Noch einmal Berlin: Schulleiterin Christine Jücker absolviert ihren 50. Marathon

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Nein, laufsüchtig ist Christine Jücker (51) sicherlich nicht. Aber durchaus passioniert. Die Selmer Schulleiterin freut sich auf Deutschlands größten Marathon in Berlin am Sonntag.

Selm

, 25.09.2019, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es könnte ihr letzter Marathon sein, auch wenn man niemals nie sagen soll. Christine Jücker (51), Schulleiterin der Overberg-Grundschule, läuft am Sonntag noch einmal den Berlin-Marathon. Es ist ihr insgesamt 50. Lauf über die 42,195 Kilometer.

Noch einmal über die Straße des 17. Juni, vorbei an der Siegessäule, durch das Regierungsviertel und über den Kudamm, bis am Ende am Brandeburger Tor der Zieleinlauf erfolgt - Christine Jücker kennt den Berlin-Marathon, mit 40.000 Startern Deutschlands größten Marathon, inzwischen wie ihre Westentasche. Etliche Male stand sie hier an der Startlinie.

Damit gehört sie zum sogenannten Jubilee-Club, einem Kreis von etwas mehr als 5.000 Mitgliedern, die mehr als zehn Mal den Berlin-Marathon gelaufen sind. Der Vorteil: Obwohl der Lauf extrem schnell ausgebucht ist, hat Jücker eine lebenslange Startplatzreservierung und kann ganz entspannt bis Mitte April mit der Anmeldung warten.

Der 50. Marathon wird ein ganz Besonderer

„Ich habe mich auf den 50. Marathon noch einmal vernünftig vorbereitet, weil es eben der 50. ist“, sagt Jücker. Das Jubiläum in Berlin ist für sie auch eine Reise in die Vergangenheit. Mit ihrem Laufpartner André Dahlkamp lief sie 1989 in München und in Frankfurt zusammen. 30 Jahre später ist Dahlkamp wieder mit von der Partie.

„Das war ein Ansporn“, sagt Jücker, „ich merke, dass ich jetzt im Training bin, und dann macht es auch mehr Spaß.“ Und später erzählt sie dann, dass es so ziemlich der letzte Marathon sein soll. Danach sollen die Strecken kürzer werden. Glauben kann man ihr das kaum, zumal der Traum vom Boston-Marathon noch unerfüllt ist. Der berühmte Marathon an der US-Ostküste findet meistens nie in den Ferien statt, auf die die Lehrerin angewiesen ist.

Heimstrecken im Cappenberger Wald

Während die Fußballer eine Heimspielstätte haben, ist die Heim-Trainingstrecke von Christine Jücker viel größer: der Cappenberger Wald. „Da mein Papa aber Cappenberger ist, sind wir Anfang der 70er nach Cappenberg gezogen. Hier bin ich aufgewachsen“, erzählt Jücker, die 1968 in Dortmund geboren wurde.

In dem 28 Quadratkilometer großen Wald kann sie sich die Strecken auf zahlreichen sich kreuzenden Waldwegen beliebig zusammenstellen - und das Waldstück liegt praktischerweise auf dem Weg von Selm nach Werne, wo die Mutter einer Tochter heute lebt.

1984 begann sie mit Laufen in Cappenberg

Im Jahr 1984 begann die damalige Schülerin mit Laufsport. „Ich habe vorher Tennis gespielt in Cappenberg“, erzählt sie. Die Mittelstrecken waren ihre Paradestrecken, wurden aber bald länger. „Die Langstrecke war mir lieber“, erinnert sich Jücker. Nur zwei Jahre später lief Jücker ihren ersten Marathon in Duisburg mit einer Zielzeit von knapp über vier Stunden.

Auch während des Studiums in Münster lief sie weiter ambitioniert. 1989 lief sie in Duisburg bei der Universiade ihre persönliche Bestzeit von 3:27 Stunden - eine Zeit, die sie 20 Jahre später in Münster bei ihrem Lieblingsmarathon noch einmal wiederholte.

Gründerin des MC Cappenberg

Später gründete sie den Marathon Club Cappenberg unter anderem mit ihrem Förderer Ludger Dahlkamp zusammen, lief dann für den FC Nordkirchen und spulte pro Jahr 3000 Kilometer in Laufschuhen ab. Heute ist das vielleicht noch die Hälfte. Deshalb die Zeitvorgabe für Berlin: „Irgendwas um vier Stunden.“ Von Verletzungen ist Jücker immer verschont geblieben, sieht man mal von Knöchelproblemen und einer Sehnenentzündung im Fuß ab.

Heute ist Laufen für die 51-Jährige vor allem Ausgleich. „Ich habe Zeit zum Denken“, sagt sie, „es gibt den Spruch, dass die Probleme auf der Strecke zur Strecke gebracht werden. Es ist tatsächlich so. Wenn ich einen Drei-Stunden-Lauf mache, ist das Gehirn nach zwei Stunden relativ gereinigt.“

Jücker baut hier im Wald ab, „was man tagtäglich mit sich rumschleppt.“ Ideen, private Dinge, aber auch berufliche. „In einer Schule gibt es viele Dinge zu durchdenken.“ Das Laufen helfe ihr, „runterzukommen, völlig frei zu sein in der Natur.“ Jücker läuft bei jedem Wetter.

Sport ist wichtig für die Schülerinnen und Schüler

Sie versucht, Sport auch an der Schule so gut es geht zu fördern und als Vorbild voranzugehen. „Die Kinder sind motorisch nicht mehr ganz so fit wie früher. Es könnte von der Ausdauer und Motorik besser sein, aber wenn man Kinder anleitet, ist es unglaublich, was sie leisten. Sport kann Matheschwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwäche abschwächen. Die Motorik hat eine enorme Wichtigkeit“, sagt Jücker.

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