Deutscher Meister und bald Profi: Tobias Mißner wird vor dem TV-Bildschirm zum Zweitliga-Spieler

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Tobias Mißner ist seit Sonntag Deutscher A-Jugend-Meister. Jetzt wird er Profi – in einer Liga, mit der er zunächst nicht gerechnet hat.

06.06.2019, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 28. Mai zittern Tobias Mißner und seine Familie. Dabei ist das Wohnzimmer gut temperiert und im Fernsehen läuft auch kein fesselnder Skandinavien-Krimi. Die Mißners schauen das Relegationsrückspiel zwischen dem FC Ingolstadt und SV Wehen Wiesbaden. Nach der 1:2-Hinspielniederlage gewinnen die Hessen überraschend 3:2 und steigen noch in die 2. Bundesliga auf. Und Tobias Mißner auch – vor dem Fernsehbildschirm.

Fünf Tage später erlebt der 19-Jährige wieder einen Pulsbeschleuniger. Mit der U19 des BVB steht er gerade im Finale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft in Großaspach. Zur Halbzeit droht eine Klatsche, der VfB Stuttgart führt 3:1. Eine Stunde später hält Mißner dann eine silberne Schale in Hand. Der BVB-Nachwuchs hatte das Spiel spektakulär gedreht. „Wir haben uns den Titel verdient, weil wir die ganze Saison als Team gefightet haben“, meint Mißner. Er funktioniert im Kopf wie auf dem Feld. Der bissige und kämpferische Defensivspezialist hat zur Halbzeit nie an eine Silbermedaille gedacht.

Der Name Mißner ist in Schwerte ein bekannter. Mutter Tanja betreibt eine Physiotherapie-Praxis in Ergste. Vater Carsten spielte zu Regionalliga-Zeiten für die HSG Schwerte/Westhofen, hat davor auch Bundesliga gespielt – und war vor 34 Jahren mit dem OSC Thier Dortmund selbst auch Deutscher A-Jugend-Meister.

Elf Jahre lang beim BVB


Tobias Mißners Juniorenzeit endete nun mit dem größtmöglichen Erfolg. Es ist sein erster großer Titel mit dem BVB, bei dem er seit der U9 alle Juniorenteams durchlaufen hat. In der zurückliegenden Saison war er eine stabile Defensivstütze, absolvierte 23 Ligaspiele und fünf Partien in der UEFA Youth League, dem Jugendformat der Champions League.

Elf Jahre lang hat sich Mißner in der BVB-Jugend durchgebissen. „Ich bin sehr glücklich darüber und auch etwas stolz“, erzählt Mißner, der in Wellinghofen wohnt. Noch. Denn im Winter klopfte der Drittligist SV Wehen Wiesbaden an. Mißner hatte sofort ein gutes Gefühl: „Der Verein setzt auf junge Spieler und auf Mentalität. Das passt sehr gut zu mir.“

Beide Seiten stellten sich wohl auf eine Drittliga-Saison 2019/20 ein. Doch Wehen Wiesbaden schaffte es in die Relegation – und von dort in die Zweite Liga. „Die Dritte Liga wäre auch sehr gut für den Anfang gewesen“, sagt Tobias Mißner und lacht: „Am Anfang war es schwer zu realisieren. Da fällt dir dann plötzlich auf: Oh, ab Sommer spielt man gegen den Hamburger SV.“ Mißner weiß, dass die 2. Bundesliga als Start nach der Juniorenzeit hart wird. Doch es gibt eben auch die verlässliche Mißner-Formel, auf die er sich stützen kann: „Reinhauen, alles geben und am Ende mit der Mannschaft gewinnen.“

Gerade befindet sich der Neu-Profi auf Wohnungssuche. Die kommenden zwei Wochen will er trotzdem noch zur Entspannung nutzen, die Energietanks auffüllen und seine derzeit sehr bewegten Erlebnisse reflektieren.

Party in der Raststätte


Dann wird er auch an den Titelgewinn am vergangenen Sonntag denken. Und an die Stunden danach. Nach der Partie feierte das BVB-Team noch lange im Stadion in Großaspach. Und danach im Bus. Aus normal viereinhalb Stunden Fahrt wurden acht. Die neuen Deutschen A-Jugend-Meister legten auf einer Raststätte einen zweistündigen Party-Stopp ein.

Und dann führte die Heimreise nach Dortmund auch noch knapp an Wiesbaden vorbei. An Tobias Mißners neuem, aufregenden Leben.

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