Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

dzProminenter Besuch

Eine Weltmeisterin zum Anfassen: Am Dienstagvormittag war Bobsportlerin Annika Drazek zu Gast bei der 5d an der Selmer Sekundarschule. Und die Profisportlerin gab bereitwillig Auskunft.

Selm

, 09.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Vor einer Klasse zu stehen war vor Jahren einmal Annika Drazeks Berufswunsch. Die 23-jährige Bob-Weltmeisterin hatte sogar schon ein Grundschullehramtsstudium begonnen, bevor ihre Karriere als Profisportlerin richtig Fahrt aufnahm. Dienstag stand sie dann vor der 5d der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule in Selm, aber nicht als Lehrerin, sondern weil ihre Schwester Jessica Drazek an der Schule unterrichtet und den Kontakt hergestellt hatte.

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Mariama Jamanka (r.) und Annika Drazek gewannen den Weltcup in Altenberg. © dpa

Eine Stunde durften die Schülerinnen und Schüler der 5d die Gladbeckerin, die vor fünf Jahren als Wintersport-Quereinsteigerin eine Art Senkrechtstart hingelegt hatte und bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang den undankbaren vierten Platz belegte, mit Fragen löchern.

Bobsport kann lebensgefährlich sein

Es ging auch um Höchstgeschwindigkeiten mit Top-Speed von 152 Kilometern pro Stunde und den damit verbundenen Gefahren. „Bobfahren ist die Formel 1 des Wintersports. Man darf nicht sagen, dass man Angst hat, aber man sollte großen Respekt haben. Es kann immer sein, dass man nicht heile unten ankommt“, sagte Drazek und klopfte auf ihren Helm, „ohne den würde ich hier nicht stehen.“ Sie erklärte, wie es möglich ist, im Eiskanal Verbrennungen bei einem Sturz zu erleiden.

Lehrerin Jessica Drazek bangt bei jedem Lauf vor dem Fernseher oder direkt an der Strecke mit: „Wenn ich in Winterberg am Eiskanal bin, rast mein Herz. Ich bete, dass sie heile ankommt. Als sie kurz vor der Ziellinie einmal gestürzt sind, war es schrecklich für mich.“

Termine wie diesen hat die Bundespolizistin so gut wie nie in ihrem Terminplan. „Es war jetzt Zufall, dass es sich ergeben hat. Aber ich würde es nochmal machen. Die Kinder hatten Interesse und viele Fragen vorbereitet. Man merkt, dass sie Spaß daran haben“, sagte Drazek, die nach anstrengenden Wintermonaten das Training runtergefahren hat, regeneriert und viel freie Zeit hat.

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Über 30 Autogramme schrieb Annika Drazek am Dienstag in der Schule. © Sebastian Reith

Annika Drazek träumte immer von Olympia

„Ich bin Leichtathletin gewesen und bin 100 Meter gelaufen. Ich war schon immer groß und schwer und hatte Kraft“, erzählte Drazek, wie sie zum Sport gekommen ist. Den Zweierbob von Mariama Jamanka hatte sie erst vor fünf Wochen in Whistler in Kanada zu WM-Gold angeschoben. Es war ihr zweiter Weltmeistertitel und ihr bisher größter Erfolg. Seit 2016 ist Drazek Dauer-Europameisterin im Zweierbob. Im Sommer positionierte sie sich stark gegen Doping, indem sie der russischen Dopingsünderin Nadeschda Sergejewa den Handschlag verweigerte. „Der Grund ist eigentlich ganz einfach für mich: Wer dopt, ist für mich kein Athlet. Sie hat das zweimal getan, zuletzt bei den Olympischen Spielen. Das verdient von mir keinen Respekt“, sagte sie damals.

Ob sie schon immer zu Olympischen Spielen wollte, fragte Lea. „Es war tatsächlich schon immer mein Lebenstraum“, antwortete Annika Drazek. Den hat sie sich erfüllt. In Peking in drei Jahren soll dann auch eine Medaille her.

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Pilotin Stephanie Schneider und Anschieberin Annika Drazek bei den Olympischen Spielen in Südkorea im Februar 2018. © dpa

Annika Drazek war am Dienstag eine Weltmeisterin zum Anfassen. Sie war sich nicht zu schade, auf dem Fußboden vor der Tafel die Kauerstellung, die sie im Bob einnimmt, nachzustellen, oder gegen einen Schüler die Herausforderung des Armdrückens anzunehmen. Später organisierte sie auf dem Schulhof eine Pendelstaffel und lief sogar selbst mit.

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Annika Drazek zeigt den Schülern der 5d, wie sie in dem Bob hinter der Anschieberin kauern muss. © Sebastian Reith

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Wer ist stärker? Am Ende gewann Annika Drazek das Armdrücken. © Sebastian Reith

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Annika Drazek lief bei der Staffel selbst mit. © Sebastian Reith

Helm und Rennanzug wandert durch die Klasse

Den sperrigen Bob, der vollbesetzt 330 Kilogramm wiegen darf, hatte sie nicht bis nach Selm gekarrt. Dafür brachte sie ihren Rennanzug, Schuhe und Handschuhe, den Helm, Medaillen, Pokale und Autogrammkarten mit. An einem Modell erklärte sie der Klasse die Besetzung des Bobs.

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Der Helm ist für Annika Drazek eine Art Lebensversicherung. Nicht nur im Falle des Sturzes, sondern auch, weil der ihr Kopf im Bob Fliehkräften ausgesetzt ist. © Sebastian Reith

Und als dann ein Video aus dem Rennen über die Leinwand flimmerte, schauten die Schüler gebannt auf den Schlitten, der am Kurvenende nur noch auf einer Kufe fuhr und beinahe umgekippt wäre. Drazek: „Da wusste ich nicht, wo oben und unten ist.“

Bob-Weltmeisterin Annika Drazek besucht die Selma-Lagerlöf-Schule

Die Schülerinnen schauten sich das Modell eines Bobs an. © Sebastian Reith

Sie liebt Lasagne und Spaghetti und steht so gar nicht auf Sülze. Shoppen und Reisen zählt sie zu ihren Hobbys. „Ich wollte immer Grundschullehrerin werden und habe sogar angefangen zu studieren, aber dann bin ich Bobfahrerin geworden und zur Polizei gekommen“, sagte sie. Bei der Bundespolizei absolvierte Drazek ihre Ausbildung, ist aber Teil der Sportfördergruppe und für den Sport freigestellt: „Ich muss nicht zur Arbeit gehen, sondern trainiere. Das ist mein Job. Die Polizei ermöglicht mir, mein Hobby zum Beruf zu machen.“

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Gruppenbild vor der Schule © Sebastian Reith

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