Frank Bidar über seinen Abschied: „Schöne, erfolgreiche, aber harte Jahre bei Vinnum“

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Vier Jahre war er Trainer von Westfalia Vinnum. Im Mai hat Frank Bidar zum letzten Mal auf der Bank gesessen. Jetzt geht er Joggen und in die Sauna. Und Angebote nimmt er vorerst nicht an.

Vinnum

, 10.06.2019, 09:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach vier Jahren beim Kreisligisten Westfalia Vinnum sehnte sich Fußballtrainer Frank Bidar nach Ruhe. Er hat bereits im Winter seinen Abschied angekündigt. Sportredakteur Sebastian Reith sprach mit dem 48-Jährigen über seine Auszeit und vier Jahre als Trainer in Vinnum.

Herr Bidar, welches Fazit fällen Sie nach vier Jahren Vinnum?

Es waren sehr schöne Jahre, erfolgreiche Jahre, aber auch sehr harte Jahre. Man muss klar sagen: Ich habe bei Null angefangen, als ich den Verein als Drittletzter der Kreisliga Lüdinghausen mit 18 Punkten übernommen habe. Es ging darum, eine Mannschaft zusammenzustellen, Strukturen aufzubauen und eine Grundordnung reinzubringen. Erschwerend hinzu kam der Kreiswechsel. Das ist uns aber in Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Michael Asemann sehr gut gelungen. Wir haben immer über 40 Punkte geholt, standen immer auf einem einstelligen Tabellenplatz und haben den Stever-Lippe-Cup ins Leben gerufen. Die zweite Mannschaft haben wir auch neu aufgebaut und mit Guido Rapelius einen neuen Trainer installiert. Der Verein ist mit beiden Mannschaften gesund.

Frank Bidar über seinen Abschied: „Schöne, erfolgreiche, aber harte Jahre bei Vinnum“

Frank Bidar sorgte dafür, dass Guido Rapelius (r.) von der SG Selm nach Vinnum kam, um hier die zweite Mannschaft zu betreuen. © Sebastian Reith

Warum dann kein fünftes Jahr?

Ich bin eigentlich nur eingesprungen, weil es Vinnum war. Ich wollte damals eigentlich schon pausieren. Vinnum war in der Bredouille, hatte alte Verbundschaften und wollte auch in Vinnum eigentlich nur drei Jahre machen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, um mal mehr auf mich blicken zu können. Der Trainerjob ist sehr aufwendig. Es gibt täglich Arbeit.

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Und wenn ein Bezirksligist anfragt?

Zum Saisonstart werde ich keinen Job annehmen. Ich habe Anfragen von Vereinen bekommen, aber erklärt, dass ich Zeit brauche, um zu pausieren. Ich werde selbst ein bisschen Sport treiben, habe wieder mit Joggen angefangen und gehe in die Sauna, um den Motor auf Touren zu bringen.

Sie klingen etwas leer...

Ja, so kann man es darstellen. Normalerweise bin ich nach einer Sommerpause immer einsatzbereit. Irgendetwas ist aber immer: Vorbereitung oder Gespräche mit Spielern. Ich werde sonntags auch am Platz sein, aber mir in Ruhe eine Bratwurst essen.

Frank Bidar über seinen Abschied: „Schöne, erfolgreiche, aber harte Jahre bei Vinnum“

Frank Bidar und Michael Asemann planten die Mannschaft von Westfalia Vinnum. © Jürgen Weitzel

Als Sie Bork oder Selm verlassen haben, wanderten viele Spieler ab und folgten Ihnen. Droht das auch der Westfalia?

Nein, die Spieler, die jetzt gehen, habe ich ja nicht direkt geholt. Die Spieler haben in ihrem alten Verein vielleicht gesehen, dass es da nicht mehr so vorwärts geht. Und sie wissen, dass da, wo ich arbeite, die Mannschaft im oberen Bereich mitspielt. Jeder hat doch gewisse Leute um sich, auf die er sich verlassen kann und die er mitnimmt. Ganz normales Geschäft.

