So begründet Kreissportrichter Michael Zahorodnyj die Urteile im Fall „Decker-Törö“

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Warum gibt es für eine vermeintliche Beleidigung nur ein Spiel Sperre? Warum für eine Rote Karte nach einer Grätsche? Das beantwortet Michael Zahorodnyj, Vorsitzender des Kreissportgerichts.

Selm

, 02.10.2019, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Mal die Mindestsperre für eine Rote Karte: Das Strafmaß, das das Kreissportgericht Unna-Hamm am Dienstagabend bei der Verhandlung der Roten Karten für Oberadener Spieler anlegte, ist keinesfalls normal. Normal wäre gewesen, die Übeltäter aus Oberaden für mehrere Wochen aus dem Verkehr zu ziehen, nachdem Schiedsrichter Daniel Decker-Törö sie vom Platz gestellt hatte und später das Spiel abbrach. Doch das tat das Sportgericht nicht und sei sich dabei auch recht schnell einig gewesen. Die Gründe erklärte Michael Zahorodnyj, Vorsitzender des Kreissportgerichts, am Tag nach der Verhandlung.

Zahorodnyj gab einen Wink in Richtung Schiedsrichter-Chef Thorsten Perschke: „Wir wollten dem Schiedsrichterausschuss zeigen, dass das, was der Schiedsrichter macht, so nicht mehr geht. Und wir hoffen, dass der Schiedsrichter-Ausschuss das hört.“

So begründet Kreissportrichter Michael Zahorodnyj die Urteile im Fall „Decker-Törö“

Das Kreissportgericht glaubte Daniel Decker-Törö nicht alle seine Schilderungen. © Marcel Schürmann

Und mit der Mindestsperre werde es das Sportgericht in Zukunft auch immer handhaben, wenn Daniel Decker-Törö Spieler des Feldes verweist - eine klare Ansage an das Gremium der Unparteiischen. Der Ausschuss der Schiedsrichter wird am 23. Oktober wieder tagen. Solange wird Decker-Törö erstmal keine Spiele leiten.

Decker-Törö beschrieb Vergehen sehr detailliert

Der Sportgericht-Vorsitzende und seine beiden Kollegen hätten es sich eigentlich ganz einfach machen können: Vier- bis achtwöchige Sperren wären für die Rotsünder nach den geschilderten Vergehen locker drin gewesen, wenn das Sportgericht den Erklärungen von Daniel Decker-Törö gefolgt wäre. Der umstrittene Schiedsrichter, der für seine knallharten Pfiffe und Platzverweise in Verbindung mit mehreren Spielabbrüchen bekannt ist, hatte als erster Zeuge alle Entscheidung detailliert und ausführlich beschrieben.

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Zunächst holte Zahorodnyj, der selbst jahrzehntelang als Schiedsrichter tätig war, lange aus, als die Redaktion ihn telefonisch nach einer Urteilsbegründung fragte. „Nicht immer ist der Schiedsrichter maßgebend. Es ist nicht fair, nur dem Schiedsrichter zu glauben“, begann Zahorodnyj. Zeugen hätten sehr glaubhaft vermittelt, dass die Fouls nicht so waren, wie Daniel Decker-Törö sie beschrieben hat.

Sportgericht war sich schnell einig

Bemerkenswert, denn Vincenzo Lo Giudice, Geschäftsführer von RW Unna, sagte aus, dass Oberadens Spieler den Unparteiischen wahrscheinlich angegangen wären, wenn der Ordnungsdienst nicht eingegriffen hätte.

So begründet Kreissportrichter Michael Zahorodnyj die Urteile im Fall „Decker-Törö“

Almir Halilovic bekam vier Wochen Sperre aufgebrummt. © Marcel Schürmann

Trotzdem: „Wir waren uns schnell einig bei den Karten und haben nur bei der Spielwertung etwas diskutiert“, sagte Zahorodnyj, der die Sitzung gemeinsam mit den Beisitzern Veit Demmig und Veysel Cerci geleitet hatte. Der Bericht des Schiedsrichter-Beobachters sei dabei als Beweismittel nicht berücksichtigt worden, weil dieser nicht zulässig gewesen sei. Im Fall von Almir Halilovic seien vier Wochen angebracht gewesen, weil das Foul nach Überzeugung des Gerichts hart und unnötig war.

Dass ein Facebook-Kommentar von Halilovic noch ein Nachspiel hat, glaubte Zahorodnyj auch nicht. Halilovic habe ihm via Facebook „jeden Abend Durchfall“ gewünscht, ihn zum Rücktritt aufgefordert und erklärt, dass der Spaß auf der Strecke bleibe. „Wer diesen Mann weiter pfeifen lässt, ist mitverantwortlich“, zitierte Decker-Törö aus dem Beitrag und sagte abschließend: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“ Dass die Äußerung über die Meinungsfreiheit hinaus gehen und zu einer Spielsperre führt, darf bezweifelt werden.

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