Als der VfL Schwerte am Schlusslicht und einer Ente scheiterte

dzFußball-Historie

Vor 25 Jahren war der VfL Schwerte sehr nah dran an der ersehnten Rückkehr in die Verbandsliga, die dann aber erst fünf Jahre später gelingen sollte. Wir blicken zurück.

Schwerte

, 17.05.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Stachel saß tief beim VfL Schwerte, der von 1959 bis 1973 in der Verbandsliga spielte – der damals höchsten deutschen Amateurklasse. Durch den Doppelabstieg 1973 und 1974 fanden sich die ruhmreichen Blau-Weißen plötzlich in der Bezirksliga wieder. Mehrere Wiederaufstiegsversuche scheiterten allesamt.

Mehrere knapp verpasste Meisterschaften

Mit knapp verpassten Meisterschaften kannte man sich aus am Schützenhof. 1987 bis 89 wurde der VfL jeweils Vizemeister der Bezirksliga hinter dem FV Hombruch, Arminia Marten und dem RSV Meinerzhagen. Es folgten zwei dritte Plätze – der BSV Menden und der TuS Neuenrade stiegen auf.

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Erst der ehemalige Stürmer Jochen Vollmer konnte 1992 als Trainer den Stachel aus der Wunde ziehen und den Aufstieg in die Landesliga realisieren.

Landesliga sollte nur Zwischenstation sein

Für den Verein war indes klar, dass die Landesliga nur eine Zwischenstation sein sollte. Zurück in die Verbandsliga sollte der Weg führen.

Jochen Vollmer (li.), hier im September 2019 mit Vereinslegende Wolfgang Kleff auf der Jubiläumsfeier des Vereins anlässlich des 100-jährigen Bestehens, hatte den VfL als Trainer in die Landesliga geführt.

Jochen Vollmer (li.), hier im September 2019 mit Vereinslegende Wolfgang Kleff auf der Jubiläumsfeier des Vereins anlässlich des 100-jährigen Bestehens, hatte den VfL als Trainer in die Landesliga geführt. © Manuela Schwerte

Jochen Vollmer führte den VfL auf Anhieb auf Platz drei, ehe er das Traineramt abgab. Karl-Walter Möller wurde sein Nachfolger.

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Ende Januar 1994 wurde dann ein neues Kapitel am Schützenhof aufgeschlagen: Ingo Petersmann wurde Sportlicher Leiter, seine Frau Elke trat als Sponsorin auf. Trotz einiger Verstärkungen reichte es in der laufenden Saison nur noch zu Platz sechs.

Eine sechsstellige Summe wurde investiert

In der Spielzeit 1994/95 sollte nun aber der Aufstieg her, zumal die Landesliga durch die Einführung der Regionalliga nur noch sechstklassig war. Eine sechsstellige Summe wurde investiert.

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Und die Saison begann auch fulminant mit einem 6:1-Sieg gegen den Lokalrivalen ETuS Schwerte. Auch weitere Kantersiege mit 8:2 gegen den Hörder SC oder 7:1 gegen den Erler SV wurden gefeiert, aber auch immer wieder Patzer eingestreut. Die Tabellenführung wurde bereits am fünften Spieltag abgegeben.

Am 11. Spieltag übernahm der WSV 06 Bochum – trainiert vom Ex-Profi Willi „Ente“ Lippens – die Tabellenspitze, der VfL lief hinterher, blieb aber dran.

Jäh geplatztes Unternehmen Aufstieg

Es ging in die Endphase der Saison. Am 25. Spieltag unterlagen die Schwerter im Titelrennen bei der SG Bochum-Süd mit 2:5 und lagen nun drei Punkte (damals wurde noch nach der Zwei-Punkte-Regel gespielt) hinter dem WSV zurück und hatten den Aufstieg damit nicht mehr in eigener Hand.

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Eine Woche später waren die Blau-Weißen nach einem Remis der Werner in Hörde aber wieder im Rennen, zumal diese noch zum Schützenhof mussten.

