Als der Holzpfosten-Jubel im Wandhofener Matsch keine Grenzen kannte

dzFußball vor zehn Jahren

Wer dabei war, wird dieses Spiel bis heute nicht vergessen haben: Vor zehn Jahren ist Holzpfosten Schwerte 05 in die Fußball-Kreisliga A aufgestiegen ist. Dabei schüttete es wie aus Kübeln.

Schwerte

, 08.06.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Was – zehn Jahre ist das schon her?“ Mittelfeldmann Florian Riesewieck und Daniel Otto, Torwart und Kapitän des Aufstiegsteams, reagierten nahezu identisch, als wir sie auf die Partie beim TuS Wandhofen am 6. Juni 2010 ansprachen.

Emotionales Video

Sechs Punkte Vorsprung auf TuS Wandhofen

In der Tat, vor zehn Jahren. Es war der vorletzte Spieltag der Kreisliga-B-Saison. Als Tabellenführer benötigten die „Pfosten“ noch einen Punkt zum Aufstieg. Wandhofen lag auf Platz zwei direkt dahinter, hatte bei sechs Punkten Rückstand aber nur noch theoretische Chancen, dem Lokalrivalen die Tabellenführung noch zu entreißen.

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Und trotzdem war die Wandhofener Devise klar: „Wir wollen nicht, dass Holzpfosten auf unserem Sportplatz Meister wird“, hatte Björn Rosigkeit, damals der Torwart des TuS, vor dem Spiel gesagt.

Motivationsmäßig waren die „Pfosten“ am Anschlag

Aber motivationsmäßig waren auch die Holzpfosten-Spieler am Anschlag. Daniel Otto erinnert sich an ein emotionales Video, das kurz vor dem Spiel in der Holzpfosten- Kabine als Heißmacher ablief. „Alle wussten: Heute wollen wir es packen“, erzählt der Keeper.

Auch die Raupe gehörte nach dem Aufstieg zum Jubel-Repertoire der Holzpfosten.

Auch die Raupe gehörte nach dem Aufstieg zum Jubel-Repertoire der Holzpfosten. © Oskar Neubauer

Heraus kam dann ein eher unspektakuläres Spiel, das Otto dennoch als „ein legendäres Erlebnis“ bezeichnet. Tore fielen auf beiden Seiten nicht – das schmucklose 0:0 reichte den „Pfosten“ zum Sprung in die A-Liga.

„Ich weiß noch, dass Stephan Kleine kurz vor der Halbzeit eine Großchance hatte, aber viel mehr war da nicht. Aber das war letztlich ja auch total egal“, sagt Florian Riesewieck rückblickend.

450 Zuschauer waren pitschnass bis auf die Haut

Weil die nach einem Platzverweis lange in Unterzahl spielenden Wandhofener Ottos Kasten kaum in Gefahr bringen konnten, bestand die größere Gefahr für das Holzpfosten-Team darin, dass die Partie möglicherweise nicht zu Ende gespielt werden könnte.

Denn eine Viertelstunde vor dem Abpfiff begann es in Wandhofen wie aus Kübeln zu schütten – ein heftiges Sommergewitter, das im Vorfeld kein Wetterfrosch prognostiziert hatte und das die rund 450 Zuschauer entsprechend unvorbereitet traf. Der Großteil von ihnen war pitschnass bis auf die Haut.

„Nur gehofft, dass der Schiri nicht abbricht“

Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Wandhofener Ascheplatz in eine Seenplatte. „Wir haben alle nur gehofft, dass der Schiedsrichter das Spiel nicht abbricht“, erinnert sich Daniel Otto – streng genommen hätte er dies wegen des mittlerweile nicht mehr regulär zu bespielenden Platzes sicherlich tun können.

Doch der Unparteiische hielt tapfer durch und pfiff die Partie – wenn auch überpünktlich nach 88 Minuten – regulär ab.

Alle Dämme gebrochen - in zweifacher Hinsicht

Es folgten die obligatorischen Jubelszenen, bei denen sich die Holzpfosten-Kicker im Schlamm wälzten und ihren Triumph ausgelassen feierten. Oder wie es Daniel Otto im Nachhinein formuliert: „Damals sind zuerst oben alle Dämme gebrochen und danach bei uns.“

Mit dem Aufstieg war zugleich das Saisonziel der von Detlev Kleine trainierten Mannschaft erreicht. „Ich glaube, wir hatten das damals nach außen gar nicht so sehr kommuniziert. Aber diesmal war Kai Kunsmann, der grundsätzlich immer gesagt hat, dass er Erster werden will, nicht der Einzige. Und letztlich waren wir ja auch auf vielen Positionen für B-Liga-Verhältnisse richtig gut besetzt – und im Tor sogar überragend“, sagt Riesewieck mit Blick auf seinen damaligen WG-Kumpel.

„Beim Uni-Sport hab ich ihn fliegen sehen“

Daniel Otto war im Oktober 2007 aus Berlin nach Dortmund gekommen, wo er an der Uni gemeinsam mit Riesewieck studierte. „Beim Uni-Sport hab´ ich ihn fliegen sehen. Da war mir klar: Den muss ich irgendwie zu uns locken“, erzählt Riesewieck.

Ausgelassen feierten die Holzpfosten-Kicker das torlose Unentschieden in Wandhofen, das zum Aufstieg in die Kreisliga A reichte.

Ausgelassen feierten die Holzpfosten-Kicker das torlose Unentschieden in Wandhofen, das zum Aufstieg in die Kreisliga A reichte. © Oskar Neubauer

Auch Otto erinnert sich an besagte Uni-Sport-Einheit. „Just for fun“ habe er sich an jenem Tag nochmal die Torwarthandschuhe angezogen. Denn eigentlich habe er gar nicht mehr im Tor spielen wollen, erzählt der Berliner, der dann auf dem saftigen Rasenplatz der Dortmunder Uni offenbar aber einen Sahnetag erwischte.

Jedenfalls lotste Riesewieck ihn zu den „Pfosten“, die seinerzeit noch ihre sportliche Heimat am Geisecker Buschkampweg hatten – damals ebenfalls noch ein Ascheplatz.

Nur bei Schwarz-Weiß Spandau mal auf Asche

Das erste Training an der neuen Wirkungsstätte unter funzeligem Flutlicht ließ bei Otto nochmal kurz Zweifel aufkommen, ob er denn wohl die richtige Entscheidung getroffen hatte.

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„Ich hatte bis dahin ein einziges Mal auf Asche gespielt, als ich bei Schwarz-Weiß Spandau mal in der zweiten Mannschaft ausgeholfen habe. Ansonsten kannte ich aus Berlin nur Kunst- und Naturrasenplätze“, berichtet der Keeper.

Einer von vielen emotionalen Momenten

Bereut hat er seinen Entschluss pro Holzpfosten aber keineswegs – ganz im Gegenteil. „Ich habe direkt gemerkt, dass dieser Verein genau das ist, was ich haben wollte“, sagt Otto, der im Laufe der Jahre jede Menge emotionale Holzpfosten-Momente genossen hat.

Der Aufstieg im Wandhofener Matsch am 6. Juni 2010 war einer der ersten davon.

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