Tim Müllers Premiere beim Top-Tennisturnier in Halle - mit einem ganz besonderen Moment

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Jahrelang war der Schwerter Tim Müller als Ballkind für Federer und Co. in Halle im Einsatz. Nun war er erstmals als Linienrichter am Start - inklusive dem „Call des Turniers“.

von Linus Jäger

Schwerte

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Nicht nur Roger Federer, der im westfälischen Halle am vergangenen Wochenende seinen zehnten Turniersieg feierte, hat auf dem Center Court des Gerry-Weber-Stadions sein zweites Wohnzimmer. Auch der Schwerter Tim Müller ist mit dem 11.500 Zuschauer fassenden Stadion bestens vertraut. Müller hat das Tennis-Event in Halle in diesem Jahr erstmals als Linienrichter miterlebt.

Mit der Oma auf den Tennisplatz

Der Reihe nach: Tim Müller ist 18 Jahre alt, hat gerade sein Abi am Friedrich-Bährens-Gymnasium gemacht und spielt Tennis, seit er vier Jahre alt ist. „Meine Oma hat mich immer mit auf den Tennisplatz genommen, wenn sie sich dort mit ihrer Mannschaft getroffen hat. Ich wollte das dann auch unbedingt ausprobieren und es hat mir super gefallen“, erzählt Müller.

Schon vor mehreren Jahren wechselte der heutige Ostwestfalenliga-Spieler vom heimischen TC Rot-Weiß Schwerte zu Blau-Weiß Halle und wurde über seinen Verein zum Ballkind der Bundesliga und der ehemaligen Gerry-Weber-Open ausgebildet.

Entscheidungsfreude und ein lauter Ruf

„Ungefähr sieben Jahre war ich als Ballkind beim Turnier aktiv, jetzt bekam ich die Chance als Linienrichter dabei zu sein“, berichtet Müller. Dafür hatte er eine über mehrere Wochenenden laufende Theorie- und Praxis-Ausbildung absolviert. Feste Vorgaben für den Linienrichter-Job gebe es keine, die besten Voraussetzungen sind neben viel Tennis-Erfahrung, gute Augen, Entscheidungsfreude und ein lauter Ruf.

Da Müller eine C-Trainer-Lizenz und einen C-Schein als Schiedsrichter hat und auch schon in der Herren-30-Bundesliga auf dem Stuhl saß, bringt er trotz seines jungen Alters bereits viel Erfahrung mit.

Bis zum Viertelfinale jeden Tag im Einsatz

So gab es dieses Jahr die große Premiere. Vor allem am spielintensiven Dienstag, als er sogar um halb zehn abends nochmal auf den Platz geschickt wurde, war Müller häufig im Einsatz. „Ich bin mit meinen Einsatzzeiten sehr zufrieden und war bis zum Viertelfinale jeden Tag im Einsatz“, so der Schwerter.

Komisch sei das Gefühl auf dem Center Court nicht gewesen, dafür kenne er ihn schon zu lange. Aber vor seiner ersten Entscheidung sei er schon ein wenig aufgeregt gewesen, gesteht der 18-Jährige.

Die Linie im Blick - auch bei 200 km/h Ballgeschwindigkeit

„Hauptsächlich war ich als Frischling an der Seiten- oder Aufschlagmittellinie im Einsatz. Natürlich zuckt man, wenn der Ball mit über 200 km/h auf einen zugeflogen kommt. Aber man weicht automatisch aus und behält die Linie im Blick“, erzählt er. Daher habe er auch keine große Angst vor Fehlentscheidungen gehabt. „Es gibt immer enge Entscheidungen, die das menschliche Auge kaum sehen kann. Zum Glück hatte ich aber keinen Fehler dabei“, sagt Müller.

Im Gegenteil – denn eine seiner Entscheidungen wurde unter den Linienrichtern sogar zum „Call des Turniers“ gekürt. Beim Match zwischen dem Franzosen Herbert und dem Ukrainer Stakhovsky gab Müller einen Aufschlag des Franzosen „in“, wurde jedoch vom Stuhlschiedsrichter überstimmt. Die Challenge (elektronische Überprüfung des Spielers) bewies jedoch, dass Müllers Entscheidung korrekt war.

Video war ein Renner in den sozialen Netzwerken

Daraufhin verbreitete sich blitzschnell ein Video dieser Aktion in den sozialen Netzwerken, das sich fast 200.000 Tennisbegeisterte innerhalb weniger Stunden anschauten. „Ich habe Kreide hochfliegen sehen und hatte ein gutes Gefühl mit meiner Entscheidung. Aber selbst wenn es nicht gepasst hätte, muss man zu seiner Entscheidung stehen und ein Pokerface bewahren“, beschreibt der Debütant seine gemischten Gefühle.

Anschließend gab es Glückwünsche auch von seinen Linienrichterkollegen. „Es war eine geniale Erfahrung – sowohl auf als auch neben dem Platz. Vor allem das Drumherum zeichnet so eine Veranstaltung aus. Wir haben gemeinsame Events wie Pizzaabende und ein Fußballspiel veranstaltet, bei denen ich viele nette Leute kennenlernen konnte“, sagt der Schwerter, „bei so vielen Highlights macht einem ein Arbeitstag von 11 bis 22 Uhr gar nichts aus.“

So hofft Tim Müller, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen und träumt zudem von einem Einsatz bei einem Grand-Slam-Turnier.

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