Nicht Wolff, nicht Heinevetter - die beste Quote gehaltener Bälle hat Leon Grabenstein

dzHandball

Erstes Bundesligaspiel für GWD Minden, erstes TV-Interview der Karriere - hinter dem jungen Villigster Handballtorwart Leon Grabenstein liegt ein aufregendes Wochenende.

Schwerte

, 29.04.2019, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Preisfrage: Welcher Torwart führt die Rangliste mit der besten Quote gehaltener Bälle in der 1. Handball-Bundesliga an? Die Nationaltorhüter Andreas Wolff oder Silvio Heinevetter? Oder Altmeister Yogi Bitter? Alles falsch! Die richtige Antwort: Leon Grabenstein aus Villigst.

Aus dem Nichts auf die große Bühne

Aus dem Nichts tauchte der 19-jährige Keeper am Samstagabend plötzlich auf der Bundesliga-Bühne auf. Für seinen Verein, die GWD Minden, stand Grabenstein in der zweiten Halbzeit des Bundesligaspiels bei der MT Melsungen zwischen den Pfosten - ein ebenso unverhofftes wie bärenstarkes Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse, das Grabenstein am Tag danach gelassen als „ein Top-Erlebnis“ bezeichnete.

In Windeseile hatte sich noch am Samstagabend in den WhatsApp-Gruppen der HVE Villigst-Ergste und ihrem Dunstkreis die Nachricht von Grabensteins Bundesliga-Debüt verbreitet, inklusive des TV-Interviews im Anschluss an die Partie. Beim Sender Sky, der die Spiele der Handball-Bundesliga in voller Länge überträgt, war der Villigster ein gefragter Gesprächspartner - kein Wunder nach so einem Einstand.

22 Würfe, zehn davon gehalten

Denn dass die Mindener mit 21:26 verloren haben, lag am allerwenigsten an Leon Grabenstein. 22 Würfe bekam er in den 30 Minuten aufs Tor, zehn davon konnte er parieren. Macht eine Quote von 45,45 Prozent - über die gesamte Saison gesehen, kann kein einziger Bundesliga-Keeper einen solchen Wert vorweisen.

Er sei schon ziemlich nervös gewesen, gesteht Grabenstein - vor seinem Debüt vor rund 4000 Zuschauern genauso wie vor dem Sky-Interview. Aber auch mit dem Mikro in der Hand machte er eine gute Figur, wie auch der Sky-Moderator fand. „Irgendwie Wahnsinn“ fand der Fernsehmann Grabensteins Premierenauftritt auf der großen Handballbühne, nachdem er gestanden hatte, dass ihm der Name des jungen Villigsters bisher noch nicht geläufig gewesen sei - das ist seit Samstagabend anders.

Grabensteins Betätigungsfeld ist normalerweise die 3. Liga

Dass Leon Grabenstein bei so vielen Lobeshymnen nun durchdreht, muss jedoch niemand befürchten. Der 19-Jährige bleibt realistisch - als festen Bestandteil der Mindener Bundesliga-Mannschaft sieht er sich noch nicht. Denn normalerweise ist die 3. Liga das sportliche Betätigungsfeld des Keepers. Dort spielt Mindens zweite Mannschaft, in der Grabenstein noch nicht einmal erster Torwart ist. „Das ist aber auch okay so - es ist erst mein erstes Seniorenjahr. Und ich komme regelmäßig zu meinen Spielanteilen“, erzählt der Schlussmann.

Am vergangenen Wochenende gab es dann aber einen echten Torwart-Engpass bei den Ostwestfalen. Ein Keeper der „Ersten“ konnte verletzungsbedingt ohnehin nicht spielen, der andere etatmäßige Torwart der „Ersten“ kassierte im Verlauf der ersten Halbzeit zwei Kopftreffer und blieb mit Beginn der zweiten Halbzeit auf der Bank. Es schlug die Stunde des Leon Grabenstein, für den der 30-minütige Einsatz der vorläufige Höhepunkt seiner jungen Handballkarriere war.

„Der Traum eines jeden Handballers“

Und wie geht es jetzt weiter? Mit weiteren Einsätzen in der „Ersten“ rechnet Grabenstein vorerst nicht, weil die etatmäßigen Keeper nicht längerfristig ausfallen. Und wenn doch - umso besser für den jungen Keeper, der sich keinen Stress macht. „Ich nehme mit, was kommt“, sagt er cool. Und doch schwirrt der Gedanke, irgendwann mal ein fester Bestandteil der Handball-Bundesliga zu sein, zumindest im Hinterkopf herum. „Klar - das ist der Traum eines jeden Handballers“, sagt Grabenstein.

Den Anfang hat der junge Keeper schon mal gemacht. Und die Top-Quote gehaltener Bälle bei seinem Debüt kann ihm sowieso niemand nehmen.

Lesen Sie jetzt