Vier Auswechslungen pro Spiel: Trainer-Mehrheit hält die neue Regel für eine gute Idee

dzFußball

Zur Saison 2019/20 stehen zwei Neuerungen in der Spielordnung der Amateurfußballer. Die Möglichkeit einer vierten Auswechslung löst im Schwerter Raum ein überwiegend positives Echo aus.

Schwerte

, 15.04.2019, 19:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum einen geht es um ein Nicht-Antreten zu Pflichtspielen in der Schlussphase einer Saison, was künftig mit Punktabzug bestraft werden wird. Das hat der Beirat des Westdeutschen Fußball-Verband (WDFV) final beschlossen. „Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, dass viele Spiele ausgefallen sind“, sagte Manfred Schnieders, Vorsitzender des WDFV-Fußball-Ausschusses, „und zwar einfach nur, weil eines der Teams keinen Bock mehr hatte.“

Fast 400 Mal wurde nicht gespielt

An die 400 Spiele seien alleine in Nordrhein-Westfalen gezählt worden, die nach dem 1. Mai nicht mehr ausgetragen wurden. Deshalb gilt in NRW: Wer in der kommenden Saison nach dem 1. Mai 2020 nicht antritt, kassiert nicht nur wie bisher eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro, sondern auch einen Punktabzug für die darauffolgende Saison. Diese Regelung habe man aus Berlin übernommen“, sagt Schnieders. Warum der 1. Mai als Stichtag verwendet wurde, erklärt er so: „Vorher waren es einzelne Ausnahmen. Erst nach dem 1. Mai, wenn die Mannschaftsfahrten beginnen, nahmen die Absagen zu.“

Die Spieler bei der Stange halten

Die zweite Änderung der Spielordnung soll den Nachwuchs fördern und enttäuschte Spieler besänftigen: Statt wie bisher drei Auswechslungen sind nun von der Regionalliga bis in die Kreisligen vier Auswechslungen möglich: „Wir haben viel mit den Kreisen diskutiert und uns letztlich für vier entschieden“, sagt Schnieders. Es gehe vor allem darum, Spielern mit wenig Einsatzzeiten „bei der Stange zu halten“, sagt der WDFV-Funktionär. „Wenn die drei, vier Mal nicht spielen, hören heutzutage viele auf.“ Zudem sei es eine weitere Möglichkeit für die Vereine, Nachwuchsspieler einzubinden.


Und wie stehen die heimischen Trainer zur Möglichkeit, viermal pro Spiel auszuwechseln? Wir haben uns umgehört:

Jörg Silberbach (VfL Schwerte): „Es ist eine Idee – mal gucken, ob und wie sie sich durchsetzt. Für einen Trainer kann es eine gute Alternative sein, einen Spieler mehr bei Laune zu halten. Taktisch wird es keine großen Auswirkungen haben.

André Haberschuss (ETuS/DJK Schwerte): „Ich glaube nicht, dass diese Regeländerung im Amateurbereich sonderlich relevant ist – manchmal finde ich drei Auswechslungen fast schon zu viel. Ich habe jedenfalls in der Vergangenheit selten das Bedürfnis verspürt, ein viertes Mal auszuwechseln.“

Thomas Wotzlwaski (Geisecker SV): „Grundsätzlich bin ich Pro neue Regeln, wenn sie dem Sport dienen – man sollte jeder Neuerung zunächst einmal die Chance geben, bevor man negativ denkt. Pro ist, dass man halt einem weiteren Spieler, der gut trainiert hat, die Chance geben kann zu spielen und dies gerade durch mögliche Verletzungen im Spiel vielleicht auch nötig wird. Contra ist, wenn man dem Gegner gerade hinten heraus läuferisch überlegen ist und dies dann mit einen weiteren Wechsel ein Stück weit kompensiert werden kann. Dazu noch contra ist, wenn ein Trainer gerade eben diesen vierten Mann einwechselt, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Haben wir übrigens schon alle mal gemacht.“

Dieter Iske (SC Berchum/Garenfeld): „Viermal wechseln zu dürfen, halte ich für sehr sinnvoll. Wir sind schließlich im Amateurbereich. Für die Gesundheit der Spieler ist es lobenswert. Manchmal lassen die Kräfte zum Ende eines Spiels hin nach. Ich finde es durchweg positiv.“

Marvin Horn (SC Hennen): „Ich finde die vierte Auswechslung positiv, sowohl für die Kreisliga als auch für die Bezirksliga. Man kann den Spielern mehr Spielanteile geben und das fördert die Entwicklung. Und das brauchen wir in Deutschland.“

Christoph Pajdzik (VfB Westhofen): „Ich finde die Regeländerung top. Sie ermöglicht uns Trainern, sonntags einen Spieler mehr einzusetzen. Sonst hat man meistens ein bis zwei Spieler, die sonntags nicht spielen können und trotzdem ihre Freizeit opfern. Insgesamt also: endlich mal eine interessante Regeländerung.“

Olaf Kiesheyer (TuS Holzen-Sommerberg): „Ich finde es gut, wenn man eine Option mehr hat. Was noch dazu kommt: Wenn du einen großen Kader hast, kannst du einen Mann mehr einsetzen. Das heißt in der Konsequenz, dass es weniger unzufriedene Spieler gibt.“

Ben Gottstein (Holzpfosten Schwerte): „Ich begrüße diese Neuerung sehr. Auch wenn wir aktuell gelegentlich sogar Probleme haben, drei Ersatzspieler zu stellen, so ergibt sich aus einem zusätzlich möglichen Wechsel einerseits die Möglichkeit noch besser taktische Änderungen vorzunehmen und andererseits auch mehr Spieler einzusetzen. Auch im Hinblick auf nicht immer hundertprozentig fitte Spieler in den Amateurligen ist diese Möglichkeit eine Bereicherung. Ob man das dann bis in die Regionalliga einführen muss, weiß ich nicht – aber das betrifft uns in nächster Zeit eher weniger.“

Dominic Pütz (SG Eintracht Ergste): „Ich finde diese Regelung super. Wir haben oftmals sechs Spieler auf der Bank. So hab ich jetzt als Trainer mehr Möglichkeiten, ins Spiel einzugreifen und kann mehr Spielern Spielpraxis geben.“

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