Aufreger: Verband streicht die Strecken der SuS-Läuferinnen wegen Corona aus dem DM-Programm

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Während Fußballer spielen dürfen, fallen die Laufwettbewerbe aus. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, findet Trainer Bernhard Bußmann. Aus der Läuferszene hat er Unterstützung.

Olfen

, 11.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Deutsche Leichtathletik-Verband will seine Meisterschaften durchziehen, aber ohne Laufwettbewerbe ab 1.500 Meter. Für die Olfener Läuferinnen bedeutet das: Der Saisonhöhepunkt bricht weg. Und das sorgt für viel Unverständnis, nicht nur in Olfen.

Es ist ein kleiner Satz im Hygiene- und Durchführungskonzept des DLV auf Seite 5: „Die Laufdisziplinen auf der freien Bahn (Läufe ab 1.500 m einschließlich Hindernisläufe) und Staffelwettbewerbe, die das Risiko eines direkten Kontaktes der Athleten hervorrufen könnten, werden derzeit im Wettkampfprogramm

nicht berücksichtigt.“

Heißt: Während die Sprinter, Springer und Werfer ihre nationalen Titelkämpfe durchführen dürfen, dürfen die Läufer in Braunschweig nur zugucken - eine Ungerechtigkeit, finden viele Sportler. Die prominenteste Kritik kommt von Hindernisläuferin Gesa Krause, einem der Vorbilder der Olfenerin Marie Gövert, die bei den Deutschen Jugendmeisterschaften an den Start gegangen wäre: „Kein Hindernislauf und keine Mittelstrecken bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr - ich bin sprachlos“, schrieb sie auf Instagram.

Auch Bernhard Bußmann, Vorsitzender des SuS Olfen und Trainer von den Talenten Marie Gövert und Luca-Lynn Faßbender (U18), ist enttäuscht: „Das ist ein Thema für sich. Dass sich Gesa Krause fürchterlich aufregt, ist für mich verständlich. Das ist nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig“, kritisierte Bußmann. Auch bei der Jugend-DM in Ulm, die in den September verschoben wurde, wird die längste Distanz nach aktuellem Stand der 800-Meter-Lauf sein, weil die Athleten hier in Bahnen laufen können.

Luca-Lynn Faßbender (l.) und Marie Gövert (r.) trafen Europameisterin Gesa Krause bereits persönlich.

Luca-Lynn Faßbender (l.) und Marie Gövert (r.) trafen Europameisterin Gesa Krause bereits persönlich. © SuS Olfen

Verband wirbt um Verständnis

Der DLV reagiert: „Natürlich verstehen wir die Kritik von Athleten und Trainern, der nach derzeitigen Stand betroffenen Disziplinen“, schreibt der Verband in einem Statement, aber die Meisterschaften erfordere eine Ausnahmegenehmigung, die sich an behördliche Verordnungen über infektionsschützende Maßnahmen zu orientieren hat. „Kontaktfreie Wettbewerbe und ein Sicherheitsabstand“ seien gefordert - bei Massenstart-Rennen wie den 1.500 Metern nicht umsetzbar.

Bußmann, aber auch Krause stört daran, dass es in einer anderen Profisportart sehr wohl geht: dem Fußball. „Fußballer spielen 90 Minuten gegeneinander.

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Die Aerosolbelastung ist auch hoch, wenn ein Fußballer einen anderen Fußballer verfolgt. Das passt nicht! Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, findet Bußmann. Ein Argument ist auch, dass die Läufer oft nur am Start im Pulk zusammen laufen, die Starterfelder mit 8 bis 12 Teilnehmern viel kleiner seien als bei einem Bundesligaspiel, in dem 22 Spieler auflaufen - plus 5 Auswechselspieler pro Mannschaft.

Marie Gövert trainiert normalerweise auf die Deutschen Meisterschaften hin. 2020 entfällt der Saisonhöhepunkt.

Marie Gövert trainiert normalerweise auf die Deutschen Meisterschaften hin. 2020 entfällt der Saisonhöhepunkt. © SuS Olfen

DLV will bei Lockerungen entgegenkommen

Ganz aufgeben müssen die Sportler die Hoffnungen noch nicht: „Die Bewertungen der Corona-Lage gestalten sich dynamisch. Sollte es aufgrund von weiteren Lockerungen und Genehmigungen die Möglichkeit geben, Mittel- und Langstrecke bei der DM durchzuführen, werden wir das tun“, teilte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des DLV, mit. Eine Option sei, die ausgefallenen Wettbewerbe beim ISTAF in Berlin zu integrieren. Ob das auch für Jugendwettbewerbe gilt, ist nicht bekannt.

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Marie Gövert und Co. jedenfalls droht vorerst ein wettkampffreies Jahr. Der erste Ärger darüber ist verraucht. Bußmann: „Die Mädels haben sich mittlerweile damit abgefunden.“

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