Kreis Münster äußert sich zu Abwerbepraktiken im Jugendfußball - und droht bei Verstößen

dzJuniorenfußball

Der Kreis Münster will Abwerbeversuche im Nachwuchsfußball über Social Media stoppen. Sanktionsmöglichkeiten besitzt der Kreis über das Jugendsportgericht. Das kann teuer werden.

Selm, Werne

, 09.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Offenen Brief hatte der Fußballkreis Münster Stellung bezogen und Abwerbepraktiken bei Jugendlichen in sozialen Netzwerken verurteilt. Auch diese Redaktion hatte im vergangenen Jahr bereits groß darüber berichtet und am Beispiel des SuS erklärt, wie Talentsucher über Facebook und Instagram Kontakt zu Nachwuchskickern aufnehmen. Der Redaktion lagen damals exklusive Auszüge aus den Kurzmitteilungen vor.

Diese Praktiken stoßen auch dem Fußballkreis Münster mittlerweile übel auf. „Das Thema ist bedauerlich, aber ziemlich präsent“, sagt Kreischef Norbert Krevert. Der Kreis Münster habe zahlreiche Hinweise von Vereinen bekommen, die sich beschwert haben. „Das Thema ist nicht neu aufgekommen“, sagt Bernhard Niewöhner, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, „es ist so alt wie Vereinswechsel selbst.“

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Doch durch soziale Netzwerke, in denen sich viele Jugendliche Profile eingerichtet haben, ist es einfacher geworden, begabte Jugendfußballer direkt kontaktieren, ohne sich am Fußballplatz sichtbar zu machen. Krevert erinnert sich an seine aktive Zeit zurück: „In den 1990ern wurde genetzwerkt: Wer kennt wen, der sich bemühen kann, einen Kontakt herzustellen? Heutzutage hat gefühlt jeder ab dem 11. oder 12. Lebensjahr ein Smartphone.“

Abwerbepraktiken: Klare Regeln werden ignoriert

Die technische Entwicklung hat keinen Halt vor der Zusammenstellung von Jugendmannschaften gemacht. Dafür gibt es eigentlich klare Regeln, die nicht bloß moralisch zu verstehen sind, sondern auch schriftlich festgehalten sind: Bevor ein Verein einen Spieler oder dessen Familie kontaktiert, muss er den abgebenden Verein zuerst benachrichtigen. Für ein Probetraining benötigen Spieler sogar eine schriftliche Genehmigung des alten Vereins. Doch daran hält sich nicht jeder Niewöhner: „Das ist im höchsten Maße unklug, allein schon von der Art her.“

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Die Zahl der Fälle im Kreis Münster, der 800 Jugendmannschaften und rund 16.000 aktive Kinder umfasst, beziffern die Offiziellen nicht und erklärten, dass sich das Abwerbegeschehen auch nicht auf bestimmte Vereine oder Regionen des Kreises konzentriere. „Wir erleben das überall mal wieder, aber es ist kein Phänomen, das ganzjährig vorkommt“, sagt Niewöhner. Der Schwerpunkt liegt vor dem Sommertransferfenster, der sogenannten Transferperiode I. Hier sei es in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Häufungen gekommen. Und offenbar zu einer Zunahme.

Vereinswechsel als Jugendlicher kann sinnvoll sein

Krevert sagt, dass der Kreis Vereinswechseln, auch Minderjähriger, gar keinen Riegel vorschieben möchte. „Akquise muss sein“, sagt der Kreisvorsitzende Norbert Krevert. Denn es kann sinnvoll sein, dass junge Fußballer in einer Mannschaft spielen, in der sie leistungsmäßig auch gefordert sind und sich entwickeln können.

Doch gewisse Praktiken möchte der Kreis nicht dulden. „Wir befinden uns in einem Stadium, in dem wir dem noch entgegenwirken können“, meint Krevert. Deswegen hat der Kreis auch den Offenen Brief geschrieben. Erreichen möchte der Kreis, dass Vereine ihre Trainer darauf aufmerksam. „Es sind vor allem Trainer, die sich einen falschen Druck machen und ihre Mannschaft verstärken wollen“, sagt Niewöhner.

Bei Verstößen droht der Gang vor das Kreissportgericht

Die Vereine würden davon erst dann mitbekommen, wenn es schon zu spät ist - und ein Verfahren vor dem Kreisjugendsportgericht anberaumt ist. Bei Verstößen, das hat der Kreis angekündigt, würden auch nun wieder Verfahren eingeleitet, die meistens mit Ordnungsgelder, aber nicht mit Sperren enden. Niewöhner ist überzeugt, dass der Offene Brief und die Androhung von Sanktionen schon helfen werden: „Eigentlich will das keiner, aber meistens wissen die Vereine von nichts.“

Verhindern wird der Kreis Schwarze Schafe unter den Trainern aber wohl nie. Schließlich rücken die Transferfenster jährlich wiederkehrend an. „Dann geht es nächstes Jahr wieder von vorne los. Wenn es überhand nimmt, werden wir auf den Tisch hauen müssen“, sagt Niewöhner.

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