Doch zunächst führte der Weg zum Tabellenletzten Schwarz-Weiß Eppendorf, das bereits mit anderthalb Beinen vor dem Abstieg stand.

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Eine ganz schwache VfL-Leistung wurde mit dem 1:0-Siegtreffer der Eppendorfer in der 86. Minute getoppt. Ausgerechnet beim Schlusslicht war das Unternehmen Aufstieg jäh geplatzt – es waren vier Punkte Rückstand auf Bochum-Werne, und nur noch drei Spiele standen aus.

Detlev Brockhaus als vierfacher Torschütze

Der VfL suchte seine letzte Chance und fertigte den Spitzenreiter am 28. Spieltag auf dem Schützenhof mit 7:1 ab. Vierfacher Torschütze in der Partie war Detlev Brockhaus.

Doch WSV-Trainer „Ente“ Lippens blieb nach der Begegnung cool. „Ob man 2:1 oder 7:1 verliert ist doch scheißegal, oder? Wir sind immer noch zwei Punkte vor den Schwertern und werden es auch bis zum Schluss bleiben“, gab er zur Protokoll.

Ex-Profi Willi „Ente“ Lippens schaffte 1995 mit dem WSV Bochum den Aufstieg.

Ex-Profi Willi „Ente“ Lippens schaffte 1995 mit dem WSV Bochum den Aufstieg. © dpa

„Ente“ sollte recht behalten, er brachte mit seinem Team den Vorsprung ins Ziel und sorgte damit für den größten Vereinserfolg der Werner. Der VfL Schwerte dagegen war vor 25 Jahren am Schlusslicht und an „Ente“ gescheitert.

Unter Petersmann wurde kräftig aufgerüstet

Am Schützenhof wollte man nun mit Macht einen neuen Anlauf nehmen. Es wurde weiter kräftig aufgerüstet. Ingo Petersmann holte zahlreiche Akteure, auch aus höheren Ligen. Zeitweise tummelten sich um die 30 Akteure im Kader.

Als Trainer wurde der Ex-VfLer Jürgen Todebusch verpflichtet, der zuvor den ETuS Schwerte mit zwei Aufstiegen in Folge (1992 und 93) in die Landesliga geführt hatte.

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Der Saisonstart glückte mit drei Siegen, doch es rumorte bereits früh hinter den Kulissen. „Starspieler“ wie Ingo Kleefeld, Heiko Sulzbacher oder Frank Kirchhoff blieben hinter den Erwartungen zurück.

Viel Geld investiert, viel Unruhe gestiftet

Zudem wurde die Rolle von Petersmann, der zum Alleinherrscher im sportlichen Bereich wurde, im Verein kritisch gesehen.

Sportlich rutschte der Klub auf Platz fünf ab. Mitte September zog der VfL die Reißleine und trennte sich von Petersmann. Dieser hatte viel Geld investiert, aber mindestens genauso viel Unruhe im Verein gestiftet.

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Einige Akteure kassierten für Landesliga-Verhältnisse horrende Summen. Das Gefüge einer Landesliga-Mannschaft und die Köpfe der Spieler waren durcheinandergebracht worden. Damit war ein Kapitel beendet worden, an das der Verein noch heute nur ungern zurückdenkt.

Aufstiegstrainer Jochen Vollmer kehrt zurück

Nach und nach verließen in der Folge Spieler den Verein. Zwischenzeitlich musste mit einem „letzten Aufgebot“ gespielt werden. Der Verein versuchte zu retten, was zu retten war.

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Jürgen Todebusch wurde im November entlassen. Erfolgstrainer Jochen Vollmer kehrte zurück. Er führte die Mannschaft in der Saison 1995/96 noch auf Platz drei. Den Aufstieg sicherte sich der STV Horst-Emscher. Zwei weitere Spielzeiten hängte Vollmer am Schützenhof noch dran. In die Nähe eines Aufstiegs kamen die Blau-Weißen aber nicht mehr.

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Erst ab 1998 sollte beim VfL Schwerte das erfolgreichste Kapitel der letzten Jahrzehnte aufgeschlagen werden - aber das ist eine andere Geschichte.

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