Mit Passübungen und Disziplin gegen das „Arschlochvirus“ - SC Capelle beim ersten Training

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„Unser Konzept ist sicherer als jeder Einkauf im Supermarkt“, sagt SC Capelles Fußballtrainer Reinhard Behlert. Das erste Training nach dem Lockdown begann mit einer klaren Ansprache und viel Disziplin.

Capelle

, 20.05.2020, 10:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Szene des Abends bot Trainer Reinhard Behlert persönlich. Nachdem ein Ball des SC Capelle in die Büsche geflogen war, musste Lars Zimmermann ihn mit den Händen dort wieder rausfischen. „Den müssen wir desinfizieren“, rief Zimmermann seinem Coach zu. Denn eine der Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus, die der SC Capelle vor der Wiederaufnahme des Trainings aufgestellt hatte: Niemand berührt die Bälle mit den Händen. Und so stapfte Behlert zur Seitenauslinie, um mit der bereit stehenden Sprühflasche mit Desinfektionsmittel die Balloberfläche zu benetzen. Der SC Capelle ist zurück auf dem Platz.

Reinhard Behlert desinfiziert einen Ball, der mit den Händen berührt wurde.

Reinhard Behlert desinfiziert einen Ball, der mit den Händen berührt wurde. © Sebastian Reith

Am Dienstagabend staunten die Capeller nicht schlecht. Behlert hatte 17 Spieler im Training. Vorher hatte der Vorstand einen von Sportchef Sebastian Schimschewski ausgeklügeltes Hygienekonzept, das auch auf der Internetseite des Vereins einsehbar ist, der Gemeinde vorgelegt. Das sah vor, dass die Spieler Abstand auf dem Platz halten. Keine Begrüßung per Handschlag.

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Jeder Spieler muss sich die Hände vor dem Training waschen

Stattdessen: Hände waschen an dem Waschbecken draußen vor dem Vereinsheim, vor dem auf dem Boden Striche den Mindestabstand deutlich machen.

Nach und trudelten die Capeller Spieler um kurz vor 19 Uhr ein. „Die Jungs wollen trainieren. Sie wollen auf den Platz. Deswegen haben wir uns drum gekümmert“, sagte Vereinschef Josef Mertens, der mit Maske am Platz erschien.

Die Spieler waschen sich vor Trainingsbeginn die Hände. Links wartet Sinan Kixmöller mit ausreichend Abstand.

Die Spieler waschen sich vor Trainingsbeginn die Hände. Links wartet Sinan Kixmöller mit ausreichend Abstand. © Sebastian Reith

Er ist sich sicher, dass auch bei weiteren Lockerungen hin zu Fußball als Kontaktsportart Hygienemaßnahmen ein Thema bleiben werden: „Das wird uns das ganze Jahr beschäftigen. Man wird den Schalter nicht umlegen können - und dann ist alles wieder wie vorher.“

Reinhard Behlert hält eine Ansprache zum Trainingstart.

Reinhard Behlert hält eine Ansprache zum Trainingstart. © Sebastian Reith

Das Training begann Behlert mit einer 15-minütigen Ansprache am Mittelkreis. Und die war eindringlich. „Diese Regeln sind unendlich wichtig. Wir halten uns daran, solange dieses Arschlochvirus herumgeistert“, sagte Behlert. Das Training in Capelle findet auf freiwilliger Basis statt. Behlert appellierte auch an die Eigenverantwortung seiner Spieler und an die Disziplin. „Wer irgendwelche Symptome hat, bleibt zu Hause. Ihr müsst es nicht gut finden, aber es wird akzeptiert. Es wird gemacht, was hier drinsteht“, erklärte Behlert und wedelte mit dem fünfseitigen Papier.

Training basiert auf Passübungen, Laufen und Fitness

Das erste Training seit über zwei Monaten hatte der Trainer der B-Liga-Mannschaft, der in Rufweite zum Sportplatz wohnt, schon vorbereitet und Hütchen aufgebaut. Es basierte auf Pass-, Fitness- und einigen Laufübungen und dauerte anderthalb Stunden.

In Paaren begann das Training mit Passüungen.

In Paaren begann das Training mit Passüungen. © Sebastian Reith

Behlert begann mit Passübungen von festen Partnern, die ausreichend Seitenabstand zu benachbarten Paaren hielten. Zwischendurch gab es Laufkoordinationen, Balljonglage und Stabilitätsübungen. Und so konnte Behlert auch gleich sehen, welche seiner Spieler die Home-Übungen, die er seinen Akteuren in der Coronakrise mitgegeben hatte, auch durchgezogen hatten.

Alexander Küper hält einen Ball hoch. Parallel dazu muss eine zweite Gruppe Stabi-Übungen machen. Behlert ist selbst noch ganz fit, macht diese Übungen alle mit.

Alexander Küper hält einen Ball hoch. Parallel dazu muss eine zweite Gruppe Stabi-Übungen machen. Behlert ist selbst noch ganz fit, macht diese Übungen alle mit. © Sebastian Reith

Im weiteren Verlauf führte Behlert dann zwei Gruppen ein, die eine Passfolge über eine Platzhälfte einstudieren sollten und die jeweilige Position des angespielten Spielers einnehmen mussten. In der fortgeschrittenen Variante musste ein Spieler überspielt werden. Zum Schluss baute Behlert Tempo- und einen kleinen Wettkampf mit ein.

Passen, Laufen, Passen - Lars Zimmermann (r.) und Oliver Eckey bei der Abschlussübung.

Passen, Laufen, Passen - Lars Zimmermann (r.) und Oliver Eckey bei der Abschlussübung. © Sebastian Reith

Dann war das Training schon beendet. Behlert ließ die Mannschaft in zwei Gruppen getrennt vom Platz gehen. Ein längeres Verweilen vor dem Vereinsheim gab es wie sonst üblich nicht. Behlert stellte in Aussicht, dass bei weiteren Lockerungen das Bierchen nach dem Training mit genügend Abstand wieder möglich sein könnte.

Kapitän zieht positives Fazit

Kapitän Simon Walter sagte nach dem Training: „Es war anstrengend, weil man wieder reinkommen musste, aber schön. Es hat Bock gemacht, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Was der Verein da auf die Beine gestellt hat, ist toll. Und ich glaube, die Einhaltung der Regeln hat auch gut geklappt.“ In der Tat: Körperkontakt zwischen Spielern oder eine Verletzung der Abstandsgebote waren nicht zu beobachten.

Desinfektionsmittel steht bereit. In der Kiste befinden sich auch Handschuhe und Mundschutz, die Trainer Behlert bei Verletzungsbehandlungen aufsetzt.

Desinfektionsmittel steht bereit. In der Kiste befinden sich auch Handschuhe und Mundschutz, die Trainer Behlert bei Verletzungsbehandlungen aufsetzt. © Sebastian Reith

Behlert merkte man während des Trainings an, dass er froh war, dass es gut lief. „Unser Konzept ist sicherer als jeder Einkauf im Supermarkt“, raunzte er Schimschewski zu. Wer übrigens in seinem Haushalt einen positiven Test das Coronavirus hat, den nimmt der SC Capelle mindestens 21 Tage aus dem Trainingsbetrieb - so steht es im Konzept. Doch erstmal ist der SC Capelle wieder auf dem Platz.

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