Cengiz-Familie bei Westfalia Vinnum wieder vereint

dzFußball

Fünf Jahre nach seinem Abschied ist Murat Cengiz wieder bei Westfalia Vinnum gelandet. Eigentlich war er zurückgetreten, nun das Comeback in der Kreisliga A, wo die Wege kürzer sind.

Vinnum

, 08.06.2020, 11:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tränenreich war der Abschied von Murat Cengiz im Mai 2019 beim SuS Olfen. Eigentlich sollte es das Karriereende des heute 29-Jährigen sein. „Ich trete ganz zurück“, sagte Cengiz damals. Die Fußballschuhe wollte er nur dann wieder vom Nagel nehmen, wenn der SuS Olfen mal Not am Mann hat. Am Sonntag, ein Jahr nachdem SuS-Vorstandsmitglied Georg Lackmann Murat Cengiz einen grün-weißen Olfen-Schal zum Abschied um den Hals gehängt hatte, ist „Muri“ zurück - aber nicht beim SuS Olfen.

Der SuS Olfen verabschiedete 2019 Murat Cengiz.

Der SuS Olfen verabschiedete 2019 Murat Cengiz. © Jürgen Weitzel

Viel ist in dem Jahr seitdem passiert. Murat Cengiz hat einen neuen Job und einen Golden Retriever, mit dem er „nicht nur 15 Minuten abgehetzt spazieren gehen möchte und dann ab zum Platz“ muss. Cengiz, der in Erkenschwick wohnt und in Dortmund arbeitet, nannte bei seiner Vorstellung beim Kreisligisten Westfalia Vinnum am Sonntag den zeitlichen Aufwand als Hauptgrund.

Westfalia Vinnum war 2013 über Wochen Tabellenführer

In Vinnum gibt es pro Woche nur zwei Einheiten, in Olfen drei. Zudem sind die weiten Auswärtsfahrten in der Bezirksliga 11 mit dem SuS bis an die holländische Grenze ein Contra-Argument für den Stürmer gewesen.

„Natürlich ist ausschlaggebender Punkt auch, dass ich unbedingt wieder mit meiner Familie zocken wollte“, sagte Cengiz, „besser kann es für mich gar nicht sein.“ Sein Cousin Fatih Cengiz wechselt bekanntlich von Kültürspor Datteln zurück an die Borker Straße, sein Bruder Mert will auch wieder anfangen - die Cengiz-Familie ist in Vinnum wieder vereint, wo sie vor sechs Jahren schon so erfolgreich Fußball spielte.

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Vor allem Murat und Fatih waren als Sturmduo in der Kreisliga A Lüdinghausen gefürchtet. Unter Marco Habicht erreichte die Westfalia Platz zwei zur Winterpause der Saison 2013/14 - Westfalia Vinnum war Olfen-Jäger Nummer eins, zwischenzeitlich sogar mal Tabellenführer. „Wir waren gut aufgestellt und zwischenzeitlich ganz oben dran“, erinnerte sich Cengiz. Die Saison beendete Vinnum als Siebter, nachdem es einige Unruhen gegeben hatte.

Murat Cengiz wurde einst gesperrt, als er Vinnum verließ

Für Cengiz, der viele Jugendjahre beim VfB Waltrop gespielt hatte, ging es in der Folgesaison nach Olfen. Pikant war an dem Winterwechsel, dass Vinnum Murat Cengiz damals nicht ziehen lassen wollte, indem der Verein keine Freigabe erteilte, und Cengiz daraufhin eine sechsmonatige Sperre absitzen musste, ehe er in den Aufstiegsspielen für seinen neuen Verein aber ran durfte. Das habe nun keine Rolle mehr gespielt.

„Was ich da als Spieler gemacht habe, war natürlich auch nicht schön. Man sagt zu und sollte das Jahr auch durchziehen. In dem Moment steckte Vinnum auch im Abstiegskampf. Das war schmerzhaft, aber ich habe mit dem Trainer keine Bindung mehr gekriegt. Trotzdem ist es so verlaufen, dass ich die Sperre bekommen habe“, sagte Cengiz.

Murat Cengiz: Kein leichter Abschied aus Olfen

Der Abschied aus Olfen vor einem Jahr war trotzdem kein leichter. Die Tränen waren echt, beteuerte Cengiz. „Man verbindet sich mit dem Verein. Da geht man durch dick und dünn, Aufstieg, Abstieg, Wiederaufstieg - da sind Emotionen drin. Es ist wie eine Familie dort. Es war extrem“, sagte Cengiz.

Seit Mai 2015 stürmte Murat Cengiz für den SuS Olfen.

Seit Mai 2015 stürmte Murat Cengiz für den SuS Olfen. © Sebastian Reith

Zum Comeback kam es allerdings dann doch nicht. „Als die Hinserie anfing, habe ich gefühlt tagtäglich Anrufe gekriegt. Beruflich ging es aber nicht. Über ein Comeback konnte ich nicht nachdenken. Aber ich hatte schon Bock. Es juckt immer in den Füßen“, sagte Cengiz. Ziel sei nun, unter den ersten Sieben bis Acht zu kommen. Das wäre tabellarisch eine deutliche Verbesserung für die Vinnumer (14.).

Vinnums Transferpolitik hat sich verändert

Erkennbar ist, dass die Vinnumer Transferpolitik eine andere ist als im Vorjahr: kontrollierter und bedächtiger. „Wir haben ein bisschen gelernt vom letzten Jahr und reflektieren uns selbst, was die Transfers angeht“, sagte Nachtigall zu den vielen unglücklichen Griffen auf dem Markt im vergangenen Sommer. Man habe das Augenmerk darauf gelegt, wer in die bestehende Truppe reinpasst, vor allem menschlich.

„Wir haben auch versucht, letztes Jahr auf den Typ zu gucken“, betonte Nachtigall, „aber es kamen einige Faktoren zusammen, die einfach nicht passten. Wir wollen auch gar nicht mehr zurückblicken.“ Klar ist, dass Vinnum in dieser Saison mehr Qualität als Quantität geholt hat und sich punktuell verstärkt hat. Beim ersten lockeren Training nach dem Corona-Lockdown am Donnerstag war Murat Cengiz noch nicht dabei.

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