Der SC Capelle bekommt einen Kunstrasenplatz. Im Haushaltsplan hat die Gemeinde Nordkirchen schon Geld vermerkt. Doch bis zum Bau ist der Weg weit - und viele Fragen sind noch offen.

Capelle

, 26.02.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim SC Capelle ist man stolz auf den Rasenplatz. „Jeder Fußballer ist froh, wenn man auf einem guten Rasenplatz spielen kann. Und einen solchen haben wir in Capelle“, sagt Josef Mertens, seit 2015 Vositzender des SC Capelle. Die Anlage ist gut gepflegt. Dicht an dicht stehen die kurzgemähten Halme. Auch in den heißen Sommermonaten verdorrte der Rasen nicht, weil er täglich gewässert wurde.

Klar ist mittlerweile, dass die Zeiten, in denen auf dem Rasenplatz trainiert und gespielt wird, in gut zwei Jahren enden werden. Entweder entsteht auf diesem Areal der geplante neue Kunstrasen - oder die Gemeinde beschließt den Bau auf dem derzeitigen Ascheplatz, der nebenan etwas tiefer liegt.

Dann würde aber der Naturrasen aufgegeben. Darüber sind sich Verein und Gemeinde einig - wie auch beim Bau der modernen Kunstrasenanlage beim SV Südkirchen 2019. „Wir haben mit der Gemeinde eine Nutzungsvereinbarung“, sagt Josef Mertens. Die entfällt, wenn der Kunstrasen kommt - und damit entfallen auch die Gelder für die Unterhaltung des Rasenplatzes.

Welche der beiden Sportplätze wird überbaut?

Josef Mertens wird, wenn es so weit ist, dem Naturrasen auch nur mit einem Auge hinterhertrauern. „Unser Trainer Reinhard Behlert ist auch ein Fan von Naturrasen. Wenn man aber die Entwicklung sieht, gibt es fast nur noch Kunstrasen. Wir wollen uns dem nicht verschließen. Wir haben im Winter auch in Südkirchen trainieren können, was der Mannschaft gutgetan hat“, sagt Mertens.

Der Naturrasen in Capelle wird wohl 2021 Geschichte sein - entweder wird er überbaut oder aufgegeben.

Der Naturrasen in Capelle wird wohl 2021 Geschichte sein - entweder wird er überbaut oder aufgegeben. © Patrick Fleckmann

Die Standortfrage ist die, die Verein und Verwaltung wohl am ehesten umtreiben wird. „Oben“ auf dem Naturrasen oder „unten“ auf dem Aschenplatz? Lärmschutzgründe sprechen für einen Bau auf dem derzeitigen Ascheplatz. Dagegen spricht, dass das Vereinsheim und die Umkleiden dann etwa 100 Meter Fußweg entfernt wären. „Schön wäre es natürlich, die Anlage räumlich zusammen zu haben“, sagte Mertens, sieht aber auch erhebliches Kosteneinsparpotenzial auf bei einem Bau dem Ascheplatz, weil hier der Platz womöglich nicht ausgebaggert werden müsste und eine Flutlichtanlage schon existiert.

450.000 Euro stehen im Haushaltsentwurf für das Jahr 2021

Bürgermeister Dietmar Bergmann (SPD) gibt zu: „Geld ist auch ein Faktor, aber es hilft keinem, wenn wir oben eine Fläche haben, mit der man nicht weiß, was man mit ihr machen soll.“ 450.000 Euro stehen für 2021 im Haushaltsentwurf.

Konkret muss der vom Rat noch verabschiedet werden. Auch die einzelne Maßnahme muss der Rat der Gemeinde noch beschließen.

Der Ascheplatz verfügt bereit über Flutlichtmasten.

Der Ascheplatz verfügt bereit über Flutlichtmasten. © Patrick Fleckmann

Bis zum Spätsommer will Bergmann mit dem Verein die Planungen konkretisieren. „Wir werden vor oder nach den Sommerferien mit dem SC Capelle die Realisierung besprechen, wie die Platzanlage gestaltet werden kann“, sagt Bergmann.

Bau könnte im Sommer 2021 beginnen

Unklar ist auch noch, wann der Bauauftrag erteilt werden könnte. Der Rat muss sich nach den Kommunalwahlen am 13. September erst neu konstituieren. Der Bürgermeister rechnet daher mit einem Beschluss Anfang 2021. Im Sommer 2021 könnten dann die Bagger rollen - das ist wohl das früheste Datum.

Bei Großveranstaltungen dient der Sportplatz als Ausweich-Parkplatz.

Bei Großveranstaltungen dient der Sportplatz als Ausweich-Parkplatz. © Weitzel

Eine weitere offene Frage ist die Parkplatzsituation. Gerade bei Großveranstaltungen wie der Winterbike-Trophy Anfang Januar, wenn der Ascheplatz auch als Abstellmöglichkeit genutzt wird, fehlen in der Gorfeldstraße ausreichend Parkmöglichkeiten, wenn ein Platz aufgegeben wird. Bergmann ist wichtig, dass die Wohngebiete nicht belastet werden. Lösungen könnten vorübergehende Einbahnstraßenregelungen bieten, um Autos am Straßenrand abzustellen. Mertens schlägt vor, einen Teil des dann wegfallenden Sportplatzes in einen Parkplatz umzuwandeln.

Gummigranulat ist verpönt - Sand wird wahrscheinlicher

Wahrscheinlich ist indes, dass sich der Platz von den anderen beiden Kunstrasenplätzen in der Gemeinde in Nordkirchen und Südkirchen unterscheiden wird. In den vergangenen Jahren geriet das beliebte Gummigranulat aus Umweltgründen in die Kritik. Die Europäische Union erwog sogar ein Verbot. Sand ist mittlerweile wieder das gängige Einstreumittel zwischen den Kunstrasenhalmen. Für die Gemeinde ist laut Bergmann klar, dass nur die neuste Generation wirklich ein Thema sein wird. Und die ist mit Sand verfüllt.

Sportplatzbau ist Teil des Sportstättenkonzeptes

Der Bau eines Kunstrasenplatzes in Capelle ist die Umsetzung des Sportstättenkonzepts der Gemeinde, die eine dezentrale Lösung für die drei Ortsteile vorsieht. 2019 ließ die Gemeinde daraufhin den Kunstrasen in Südkirchen errichten, 2020 bekommt der FC Nordkirchen neue Umkleiden. 2021 ist Capelle dran. Der SC Capelle hat aktuell 471 Mitglieder, davon entfallen 208 auf die Fußballabteilung. Fast jeder vierte Capeller ist also SCC-Mitglied.

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