Lasse Sobiech, schulen Sie mit 29 Jahren nochmal um und werden Stürmer?

dzFußball

Der 1. FC Köln hat den gebürtigen Schwerter Lasse Sobiech im Sommer zum FC Zürich in die Schweiz verliehen. Im Interview spricht er über den Wechsel und seine Situation bei Köln.

Schwerte

, 17.11.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zuletzt lief es für Lasse Sobiech nicht ganz glücklich. Beim 1. FC Köln spielte der gebürtige Schwerter kaum. Als der Klub ihn nach Belgien auslieh, kam er dort auch nicht wirklich zum Spielen, weil die Saison abgesagt wurde. Seit dem Sommer ist er nun beim FC Zürich, der aktuell auf der vierten Platz der ersten Schweizer Liga steht.

Köln hatte den 29-jährigen Innenverteidiger erneut verliehen. Wir wollten von ihm wissen, wie es ihm in der Schweiz ergeht. Und haben mit ihm über seine persönlichen Ziele, unverständliches Schweizerdeutsch, eine ungewöhnliche Listenplatzierung für einen Verteidiger und Sobiechs Stolz auf seinen Bruder gesprochen.


Hallo Lasse, mit zwei Toren im fünf Spielen stehen Sie aktuell auf Platz vier der Torschützenliste. Schulen Sie jetzt mit 29 Jahren noch mal um und werden Stürmer?

Es ist natürlich auch als Abwehrspieler das Schönste, wenn man Tore schießt. Wir haben zwei richtig gute Ecken- und Freistoß-Schützen. Die Standards sind auch so ein bisschen auf mich abgestimmt und ich hoffe natürlich, es kommen noch ein paar Tore dazu.

Wie haben Sie sich denn in Zürich eingelebt? Haben Sie direkt eine Wohnung gefunden?

Ich habe hier einen Monat in einer kleinen Wohnung gewohnt und bin dann in die Stadt gezogen. Die Eingewöhnung war relativ leicht. Es gibt ja keine großen Sprachbarrieren. Ich bin im Spätsommer nach Zürich gewechselt. Zürich im Sommer ist ein absolutes Highlight mit den Seen in der Nähe und den Bergen. Die Natur ist hier wirklich schön.

Vor seinem Wechsel zum 1. FC Köln spielte Sobiech bei St. Pauli.

Vor seinem Wechsel zum 1. FC Köln spielte Sobiech bei St. Pauli. © Guido Kirchner

Sie sagen gerade, es gebe keine großen Sprachbarrieren. Ich habe vorher noch ein Interview mit einem Mitspieler von Ihnen angeschaut. Als der Reporter auf Schweizerdeutsch die Fragen gestellt hat, habe ich nur wenig verstanden. Wie ist das bei Ihnen am Anfang bei Interviews gewesen?

Die ersten Wochen habe ich kein Wort verstanden. Da musste ich die Leute dann darauf hinweisen, Hochdeutsch zu sprechen. Vor allem am Telefon ist das schwierig, wenn man die Lippenbewegungen nicht sieht. Da hat man keine Chance etwas zu verstehen. Mittlerweile geht es schon. Die meisten Schweizer sind da auch offen und kommen einem entgegen.

Wie sehen denn aktuell die Corona-Beschränkungen in der Schweiz aus?

Seit ich hier bin, sind eigentlich keine Zuschauer zugelassen, zwischenzeitlich waren es mal 1000. Das ist von Kanton zu Kanton aber ein bisschen unterschiedlich. Im Großen und Ganzen weicht es aber nicht so sehr von Deutschland ab. Mundschutz wird hier natürlich auch getragen, draußen zum Teil auch, beispielsweise an Bahnhöfen oder an Orten, wo sich viele Leute aufhalten. Die Restaurants sind aber noch geöffnet.

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Werden Sie als Fußballprofi denn regelmäßig getestet?

Ich bin in meiner Zeit hier jetzt zweimal getestet worden. Gemäß des Schutzkonzepts der Liga und des Vereins wird man nur getestet, wenn man Symptome aufweist.

Nach ihrem ersten Spiel für den FC hat Zürichs Torwart und Kapitän Yanick Brecher in einem Interview über Sie gesagt: „Lasse ist brutal, der hat hinten alles rausgeputzt, was möglich ist. Ich glaube, der hat eine Zweikampfquote von fast 100 Prozent.“ Es klingt, als würde es auch mit Ihren Mannschaftskollegen passen.

