Schiedsrichter in der Corona-Zwangspause: „Ohne Fußball sieht es beschissen aus“

dzCorona-Krise

Nicht nur Fußballer, Trainer und Fans sind von der Zwangspause durch das Corona-Virus betroffen. Auch die Schiedsrichter quält am Wochenende gähnende Langeweile.

Werne, Herbern, Cappenberg, Olfen

, 09.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise sind die Wochenende für Schiedsrichter immer schon lange im Voraus verplant. Samstags stehen Juniorenspiele an, sonntags dann meistens die Senioren und Frauen. Manchmal dann noch vereinzelte Kicks unter der Woche oder freitagsabends. Doch nun ruht der Ball, Covid-19 hat bekanntermaßen das Leben angehalten.

„Die Wochenenden sind momentan echt langweilig“, sagt der 28-jährige Ascheberger Markus Holtmann, der für den SV Herbern in der Westfalenliga pfeift. „Aber da müssen wir jetzt durch, hilft ja alles nichts“, versucht er optimistisch zu bleiben. Um sich fit zu halten, geht er regelmäßig laufen. Eigentlich mit dem Ziel, in zwei Wochen beim Halbmarathon in Berlin mitlaufen - ebenfalls abgesagt. Da aber nicht mal sein Lieblingsverein, der 1. FC Kaiserslautern, momentan spielt, sieht es mau aus. „Am Sonntag hab ich mich nur vom Bett zur Couch bewegt“, meint er ironisch.

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Ähnlich fatal sieht es Kazim Sever von Eintracht Werne: „Ohne Fußball sieht es beschissen aus“, sagt der 40-Jährige. Er arbeite sechs Tage die Woche und habe hat eh nur am Sonntag Zeit, wo er bis in die Bezirksliga hoch pfeifen kann. Den freien Tag nutzt er nun zum Entspannen: „Ich mach kein Fitness oder gehe Laufen jetzt.“ Stattdessen gehe er jeden Tag nach der Arbeit spazieren. „So acht Kilometer in zwei bis zweieinhalb Stunden“, erklärt er.

Arbeiten und Radfahren statt die Pfeife im Mund

Annika Reibetanz steht normalerweise zwei bis drei Mal am Wochenende auf dem Platz, entweder bei den Herren in der Kreisliga, in der Jugend oder bei den Frauen. Die momentane Pause kommt für sie aber wahrscheinlich nicht ungelegen - die 22-Jährige ist ambulante Krankenpflegerin, also momentan besonders gefordert.

„Ja, ich muss momentan mehr arbeiten, aber im medizinischen Sektor kommt das vor“, sagt die Schiedsrichterin. Um den Kopf frei zu kriegen, fährt sie mit dem Fahrrad durch den Cappenberger Wald oder unternimmt etwas an der frischen Luft. „Nur im Haus ist auch nicht gut und wenn man gesund ist, kann man ja mit Abstand draußen spazieren gehen.“

Für manche Schiedsrichter ist die notwendige Zwangspause doppelt ärgerlich: Nicht nur fehlt der Spaß am Wochenende, die Unparteiischen werden schließlich auch pro Spiel bezahlt. Der kleine Nebenverdienst fällt also momentan weg. „Da ich voll berufstätig bin, ist das nicht so, aber für Schüler und Studenten ist das ärgerlich“, meint Annika Reibetanz.

Wie zum Beispiel für Julian Fitze. Der 17-Jährige ist noch Schüler, pfeift aber schon Kreisliga A für den SuS Olfen. Dennoch, um das Geld geht es ihm nicht: „Es ist ein Hobby und geht um den Spaß.“ Auf den er - wie alle anderen Schiedsrichter - erstmal verzichten muss.

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