn“. Respekt vor dem Schiedsrichter fehlt weit und breit. „Schiri möcht‘ ich auch nicht sein“, sagte ein Zuschauer beim PSV Bork am Sonntag. Bei den ganzen Urteilen verständlich!
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