Ja, es passt definitiv. Zu dem Zeitpunkt, als ich hierhin gekommen bin, hatte Zürich 9 oder 10 Spiele nicht mehr gewonnen. Es gab so etwas wie eine kleine Krise. Ich glaube, ich wurde auch deshalb verpflichtet, damit ich als erfahrener Spieler die Mannschaft mitführe. Ich denke, dass ich das bislang ganz gut erfüllt habe.

Welche Saisonziele hat sich der FC Zürich denn gesteckt?

In der Schweizer Liga gibt es mit Bern und Basel zwei echte Topteams, die sich vom Rest der Liga abheben. Wenn wir auf einen Tabellenplatz dahinterkämen, wäre das erstrebenswert. Wir wollen auf jeden Fall in der oberen Tabellenhälfte mitspielen.

Unterscheidet sich der Schweizer Fußball vom Deutschen?

Eigentlich nicht so sehr. Von der Spielweise her ist es ähnlich. Es gibt Teams, die eher Ballbesitz-Fußball spielen und andere, die auf Konter zielen und versuchen, ihre Schnelligkeit auszunutzen. Aber die Bundesliga ist natürlich stärker. Bern und Basel könnten in der Bundesliga auf jeden Fall mithalten. Es gibt in der Schweiz aber viele talentierte, junge Spieler, die es sich lohnt anzuschauen.

Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Ich möchte möglichst viele Spiele machen. In der vergangenen Saison stand ich ja leider wenig auf dem Platz. In der halben Saison bei Köln habe ich nur ein Spiel gemacht, dann wurde ich nach Belgien ausgeliehen, wo die Saison ja dann wegen Corona abgebrochen worden ist.

Ich will Spaß am Fußballspielen haben, möglichst viel auf dem Platz stehen und zeigen, was ich drauf habe. Auch um auf mich aufmerksam zu machen, in welche Richtung auch immer. Das heißt, gute Spiele machen, präsent in den Zweikämpfen sein, Siege einfahren und vielleicht auch noch ein paar Tore schießen.

Wie geht es denn nach diesem Jahr weiter. Sie haben danach noch ein Jahr Vertrag in Köln. Wird man Sie dort wiedersehen?

Das ist schwierig zu sagen. Da wird man zum Ende der Saison noch mal schauen müssen. Das ist von vielen Faktoren abhängig, sicherlich auch, welche Personen dann in Köln sind. Aber es ist nicht meine Aufgabe, mir da jetzt Gedanken drüber zu machen. Ich muss gucken, dass ich so gut spiele, wie es geht.

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Sie hatten die kurze Station in Belgien und sind jetzt in der Schweiz. Wie ist diese Erfahrung für Sie, im Ausland zu spielen?

Ich mag das sehr gerne, generell viele Sachen zu sehen. Allerdings muss man auch sagen: Die Schweiz ist jetzt nicht die riesig-große Auslandserfahrung, einfach, weil es von der Sprache und der Kultur doch recht ähnlich ist. In einer Stunde ist man mit dem Flieger in Köln und von da aus, ist es dann auch nicht mehr so weit nach Hause. Ich freue mich auch schon auf Weihnachten in Schwerte, wenn das mit Corona alles klappt. Zum Ende meiner Karriere habe ich aber noch einiges im Ausland vor.

Was meinen Sie damit genau?

Ich will mithilfe des Fußballs auf jeden Fall auch noch andere Länder, Kulturen und auch Fußballkulturen kennenlernen, auch mal außerhalb Europas. Da kann ich mir jeden Kontinent vorstellen. Aber das hat noch ein paar Jahre Zeit.

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Ihr Bruder Joran spielt beim Verbandsligisten Düren und hat zuletzt im DFB-Pokal gegen den großen FC Bayern München gespielt. Haben Sie das Spiel gesehen?

Natürlich, ich habe das Spiel im Fernsehen gesehen und mich unfassbar für ihn gefreut. Ich war auch vorher schon bei einigen Qualifikationsspielen dabei und habe den Weg verfolgt. Mit Fans wäre es noch schöner gewesen, aber das ist natürlich ein Riesen-Erlebnis. Joran und seine Mannschaft haben auch ein sensationell gutes Spiel abgeliefert. Ich war total stolz auf ihn.

Sie sprechen die Zuschauer an: Wie ist es für Sie, in leeren Stadien zu spielen?

Es fühlt sich natürlich immer ein bisschen wie ein Freundschaftsspiel an. Läuft es auf dem Platz mal nicht so und man merkt dann, dass die Fans einen nach vorne peitschen, kann das den Unterschied machen. Eigentlich gibt es hier auch die Südkurve. Die Zürcher Fankurve ist europaweit bekannt. Es ist schade, dass wir gerade ohne Zuschauer spielen müssen. Ich hoffe, dass das bald wieder möglich ist.

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