Auf den Spuren der Schwester zum Profi

Volleyball

Ihr ganzes Leben schauen sie schon von oben auf ihre Freunde, Mitschüler und Teamgefährten herab. Doch nicht etwa, weil sie arrogant sind. Sie sind einfach viel größer. Die Geschwister Rebecca (21/1,86 Meter) und Christopher Schäperklaus (15/1,99 Meter) kommen aus Olfen.

OLFEN

von Juri Kohlhoff

, 04.03.2014, 16:19 Uhr / Lesedauer: 4 min
Mit 21 Jahren hat es Rebecca Schäperklaus (Mitte) in die erste Volleyball-Bundesliga geschafft. Sie spielt für den VC Wiesbaden.

Mit 21 Jahren hat es Rebecca Schäperklaus (Mitte) in die erste Volleyball-Bundesliga geschafft. Sie spielt für den VC Wiesbaden.

Ob er das alles mit der Schule und dem bald anstehenden Abitur unter einen Hut bekommt? „Ja, klar. Das klappt gut. Zur Schule habe ich es nicht weit. Das spart Zeit. Außerdem sind die Trainingszeiten perfekt aufeinander abgestimmt, sodass ich sogar auch noch eine Menge Freizeit habe“, erklärt der 15-Jährige. In seiner Freizeit lässt ihn der Sport nicht los. Im Gegenteil. Schäperklaus trifft sich häufig mit Freunden zum Basketballspielen. Außerdem probiert er, die Volleyballkarriere seiner Schwester Rebecca zu verfolgen. So gut es geht. Derzeit läuft es sehr gut für die Mittelangreiferin des VC Wiesbaden. Mit ihrem Team steht sie kurz vor dem Ende der regulären Saison auf dem ersten Tabellenplatz. Danach geht es in die Play-Offs, wo sie so weit wie möglich kommen will. Rebecca Schäperklaus hat den Weg nach ganz oben über das Volleyball-Internat in Münster geschafft. Als sie dort eingezogen ist, war sie gerade mal 15 Jahre alt. Genauso alt wie ihr Bruder jetzt ist. Im Herrenbereich ist das Volleyball-Internat in Frankfurt die erste Adresse. Ein Angebot hatte der Außenangreifer in Diensten des Werner SC sogar schon. Er entschied sich aber dagegen, will lieber sein Abitur in Olfen bestehen. Dort fühlt er sich am wohlsten.

Seine Schwester hat mehrere Kader-Mannschaften durchlaufen. Christopher will es ihr gleich tun. Ob er an die 65 Länderspiele in der Jugendnationalmannschaft herankommt, die seine Schwester vorgelegt hat, weiß er aber noch nicht. Um vom Perspektivkader in den 18er-Kader der Jugendnationalmannschaft vorzurücken, muss Christopher sich noch steigern. „Bis ich an das Niveau herankomme, dauert es noch. Die meisten anderen sind körperlich schon viel weiter als ich“, sagt Schäperklaus. Er gehört als Kind des 98er-Jahrgangs dem Jungjahrgang der Mannschaft an. Viele seiner Mitspieler sind älter und auch kräftiger. Um den Rückstand aufzuholen, geht der 15-Jährige seit kurzem ins Fitnessstudio. Außerdem muss er sich spielerisch noch weiterentwickeln. Vor allem in einem Spielelement: Annahme. Auch deswegen denkt der Zehntklässler, dass der Wechsel nach Werne genau der richtige Schritt war. „Hier habe ich bereits Fortschritte gemacht. Ich muss aber noch einiges tun. Je öfter ich im Training in der Annahme stehe, desto besser“, sagt Schäperklaus. Dass der Großteil der Mannschaft viel älter als er selbst ist, sei für ihn kein Problem. „Am Anfang hatte ich natürlich eine Menge Respekt, aber eigentlich füge ich mich immer sehr schnell in neue Mannschaften ein. In Werne fühle ich mich richtig wohl.“

Auch WSC-Trainer Bronek Bakiewicz ist sehr froh, den Youngster im Team zu haben. „Christopher ist ein sehr guter Spieler. In der Annahme kommt noch zu wenig, aber daran arbeiten wir. Im Angriff ist er für sein Alter bärenstark“, schwärmt Bakiewicz. Ob er das Talent seiner Schwester habe, müsse er aber noch zeigen. Den Ehrgeiz und Willen, einer der ganz Großen zu werden, habe er laut Bakiewicz dafür zweifellos. Groß sind nicht nur er und seine Schwester Rebecca, sondern die gesamte Familie Schäperklaus. „Die Grenze von 1,80 Meter haben bei uns alle geknackt“, sagt Rebecca Schäperklaus. Wegen der ältesten Schwester Corinna (24) habe sie erst mit dem Volleyballspielen angefangen. Und ihretwegen hat später auch der jüngste Spross der Familie, Christopher, mit dem Volleyballspielen angefangen. Alle fingen sie ihre Karriere beim SuS Olfen an. Die Einzige, die nun nicht mehr am Ball ist, ist die, mit der es begann: Corinna Schäperklaus. „Wegen uns ist die ganze Familie auf dem Volleyballtrip“, sagt Rebecca. Erst vergangenes Jahr waren es mehr als 20 Freunde und Verwandte, die ihretwegen zum Pokalfinale nach Halle gereist waren. Rebecca stand damals mit ihrem Klub gegen den SC Schwerin im Finale. Wiesbaden unterlag zwar mit 0:3, aber Rebecca Schäperklaus machte auf sich aufmerksam. Schon in der Liga lieferte sie starke Leistungen ab. Eine Einladung zum Sichtungslehrgang ließ nicht lange auf sich warten. Es lief aber nicht wie geplant. Sie laborierte an einem Bänderriss. Damals war sie nicht topfit, nun ist sie wieder genesen und hofft auf eine erneute Einladung.

Neben ihrer Profikarriere studiert sie an der Fernuniversität Hagen Psychologie. „Das passt super. Ich kann mir hier vieles selbst einteilen. Es gibt keine Anwesenheitspflicht. Das ist schon sehr erleichternd“, sagt die 21-Jährige. „Auch wenn ich meine Volleyball-Karriere so lange wie möglich fortsetzen möchte, ist es ja auch sehr wichtig, etwas für die Zeit danach zu haben.“ Bei zehn Trainingseinheiten pro Woche wäre ein normales Studium schwierig. Neben Volleyball und Studium widmet sie auch einem anderen Hobby viel Zeit: Schuhen. Mehr als 100 Paare stehen bei ihr in einem Regal im Flur – allein in Wiesbaden. Ihr Bruder findet diesen Tick witzig. „Die meisten Schuhe braucht sie eigentlich gar nicht. Ich selbst habe zwei Paar Sportschuhe und ansonsten nur das Nötigste“, sagt er und schmunzelt. Christopher schaut zu seiner Schwester auf. Er hat den Ehrgeiz, genauso erfolgreich zu werden wie sie. Die eigene Schwester damals beim Pokalfinale in Halle vor einer Kulisse von fast 10 000 Zuschauern gesehen zu haben, hat ihn so angespornt. Die beiden Volleyballtalente haben schon einen familieninternen Wettbewerb laufen. Eines Tages wollen sie beim Pokalfinale gemeinsam auf dem Siegertreppchen stehen. Bis dahin ist es für den Jüngeren der beiden aber noch ein langer Weg. Seine Schwester traut ihm den Sprung jedenfalls zu. Er müsse nur weiterhin hart an sich arbeiten. Dabei will sie ihm helfen. So gut es geht.

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