Enttäuschend: Weiterhin kaum Planungssicherheit für Leichtathletik

Coronavirus

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln.

von Rik Amann

Olfen

, 10.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rik Amann war vom DLV-Konzept etwas enttäuscht.

Rik Amann war vom DLV-Konzept etwas enttäuscht. © Weitzel

Am letzten Donnerstag hatte die lange Ungewissheit für uns Athleten endlich ein Ende. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat am 4. Juni ihre Restplanung für Deutsche Meisterschaften für 2020 bekannt gegeben. Hinzu kommt eine 23 Seiten umfassende „konzeptionelle Empfehlung zur Organisation und Durchführung von Leichtathletik-Veranstaltungen“.

Doch das, auf das so viele Athleten so lange gewartet haben, war für die meisten dann doch eher enttäuschend. Bis auf fünf Deutsche Meisterschaften wurden alle anderen abgesagt. Doch von diesen fünf Veranstaltungen kann eine noch nicht terminiert werden und bei drei anderen steht eine Sondergenehmigung noch aus. Also kann man von Planungssicherheit – das, was wir uns alle erhofft hatten – noch nicht wirklich sprechen.

Hinzu kommt, dass ein Hygienekonzept, wie es vom DLV empfohlen wird, natürlich einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. So sind Veranstaltungen nur in deutlich größerem Umfang möglich. Der DLV hatte in seinen konzeptionellen Empfehlungen so einige Paukenschläge parat. So zum Beispiel sorgt es bei mir für großes Entsetzen, dass Laufdisziplinen ab 1500 Metern nicht in den Wettkampfplan mit aufgenommen werden sollen.

Völlig falsches Zeichen an die Athleten

Für mich ein völlig falsches Zeichen an die Athleten. Nur weil solche Disziplinen zurzeit nicht umsetzbar sind, werden sie hinten rüber fallen gelassen? Nein, das geht nicht. Wir sind zwar alles Athleten verschiedener Disziplinen, aber gehören ja alle zur Leichtathletik - und so gehören alle Disziplinen in eine Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft.

Des Weiteren soll eine Anreise der Teilnehmer individuell erfolgen. Doch wie viele Eltern wollen ihr Kind, teilweise mehrere hundert Kilometer weit, zu dem Veranstaltungsort fahren, um dort nicht mal den Wettkampf sehen zu können? Denn Zuschauer werden bei allen Deutschen Meisterschaften nicht dabei sein.

Verwunderung über Vorschriften

Auch bei meiner eigenen Disziplin dem Hammerwerfen habe ich mich über die ein oder andere Vorschrift gewundert. Nur ein kleines von vielen Beispielen dazu: Im Wettkampf darf jeder Athlet nur sein eigener Wurfgerät benutzen. Doch was ist, wenn es Athleten ohne eigene Geräte gibt? Oder was passiert, wenn der Draht an meinem Hammer bei einem Versuch reißt? Werde ich dann vom Wettkampf ausgeschlossen?

Vielleicht ist in der Empfehlung des DLV an der ein oder anderen Stelle eine Situation einfach nicht ganz zu Ende gedacht worden. Wie denn auch? Man kann nun mal nicht jede Eventualität erfassen. Doch da stellt sich für mich doch die Frage: Geht es hier wirklich noch um das Beste für jeden einzelnen Athleten? Und ich frage mich: Möchte man bei so einer DM überhaupt noch antreten?

Alle Teile der Serie:

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln. Amann war bereits Leichtathlet des Jahres im SuS Olfen, in dem er seit 2006 Mitglied ist. Seine größten Erfolge waren die Silbermedaille bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2016 und der sechste Platz in der U18 im Jahr 2018.
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