Soccerwatch zur Spielanalyse - ein nettes Spielzeug oder mehr?

dzFußball

Nutzt man als Trainer die Möglichkeiten, die die vollautomatischen Kameras des Anbieters Soccerwatch bieten? Wir haben bei den heimischen Bezirksliga-Trainern nachgefragt.

Schwerte

, 25.02.2020, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Konzept von automatischen Kameras, die Fußballspiele im Amateursektor aufnehmen, ist auch in Schwerte weit verbreitet. Doch lassen sich die Aufnahmen auch für die analytische Vor- und Nachbereitung aufs Wochenende nutzen? Schwertes Bezirksliga-Trainer geben eine eindeutige Antwort.

Ähnlichkeiten mit einer Überwachungskamera

In Geisecke hängt sie, in Schwerte-Ost auch. Am Schützenhof, in Westhofen, in Ergste und in Hennen ebenso. Das kleine dunkle Aufnahmegerät, das einer Überwachungskamera ähnelt, thront in Schwerte auf sechs Plätzen hoch oben auf einem Flutlichtmast.

Vollautomatisch verfolgt die Kamera das Spielgeschehen und streamt es live ins Internet.

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Auch danach können sich Spieler und Trainer ganz simpel ihre Tore, besonders sehenswerte Spielzüge oder auch Fehler anschauen. Das Konzept des Anbieters Soccerwatch ist zur beliebten Schauplattform für Amateurkicker avanciert. Und nebenbei profitieren auch die Trainer: für ihre Analysen.

Geiseckes Thomas Wotzlawski: „Eine feine Sache“

„Für den Amateursport ist das eine feine Sache“, meint Geiseckes Trainer Thomas Wotzlawski. Er nutzt die Kameraaufnahmen zur Analyse des eigenen Spiels und das des Gegners – denn auch auf die Aufnahmen der anderen Plätze haben die Nutzer Zugriff. Eine Extra-Videoeinheit gibt es am Buschkampweg aber nicht.

Wotzlawski zeigt seinen Spieler eher informell einzelne Sequenzen, die besonders wichtig sind. „Als Trainer kann man aus den Aufnahmen sehr gute Infos ziehen“, sagt der Geisecke-Coach.

Schlüsselszenen landen in der WhatsApp-Gruppe

Auch ein paar hundert Meter weiter westlich hängt eine Soccerwatch-Kamera, die für den Trainer mehr als ein nettes Spielzeug ist. Zuletzt war die Kamera in Schwerte-Ost zwar defekt, aber davor und auch wieder in der Rückrunde sind die Aufnahmen aufschlussreicher Bestandteil von André Haberschuss‘ Trainerarbeit beim ETuS/DJK Schwerte. Immer wieder schneidet er Schlüsselszenen heraus und stellt sie in die Team-WhatsApp-Gruppe.

An einem Flutlichtmasten, wie hier in Schwerte-Ost, ist die vollautomatische Kamera befestigt.

An einem Flutlichtmasten, wie hier in Schwerte-Ost, ist die vollautomatische Kamera befestigt. © Bernd Paulitschke

„Wenn die Spieler die Szenen sehen, glauben sie dir auch, was du ihnen erzählst“, berichtet Haberschuss. Mehr aber auch nicht: Eine separate, regelmäßige Videoeinheit hält er für nicht umsetzbar.

Gemeinsames Videostudium beim VfL Schwerte

VfL-Trainer Dominik Buchwald versammelt seine Mannschaft hingegen bisweilen schon mal zum gemeinsamen Videostudium. „Die Aufnahmen machen total Sinn. Sie geben uns eine bessere Wahrnehmung fürs Spiel und sind ein Baustein, der enorm hilft“, erzählt Buchwald, der noch einen weiteren Vorteil sieht: „Im Spiel bist du manchmal sehr emotional. Mit ein paar Tagen Abstand kann man das eigene Spiel dann aber ganz anders wahrnehmen.“

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Hennens Trainer Holger Stemmann hat schon hauptamtlich im Fußballgeschäft gearbeitet. Dort ist die Videoanalyse ein fester Bestandteil der Trainerarbeit – vor allem, weil die Ressource Zeit vorhanden ist. Und das sieht Stemmann auch als Hauptproblem im Amateurbereich: „Grundsätzlich ergeben sich durch die Aufnahmen große Möglichkeiten. Aber das aufzubereiten, ist sehr zeitintensiv.“

Die Spieler sind neugierig

Daher nutzt Stemmann die Aufnahmen noch nicht systematisch, sondern eher sporadisch. „Manchmal gucken wir uns die Aufnahmen gemeinsam an. Und die Spieler sind ja auch neugierig, sodass sie sich Szenen auch mal selbstständig anschauen“, erklärt Stemmann.

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Beim fünften heimischen Bezirksligisten, dem SC Berchum/Garenfeld, hängt keine Soccerwatch-Kamera im Garenfelder Waldstadion. Trainer Fabian Kampmann würde sie aber wohl sofort nutzen. „Es ist wirklich sinnvoll, den Spielen auf diesem Weg Fehler aufzuzeigen“, meint Kampmann, der wie Stemmann jedoch auch eine erhebliche zeitliche Beanspruchung befürchtet.

Fazit: Die Investition hat sich gelohnt

Die fehlende Zeit in der achthöchsten Spielklasse für Extra-Videoeinheiten oder eine detaillierte Aufbereitung ist also ein verbreitetes Phänomen.

Gleichzeitig eint die Schwerter Trainer aber auch ein klares Fazit: Die Investition der vollautomatischen Kameras hat sich allenthalben gelohnt.

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