Nach Shitstorm: Fußball-Schiedsrichter Gregor Podeschwa fordert vom DFB mehr Datenschutz

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Bestechung, Lizenz auf E-Bay gekauft - solche Vorwürfe hagelte es nach einem ganz normalen Kreisliga-Spiel in sozialen Netzwerken. Der Schwerter Gregor Podeschwa fordert Konsequenzen.

Schwerte

, 17.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Es ist der 7. April. Der 44-jährige Gregor Podeschwa, für den Verein Holzpfosten Schwerte 05 als Schiedsrichter im Einsatz, pfeift die Partie der Hagener Kreisliga A1 zwischen dem SV Boele-Kabel und dem TSK Hohenlimburg.

„Ein ganz normales Kreisligaspiel“ sei es gewesen, erzählt Podeschwa. Fünf Gelbe Karten hat er verteilt, kein Platzverweis, alles im Rahmen. Okay, ein paar Pöbeleien und Meckereien habe es gegeben. „Aber das ist ja leider mittlerweile schon normal“, sagt Podeschwa gelassen.

„Persona non grata“ in Großbuchstaben

Ganz und gar nicht gelassen waren dagegen die Reaktionen aus dem Lager des gastgebenden SV Boele-Kabel, der die Partie mit 1:2 verloren hat. Der Schuldige für die Niederlage war schnell gefunden: Gregor Podeschwa, der sich auf Facebook einem wahren Shitstorm ausgeliefert sieht. „Gregor Podeschwa wird ab sofort zur Persona non grata erklärt in Boele“ steht in Großbuchstaben in dem Beitrag zu lesen, der keine zwei Stunden nach Spielende auf der Facebookseite des SV Boele-Kabel auftauchte und der bis heute dort steht.

In den Kommentaren zu diesem Posting wird Podeschwa unverhohlen der Bestechung bezichtigt. „Das war keine schlechte Leistung vom Schiri. Es war pure Absicht“, heißt es da. Oder auch: „Den Schiedsrichter Gregor Podeschwa sollte der DFB mal unter die Lupe nehmen. Bei so einer schlechten Leistung besteht sehr schwerer Verdacht, dass er seine Lizenz auf Ebay ergattert hat.“

Erdal Yildiz, 1. Vorsitzender des SV Boele-Kabel, der für die Facebook-Seite des Vereins verantwortlich ist, steht zum Vereins-Posting, distanziert sich aber von besagten Kommentaren: „Dafür sind wir nicht verantwortlich, es gibt eben viele Spinner auf Facebook“, sagt Yildiz. Und weiter: „Nach so einer Leistung wird er bei uns sicherlich nicht mehr offenen Armen empfangen. Aber ich unterstelle keine Absicht. Wir nehmen es sportlich“, so der Vorsitzende.

„Es lässt mich kalt, weil es total unqualifiziert ist“

Gregor Podeschwa ist nicht in den sozialen Medien unterwegs. Aber natürlich ist ihm zugetragen worden, was da über ihn zu lesen ist. Und wie geht er damit um? „Ich nehme das zur Kenntnis. Aber es lässt mich kalt, weil es total unqualifiziert ist“, sagt Podeschwa. Trotzdem habe er sich darüber gefreut, dass sich einige Bekannte und auch der Holzpfosten-Vorstand gemeldet hätten, um ihm den Rücken zu stärken.

Zur Person

Das ist Gregor Podeschwa

Der 44-Jährige kickte in seiner aktiven Zeit unter anderem zu Verbandsliga-Zeiten für den VfL Schwerte und den VfB Westhofen in der Bezirksliga. Podeschwa, der auch Inhaber der Fußball-Lehrer-Lizenz ist, war als Jugendtrainer beim Bundesliga-Nachwuchs des VfL Bochum aktiv, ehe er knapp fünf Jahre lang den Bezirksligisten Geisecker SV trainierte. Zurzeit ist er Sportlicher Leiter der Jugendabteilung des Holzwickeder SC.

Unter den Teppich kehren möchte Podeschwa die Vorkommnisse des 7. April aber nicht, dazu ist zu viel passiert. Nicht nur virtuell, sondern auch auf der Sportplatzanlage im Hagener Norden. In der Schiedsrichterkabine, wo der Unparteiische üblicherweise den elektronischen Spielberichtsbogen mit den Daten zum Spiel füttert, sei er von Olaf Wolff, 2. Vorsitzender des SV Boele Kabel, mit einem nicht druckreifen Titulierung beleidigt worden, berichtet Podeschwa. Er legt Wert auf die Feststellung, dass die Verbalattacken nicht aus der Emotion heraus geschehen seien, sondern zu einem Zeitpunkt, als die Partie schon eine ganze Zeit lang beendet war.

Information über Schiedsrichternamen gibt es ohne Umwege

Podeschwa bringt aber auch noch einen anderen Aspekt ins Spiel – es geht ihm um Datenschutz. Wer auf fussball.de, einem offiziellen Internetportal des Deutschen Fußballbundes (DFB), die Spielpaarung anklickt, bekommt ohne Umwege die Information, dass Gregor Podeschwa der Schiedsrichter ist. So wie auch bei jedem x-beliebigen Spiel der Unparteiische für Jedermann sichtbar ist – ein Unding, findet Podeschwa.

„Jeder kann sehen, wer pfeift. Ich weiß nicht, wozu das gut sein soll. Ich habe weder dem DFB noch dem westfälischen Verband irgendwann mal die Zustimmung gegeben, meinen Namen da aufzuführen“, sagt Podeschwa und verweist darauf, dass in den Zeiten der neuen EU-Datenschutzverordnung seit knapp einem Jahr bei Jugendspielen die Spielernamen auf fussball.de nicht mehr auftauchen – aus Datenschutzgründen.

Eine E-Mail an den Deutschen Fußballbund

Er habe in dieser Sache auch schon eine E-Mail an den DFB geschrieben, verrät Podeschwa, bei dem es sogar eine eigene E-Mail-Adresse für Datenschutzbelange gibt. Eine Antwort hat er auch schon bekommen. Der Inhalt: Weil er kein DFB-Schiedsrichter ist, sondern lediglich auf Landesebene pfeift, sei der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) zuständig.

Dort heißt es auf Nachfrage dieser Redaktion, dass das „datenschutzrechtliche Begehren“ des Schiedsrichters bearbeitet werde und er davon ausgehen könne, dass sein Name bald aus dem Online-Portal verschwunden ist. Grundsätzlich sei es jedem Schiedsrichter möglich, durch das Setzen eines Hakens im DFB.net, die Veröffentlichung des eigenen Namens zu sperren, heißt es vom FLVW.

Podeschwas Beschwerde hat also schon etwas bewegt. Aber selbst wenn alles beim Alten bliebe – die Pfeife zur Seite zu legen, kommt für Gregor Podeschwa nicht in Frage. „Dazu macht mir das Pfeifen viel zu viel Spaß“, sagt er. Trotz allem.


Update am 19. April: Der Beitrag inklusive der Kommentare ist mittlerweile von der Facebook-Seite des SV Boele-Kabel gelöscht worden.

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