Ein bisschen Golf, ein bisschen Frisbee: Entsteht bald auch in Selm eine Discgolf-Anlage?

dzDiscgolf

Die Sportart Discgolf ist immer mehr im Kommen. Nun könnte auch in Selm eine Anlage mit entsprechendem Parcours entstehen. Doch die Standortbestimmung gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Selm

, 15.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frisbeescheiben, diese fliegenden Plastikteller, kennt man nur zu gut. Zu diesem Freizeitsport gibt es aber auch eine „offizielle“ Parallele, das Discgolf. Mit Golf hat es äußerlich aber nur wenig gemein, denn es wird geworfen und nicht geschlagen. Und das Ziel ist kein Loch, sondern ein Korb. Ganze Parcours gibt es für diese Sportart bereits, unter anderem im Seepark in Lünen und in Lüdinghausen.

Nun ist auch in Selm die Idee aufgekommen, eine solche Anlage zu errichten. Die Anregung kommt unter anderem von der Familienpartei, die einen Antrag für eine Errichtung an die Stadt gestellt hat. Mit dem Discgolf wollen die Verantwortlichen Selm sportlich gesehen weiter nach vorne bringen.

„Wir haben uns auch gefragt, was man für Kinder und Jugendliche sowie die ältere Generation tun kann. Und diese Sportart ist für alle Altersklassen“, erklärt Ralf Piekenbrock, Ortsverbandsvorsitzender. Denn besondere körperliche Voraussetzungen brauche man nicht. Auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sei diese Sportart geeignet. Deswegen würde der Politiker bei einer Umsetzung das Thema Inklusion mit einbringen und eine Anlage bauen, die beispielsweise auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann.

Ligabetrieb wäre optimal

Der Politiker hat aber nicht nur den Freizeit- und Breitensport im Blick, sondern auch einen Ligabetrieb mit Turnieren. Um diese auf einer Anlage auszurichten, braucht es zwölf Bahnen zwischen 60 und 120 Metern Länge. „Einen solchen großen Parcours hinzubekommen, wäre natürlich die Idealvorstellung. So könnte auch die Stadt davon profitieren.“ Aber auch mit einer kleineren Anlage ist Piekenbrock zufrieden.

Neben der Familienpartei hat sich auch der Wirtschafts- und Kulturförderverein Selm mit dem Vorhaben, einen Disc-Golf-Parcours zu errichten, an die Stadtverwaltung gewandt. In diesem Fall gab es bereits zwei Ortstermine im Auenpark mit Vertretern der Stadt und dem Verein selbst. Dort sollte grundsätzlich geklärt werden, ob die dortigen Flächen geeignet für eine Anlage sind, heißt es von der Stadt Selm. Als Experte wurde Hartmut Wahrmann hinzugezogen, der zum einen solche Parcours entwirft und zum anderen in Lünen der Verantwortliche für die „Flyingdiscworld“ ist.

Ortsbegehung bleibt ohne Erfolg

Der Antrag der Familienpartei wird aktuell noch von der Stadt Selm ämterübergreifend geprüft. Währenddessen ist Ralf Piekenbrock aber nicht untätig, sondern sucht parallel nach einem geeigneten Standort für den Parcours. Die Flächen rund um den Ternscher See, nördlich von Selm gelegen, waren sein erster Anhaltspunkt.

Jedoch ergab eine Ortsbegehung mit dem Eigentümer Moritz Graf vom Hagen-Plettenberg, dass das Gelände auf den ersten Blick nicht geeignet ist. „Es scheitert unter anderem an der Beschaffenheit. Denn ein plattes Feld bringt nichts beim Discgolf, es muss ja auch ein gewisser Schwierigkeitsgrad vorhanden sein“, begründet Piekenbrock die Entscheidung.

Wahrmann, der auch hier als Experte dabei war, führt diesen Punkt noch weiter aus: „Man braucht Struktur auf der Fläche, das macht den Parcours am Ende erst interessant. Die Spieler könnten beispielsweise durch Bäume oder am Wasser entlang werfen.“ So entwickle sich beim Discgolf für jede Anlage eine ganz eigene Charakteristik. Die Größe sei am Ende sekundär, denn das Wichtigste sind für Wahrmann die interessanten Bahnen.

Sicherheit steht an oberster Stelle

Weitere Punkte, die bei einer Standortbestimmung wichtig seien, sind auch eine vorhandene Infrastruktur, gegeben durch Toiletten und Gastronomie sowie die Sicherheit. Denn im Umkreis der Anlage darf niemand durch die fliegenden Scheiben getroffen werden. Ein Aspekt, der auch bei einer möglichen Anlage im Auenpark im Raum steht.

Zusätzlich stellt sich dort noch die Frage, ob ein fest installierter Parcours auf Dauer kompatibel mit den anderen Nutzungen sei. Darunter fallen beispielsweise die Kinderspiel- und Ruhebereiche sowie die ökologischen Schutzflächen. In diesem Fall hatte man die Idee, während einer Tagesveranstaltung einen Probelauf mit mobilen Disc-Körben durchzuführen, heißt es von der Stadt Selm.

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Wenn es um die Kosten einer Anlage geht, sei der grundsätzliche Bau im Vergleich zu anderen Sportanlagen einfach und kostengünstig, heißt es im Antrag der Familienpartei. Ähnliche Parcours mit zwölf Bahnen, beispielsweise in Recklinghausen, liegen im niedrigen fünfstelligen Bereich. Hartmut Wahrmann rechnet pro Spielbahn etwa mit 1500 Euro. Mit dem Thema Inklusion könnte sich diese Summe aber auch verdoppeln.

Endgültige Entscheidungen sowie einen festen Standort gibt es sowohl auf Seiten der Familienpartei als auch beim Wirtschafts- und Kulturförderverein Selm noch nicht. Die weiteren Prüfungen werden also ergeben, ob in Zukunft auch in Selm die Sportart Discgolf Einzug erhält.

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