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Trotzdem gibt es einen großen Umbruch.

Ich kann die neuen Spieler aber nicht so gut einschätzen. Ich hoffe, dass es wieder zu einem guten Platz reicht. Die Liga in Recklinghausen wird von außen oft als nicht so stark eingeschätzt. Das ist aber nicht so. Die Mannschaften, die oben stehen, spielen guten Fußball.

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Hätte Westfalia Vinnum das Zeug zur Bezirksliga?

Der Verein wäre dazu in der Lage, die Bezirksliga zu stemmen. Die Frage ist, ob er auch das nötige Material hat, um die Liga zu beherrschen und aufzusteigen.

Mit Material meinen Sie Spieler oder finanzielle Mittel?

Ich rede vom Spielermaterial. Der Vorstand ist gut aufgestellt, um alle Hebel in Bewegung zu setzen. Das A und O ist die Qualität auf dem Platz.

Jemand, der in der Bezirksliga spielt, ist Sven Görlich. Sie haben sich zu dem Fall nie äußern wollen. Welche Meinung haben Sie?

Das ist für mich erledigt. Sven spielt jetzt in Lüdinghausen und wir haben ein gutes Verhältnis. Das war es dazu.

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Sie haben Westfalia Vinnum bestens kennengelernt. Was fehlt dem Verein?

Erfolg fällt und steht mit der Qualität der Spieler. Was weh tut, ist, dass Vinnum keine A-Jugend hat. Es ist schwer für kleine Vereine, weil man auf Leute von auswärts angewiesen ist. Und die zu bekommen, wird auch immer schwieriger. Vereine wie Herbern, Olfen und Senden haben es da einfacher. Die züchten sich ihre Leute heran. Dafür ist Vinnum zu klein.

Müsste Vinnum nicht mehr kooperieren?

Spielgemeinschaften sind in der Mode. Ich bin ein Befürworter, um eine A-Jugend aufrechtzuerhalten. Aber das müssen die Sportvorstände unter sich ausmachen.

Sie als Trainer können sich da ja einmischen.

Absolut. Wer mich kennt, weiß, dass ich die Finger in vielen Sachen drin habe.

Könnten Sie sich vorstellen, eine Jugendmannschaft zu trainieren?

Damit hätte ich keine Probleme, würde aber eine Mannschaft in einer Leistungsklasse bevorzugen, wo die Einstellungen auch entsprechend sind und die Spieler wissen, wofür sie sich entscheiden: Fußball oder Disco. Ich habe nicht die B-Lizenz gemacht, um eine Bespaßung vorzunehmen.

Frank Bidar über seinen Abschied: „Schöne, erfolgreiche, aber harte Jahre bei Vinnum“

„Was weh tut, ist, dass Vinnum keine A-Jugend hat. Es ist schwer für kleine Vereine, weil man auf Leute von auswärts angewiesen ist. Und die zu bekommen, wird auch immer schwieriger“, sagt Frank Bidar. © Sebastian Reith

Man hört oft, dass Sie jedes Training Schussübungen machen lassen. Stimmt das?

Eher weniger. Passspiel liebe ich mehr. Das hat oberste Priorität.

Warum?

Gott sei Dank haben wir ja überall Kunstrasenplätze. Der Fußball ist dadurch schneller geworden. Je mehr man mit dem Ball umgehen kann, desto zielführender ist es.

Das Spiel ist schneller geworden? Die meisten Beobachter der Szene sagen aber, dass das Niveau allgemein gesunken ist.

Beides ist richtig. Früher wurde körperbetonter gespielt. Da kamen die Mannschaften mehr über die Fitness. Heute wird mehr Fußball gespielt. Alle Trainer legen mehr Wert auf Fußball statt Fitness. Im Training geht es um System und taktische Sachen. Das ist auch in Ordnung, aber früher war mehr Herz dabei.

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