Rik Amann: „Wir wissen eigentlich gar nicht genau, wo wir zurzeit überhaupt stehen“

Coronavirus

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln.

von Rik Amann

Olfen

, 15.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den Pokal für den „Leichtathleten des Jahres“ beim SuS Olfen hat Rik Amann bereits gewonnen.

Den Pokal für den „Leichtathleten des Jahres“ beim SuS Olfen hat Rik Amann bereits gewonnen. © Sebastian Reith

Nachdem ich in den letzten Wochen viel Kritik an verschiedensten Konzepten und Ausschreibungen des DLV geübt habe, möchte ich in dieser Woche wieder etwas mehr über meinen Trainingsalltag berichten. Denn losgelöst von Ausschreibungen, Terminen und Normen bleibt die Frage: Wie viel Normalität steckt im Training zu Corona-Zeiten?

Natürlich nähert man sich von Woche zu Woche immer mehr einem gewohnten Trainingsrhythmus an, jedoch bleibt immer eine gewisse Ungewohntheit. Man muss bedenken, dass wir gerade mitten in der Saison wären. Das bedeutet: jedes Wochenende ein Wettkampf, die Jagd auf Normen für Meisterschaften und natürlich die Saisonhöhepunkte, die jetzt vor der Tür stehen würden.

Trainingsalltag sieht anders aus als gewohnt

Doch durch die Coronavirus-Pandemie sieht das Training momentan immer noch ganz anders aus. Wettkämpfe sind zurzeit rar, gerade für uns Hammerwerfer, die ohnehin schon nur wenig Wettkämpfe zur Verfügung haben. Hygienekonzept, Teilnehmer- sowie Zuschauerbeschränkungen halten viele Veranstalter davon ab, Wettkämpfe zu organisieren. Doch gerade das macht es nicht wirklich leichter, in die sogenannte „Late Season“ einzusteigen.

In Wettkämpfen hat man immer eine gewisse Extra-Anspannung und eine Portion mehr Konzentration als im Training, was dann doch noch mal den einen oder anderen Meter mehr bringt. Hinzu kommt, dass wir im Training generell nicht messen. Also wissen wir eigentlich gar nicht genau, wo wir zurzeit überhaupt stehen.

Saison ist Rik Amann nicht mehr so wichtig

Ich persönlich muss sagen, dass mir diese Saison nicht mehr so wichtig ist wie andere, denn alles was man dieses Jahr erreicht, ist eine schöne Zugabe. Sich aber Saisonziele zu setzen ist aufgrund diverserer Einschränkungen im Trainings- und Wettkampfbetrieb in diesem Jahr einfach unrealistisch.

Dennoch hört man in der Presse immer wieder von neuen Top-Leistungen und Rekorden, die in den letzten Wochen aufgestellt wurden. Anscheinend ein Zeichen, dass auch den Spitzen-Athleten eine längere Pause zum Aufbautraining mal gut getan hat.

Doch an dieser Stelle darf man den gesunden Menschenverstand nicht verlieren und denken, dass ohne Zwangspause durch Corona die Leistungen noch weiter explodiert wären. Ich denke eher, dass allen Athleten mal eine Entschleunigung im sonst so straffen nationalen – und internationalen – Wettkampfkalender zu Gute gekommen ist. Vielleicht auch ein Zeichen für die Zukunft eher auf Qualität anstatt Quantität der Leistungen zu setzen. Denn Spitzenleistungen sind immer möglich, nur können sie nicht jede Woche verbessert werden.

Alle Teile der Serie:

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln. Amann war bereits Leichtathlet des Jahres im SuS Olfen, in dem er seit 2006 Mitglied ist. Seine größten Erfolge waren die Silbermedaille bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2016 und der sechste Platz in der U18 im Jahr 2018.
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