Weil Schiedsrichter rar sind, prämieren Vereine inzwischen ihre Unparteiischen mit Geld oder Sachleistungen oder werben sie mit Handgeld ab. Sogar ein kleiner Transfermarkt ist entstanden.

Olfen, Selm, Nordkirchen

, 24.07.2018, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als hätte Dennis Nocke, Schiedsrichter-Obmann der Olfener Fußballer, nicht schon genug zu tun: Neben seinem Job bemüht sich der werdende Vater, den drohenden Schiedsrichtermangel in der Sportart einzudämmen. Er wirbt kräftig für sein Amt.

Mit drei Schiedsrichtern erfüllt auch sein SuS Olfen in diesem Jahr erneut nicht sein Schiedsrichter-Soll und zahlt dadurch empfindliche Strafen. Vereine sollen eine Anzahl an Schiedsrichter pro gemeldetem Team stellen, um Schiedsrichtermangel vorzubeugen. Alleine sind die Olfener damit nicht. Rund die Hälfte aller Vereine im Verband erfüllt die Vorgabe nicht.

Vereine in der Pflicht

Nocke will das ändern. Bereits die Vorbereitungszeit ist für ihn und seine Kollegen anstrengend. „Die ersten Testspiele sollen schließlich genauso geleitet werden wie die regulären Saisonspiele. Nach kurzer Pause stehen wir somit auch wieder in der Verantwortung uns fit zu halten und im Fokus, wenn es um die richtige Regelauslegung geht“, sagt Nocke, der vor Spielausfällen warnt und den Problemen, die entstehen können, wenn sich zwei Konkurrenten auf einen Schiedsrichter einigen müssen.

Inzwischen ist sogar schon ein Transfermarkt für Schiedsrichter entstanden, für den es Regelungen gibt. Es gibt einen Stichtag und Wechselfristen – wie bei den Fußballern. Aus Seppenrade hat der SuS Olfen einen Schiedsrichter im Sommer dazubekommen. Er pfeift von nun an für die Olfener, wird beim Schiedsrichter-Soll aber aufgrund einer Sperrfrist nach der Ausbildung in diesem Jahr noch Seppenrade zugerechnet. Aufgrund der Strafe bei zu wenigen Schiedsrichtern motivieren die Vereine mit Einmalzahlungen und Prämien.

Olfen zahlt kein Handgeld, aber kleine Prämien

Ein Handgeld zahlt der SuS nicht, wie Werner Sander, Leiter Finanzen im Abteilungsvorstand, auf Nachfrage erklärt. „Wir statten die Schiedsrichter aus, wenn sie etwas brauchen“, sagt Sander. Dabei wäre es durchaus wirtschaftlicher, wenn der Klub Schiedsrichter von anderen Vereinen anwirbt, um sich die hohen Strafen im vierstelligen Bereich pro Jahr zu sparen. Für Sander ist das aber keine Option, da es auch um die Philosophie gehe. „Der Schiedsrichter soll gerne für den SuS arbeiten. Es muss auch zu unserem Verein passen“, sagt Sander. Olfen könnte dadurch zwar kurzfristig Geld sparen, laufe aber Gefahr, dass der Schiedsrichter schnell erneut abgeworben wird.

„Die Schiedsrichtertätigkeit ist ein Ehrenamt“, stellt Nocke klar. Allerdings gibt es Spesen und Fahrtkostenerstattungen. In der Bezirksliga bekommen Schiedsrichter 30 Euro Spesen pro Spiel und jeden Kilometer mit 30 Cent erstattet. Auf Kreisebene sind es 24 Euro, bei Jugendspielen im Kreis 12 bis 16 Euro. Der Deutsche Fußballbund stellt außerdem kostenlose Ticketkontingente für alle Spiele im DFB zur Verfügung. Und der SuS Olfen bezuschusst seine Schiedsrichter pro Spiel mit 7 Euro, wie Nocke erklärte.

Junge und ältere Schiedsrichter sucht der SuS auch weiterhin. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre. Nach bestandenem Lehrgang muss ein Unparteiischer pro Saison 15 Pflichtspiele leiten, um als Schiedsrichter für einen Verein anerkannt zu werden. Die Einteilung der Spiele erfolge, so Nocke, regional, sodass sich die Wegstrecke im Rahmen hält. Nocke selbst pfeift im Juli übrigens nicht. Der 35-Jährige wird in Kürze Vater: „Ich habe mir den Monat geblockt. Aber schon im August bekomme ich wieder Spiele.“

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