Frust bei der HSG Schwerte/Westhofen: „Sportliche Vollkatastrophe“

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In gut zwei Wochen beginnt die Handballsaison 2020/21. Die aktuelle Situation für alle Beteiligten der HSG Schwerte/Westhofen so kurz vor dem Saisonstart ist jedoch mehr als unbefriedigend.

Schwerte

, 17.09.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Grund für den Frust im HSG-Lager ist die Hallensituation. Denn die sportliche Heimat der HSG-Handballer, die Sporthalle des Friedrich-Bährens-Gymnasiums, steht seit fünf Wochen für keinerlei sportliche Aktivitäten mehr zur Verfügung – ein Zustand, an dem sich vorläufig auch nichts ändern wird.

Der Sportliche Leiter der HSG, Rolf Linnemann, findet dafür klare Worte: „Für uns ist das eine sportliche Voll-Katastrophe.“

Am 14. August hatte Starkregen den Technikraum der Halle unter Wasser gesetzt – mit der Folge, dass die Heizungs- und vor allem die Lüftungsanlage der Halle kaputt gegangen ist.

Schaden liegt im sechsstelligen Bereich

Der Schaden ist erheblich. Nach mehreren Terminen mit Gutachtern und Versicherungsvertretern stehe fest, dass der Schaden im sechsstelligen Bereich liegt, heißt es in einem Schreiben der Stadtverwaltung an die HSG.

Und weiter: „Da insbesondere die Lüftungsanlage veraltet ist und nicht mehr den Ansprüchen einer Sporthalle entspricht, wird hier eine Sanierung angestrebt.“ Unabhängig davon, ob saniert oder instandgesetzt wird, sei aber davon auszugehen, „dass eine Fertigstellung der Anlagen und damit verbunden eine Freigabe der Sporthalle für den Sport nicht mehr in diesem Jahr erfolgen wird.“

„Kein Verein gibt freiwillig Hallenzeiten ab“

Dass der Wegfall einer der vier Dreifach-Sporthallen in der Stadt zu einem Engpass bei der Hallenbelegung führt, liegt auf der Hand – Hallenzeiten sind ein begehrtes Gut. Man sei von HSG-Seite auf das Entgegenkommen anderer Vereine angewiesen, erklärt Linnemann. „Aber kein Verein gibt freiwillig Hallenzeiten ab“, hat er feststellen müssen.

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Bei allem Verständnis dafür sagt Linnemann aber auch: „Wir mussten feststellen, dass die Solidarität unter den Schwerter Sportvereinen offenbar nicht sonderlich ausgeprägt ist. Da hatte ich schon etwas mehr erwartet und darauf gehofft, dass man in so einer Situation enger zusammenrückt.“

Entgegenkommen der HVE Villigst-Ergste

Den anderen Handballklub der Stadt, die HVE Villigst-Ergste, meine er mit dieser Kritik aber nicht, sagt Linnemann – die HVE habe durchaus Entgegenkommen gezeigt.

Rolf Linnemann, Sportlicher Leiter der HSG Schwerte/Westhofen, würde sich mehr Solidarität unter den Schwerter Sportvereinen wünschen.

Rolf Linnemann, Sportlicher Leiter der HSG Schwerte/Westhofen, würde sich mehr Solidarität unter den Schwerter Sportvereinen wünschen. © Bernd Paulitschke

So ist die zweite Damenmannschaft zuletzt auf den Tartanplatz ausgewichen ist, was bei dem schönen Wetter der vergangenen Woche problemlos machbar war.

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Zudem haben die Villigst-Ergster durch eine zeitliche Verkürzung der Einheiten in der Gänsewinkel-Halle ein bisschen Hallenzeit freigeschaufelt, sodass die HSG zum Beispiel dienstags von 21.30 bis 23 Uhr im Gänsewinkel trainieren kann – besser als nichts, oder? „Das kann man mal machen, ist aber sicherlich keine Dauerlösung“, meint Linnemann mit dem hinweis auf die späte Uhrzeit.

Internes Improvisieren

Auch Anfragen an benachbarte Kommunen hätten bisher zu keinem positiven Ergebnis geführt, berichtet Linnemann. So müsse man auch intern improvisieren. In der Sporthalle am Stadtpark hat die HSG noch eine wöchentliche Einheit, die eigentlich die zweite Damenmannschaft nutzt.

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Auch in die kleine Westhofener Halle an der Wasserstraße weichen sie mit ihrer ersten Damen- und Herrenmannschaft aus.

Keine seriöse Saisonplanung möglich

Während die Jugendmannschaften halbwegs versorgt seien, sind diese beiden ranghöchsten Teams der HSG, die in der Oberliga bzw. Landesliga unterwegs sind, von dem Hallen-Dilemma besonders betroffen.

Damentrainer Mischa Quass, der normalerweise mit seinen Schützlingen dreimal wöchentlich trainiert, sagt: „Man kann so gut wie gar nichts planen. Mit einer Saisonvorbereitung einer ambitionierten Mannschaft hat das nicht im Entferntesten etwas zu tun.“

„Wir hängen komplett in der Luft“

Aber der akute Engpass im Trainingsbetrieb ist nicht das einzige Problem. Bis Ende Oktober sei der Spielbetrieb noch gewährleistet, heißt es seitens des städtischen Sportamts. Aber wenn dann ab November auch im Jugendbereich die neue Saison beginnt, werden nicht mehr alle angesetzten Partien auf Schwerter Boden stattfinden können – und dann?

Weder die Stadt noch die HSG haben eine Antwort auf diese Frage. „Wir hängen komplett in der Luft“, sagt Rolf Linnemann.

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