Schwerter Trainerlegende wird 90 - doch die Entwicklung im Fußball akzeptiert er nicht

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In den 1950er-Jahren marschierte er als Spieler und Trainer von der Bezirksliga in die Verbandsliga mit dem VfL Schwerte - am Donnerstag wird die VfL-Trainerlegende 90.

Schwerte

, 22.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist eine Institution, meint Gottfried Arlt, der die regelmäßigen Treffen der „Oldies“ des VfL Schwerte organisiert. Einmal im Monat trifft sich der elitäre Kreis in der VfL-Gaststätte am Schützenhof zum Stammtisch. Mit dabei ist fast immer auch eine Schwerter Trainerlegende, die am Donnerstag, 22. Oktober 2020, seinen 90. Geburtstag feiert.

Dieter Casparis große Feier fällt aus

Eine große Feier für den Jubilar wird es nicht geben, allein schon wegen den Corona-Bestimmungen. „Die große Fete ist abgesagt“, sagt Dieter Caspari. „Alles ist zeitlich durcheinander.“ So feiert Caspari im kleinen Kreis zu Hause. Viele kämen eh nicht mehr und einige seien ja schon tot, meint er.

Seit 1952 ist Dieter Caspari Mitglied beim VfL Schwerte

Caspari gehört seit 1952 den Blau-Weißen an und ist damit wohl das älteste Mitglied. „Ich wüsste nicht, dass jemand älter ist“, meint Arlt. Beim Stammtisch wird „Ditz“ wie Caspari kurz genannt wird, nicht nur wegen seiner ruhigen und sachliche Arlt geschätzt. „Er hat ein unheimliches Namen- und Zahlengedächtnis“, berichtet Arlt. So kommt es öfter vor, dass er sich Anekdoten anhört und anschließend in den richtigen Rahmen bringt.

Caspari, der seine sportlichen Wurzeln ursprünglich bei der Schwerter Turnerschaft hatte, spielte nach seinem Studium an der Sporthochschule in Köln auch regelmäßig für die Blau-Weißen. Er wurde Diplom-Sport- und Erdkundelehrer am Friedrich-Bährens-Gymnasium, wo er auch verschiedene Stufenmannschaften im Fußball betreute.

Als Aufstiegstrainer ist Dieter Caspari legendär

Seinen größten Erfolg als Spieler landete er in der Spielzeit 1957/58, als er unter Trainer Reimund Kobs mit der Mannschaft, in der er als Mittelläufer der „Fels in der Brandung“ war, in die Landesliga aufstieg. Wegbegleiter waren so namhaften Spielern wie Gerd Tiemann, Fritz Hoffmann, Albert Niggemann oder Werner Friese. Ein Jahr später schaffte der VfL den Durchmarsch in die damalige Verbandsliga. Dieter Caspari hatte das Traineramt von Kobs übernommen und wurde damit als Aufstiegstrainer legendär.

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Das entscheidende Spiel beim Hörder SC am vorletzten Spieltag wurde mit 1:0 durch ein Tor von Fritz Hoffmann gewonnen. Caspari hatte sich selbst noch als Mittelläufer eingewechselt. Damit hielt der VfL den Vorsprung von einem Punkt gegenüber dem Lüner SV. Im letzten Spiel gab es dann einen deutlichen Sieg gegen Eichlinghofen. Damit war der VfL in die damals höchste deutsche Amateurklasse aufgestiegen.

Dieter Caspari (2. v.re.) stöbert bei den Jubiläums-Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des VfL Schwerte mit Hennes Jäcker in der Festzeitschrift.

Dieter Caspari (2. v.re.) stöbert bei den Jubiläums-Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des VfL Schwerte mit Hennes Jäcker in der Festzeitschrift. © Manuela Schwerte

Ein paar Jahre später wurde er nochmal Trainer beim VfL. „Die Mannschaft war zur Halbzeit in Abstiegsgefahr“, berichtet Caspari. Der Trainer war entlassen worden und der Verein hatte ihn gebeten, nochmal zu übernehmen. So hängte er noch drei Jahre Verbandsliga dran.

Nach seiner aktiven Laufbahn in der ersten Mannschaft spielte er dann zunächst bei den Alten Herren, zusammen mit „Gottfried Arlt, den auch zuvor schon trainiert hatte, und später auch noch bei den „Oldies“.

„Ditz“ Caspari ist noch regelmäßig am Schützenhof anzutreffen. Zu den Spielern der ersten Mannschaft, die mittlerweile in der Bezirksliga kickt, hat er kaum Bezug. „Von den meisten kenne ich die Namen nicht, die wechseln so oft“, sagt er. Die Entwicklung im heutigen Fußball gefalle ihm nicht. „Das akzeptiere ich auch nicht“, kann er mit dem heutigen Amateurfußball nicht so viel anfangen. Hauptsächlich geht er zum Sportplatz, um die alten Weggefährten zu treffen, wie Werner Friese, Gottfried Arlt oder auch Udo Wilkes. Die Wilkes-Brüder wären schon in jungen Jahren fußballbegeistert gewesen, berichtet Caspari.

Seinem Ehrentag wird der Jubilar also ruhig begehen, wie es seine Art ist.

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